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Regional Gespräch mit Festival-Künstlern
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09:24 27.04.2018
Händel-Talk III in Bremers Weinkellerei:  Laurence Cummings, Paul Hopwood, Sophie Junker, Tobias Wolff und Erich Sidler (von links).
Händel-Talk III in Bremers Weinkellerei: Laurence Cummings, Paul Hopwood, Sophie Junker, Tobias Wolff und Erich Sidler (von links). Quelle: Niklas Richter
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Göttingen

Junker und Hopwood singen tragende Rollen in „Armino“, der Oper, die auf der Geschichte von Hermann. Der Cherusker hatte vor 2000 Jahre in der Varusschlacht die Römer vernichtend geschlagen und wurde Jahrhunderte später des des deutschen Gründungsmythos. Für Händel habe die Geschichte allerdings nur Folie verwendet, erklärte Sidler, Intendant des Deutschen Theaters Göttingen, „er hat sich nicht sehr dafür interessiert“. Nach dem Unterschied zwischen der Arbeit als Theater- und Opernregisseur befragt, wiegelte Sidler ab. Ihm sei bewusst, dass das Gegenüber anders ist, Sänger nämlich, aber „letztlich geht es darum, eine gute Geschichte zu erzählen.“ Später ergänzte er: „Ich reibe mich nicht an der Künstlichkeit.“

Händel in der Region

Die Internationalen Händel-Festspiele Göttingen starten am Donnerstag, 10. Mai. Sie laufen bis Montag, 21. Mai. Der Oper „Armino“ hat am Sonnabend, 12. Mai, Premiere im Deutschen Theater Göttingen, Theaterplatz 11. Mit einer Reihe von musikalischen Abenden sind die Händel-Festspiele auch in der Region präsent. Einen davon schätzt der geschäftsführende Intendant Tobias Wolff besonders: die St.-Nicolai-Kirche in Herzberg. Dort steht am Sonntag, 13. Mai, um 18 Uhr Händels Siegeroratorium „Alexander Balus“ auf dem Programm, vorgetragen von den Solisten Macjanna Myrlak, Arianna Vendittelli, Gulia Bolcato, William Wallace und Martin Achrainer, dem Ensemble Musica Alta Ripa und dem Landesjugendchor. Die Leitung hat Jörg Straube. Am Freitag, 18. Mai, gastiert der Christ Church Cathedral Choir um 19 Uhr in St. Cyriakus in Duderstadt. Am selben Tag um 20.30 Uhr tritt Laura Moody mit einem Sonnenuntergangskonzert im Sport- und Golf-Resort auf Gut Wissmannshof in Staufenberg auf - wiederum ein Ort, den Wolff sehr schätzt. Das komplette Programm gibt es unter händel-festspiele.de. Tickets können in den Tageblatt-Geschäftsstellen gekauft werden, Weender Straße 44 in Göttingen und Marktstraße 9 in Duderstadt. pek

Wesentlich sei laut Sidler die Atmosphäre der Musik, interessant auch, „weil sie nicht einer Logik folgt“. Sidlers Beispiel: Sigismondo müsste deprimiert sein, singe aber eine sehr fröhliche Arie. Sidler: „Es lohnt sich nicht, einen trauernden Sigismondo zu zeigen. Es würde nicht funktionieren.“

„Unglaubliches Potenzial“

Das Ensemble lobte er als „Kollegen mit unglaublichem Potenzial“ und enormer Spiellust. Sidler: „Sie wissen, dass sie besser singen, wenn sie gut spielen.“ Und weiter: „Wir kommen gerade als Ensemble zusammen.“

Der titelgebende Figur Armino schreibt Sidler „etwas Terroristisches“ zu: „Er zieht in den Krieg für etwas Besseres und nimmt Tote in Kauf.“ Varo hingegen habe kein Interesse, den Krieg zu führen, „das ist die beste Lösung für die Welt“.

Kostproben ihres Könnens

Neben den Einblicken in die Arbeit an der Operninszenierung gaben Junker und Hopwood Kostproben ihres Könnens. Junker singt die Rolle des Sigismondo, „eine Hosenrolle“, erklärte Wolff, üblich bei Händel, eher selten für eine Sopranistin. Junker zeigte viel Respekt vor Kastraten, die früher diese Rolle übernahmen. Sie verfügten über einen großen Stimmumfang und hervorragender Technik. Zum Gesang sei sie über ihren Vater gekommen, einen Gesangslehrer. Im Jahr 2010 gewann sie einen Gesangswettbewerb, in der Jury saß Cummings. Der musikalische Leiter würdigte die Entwicklung der Sängerin in den vergangenen Jahren. Sie habe viele Farben in ihrer Stimme und weitere schauspielerische Facetten entdeckt. Junker sang eine Händel-Arie und - zur Überraschung des Publikums - das Chanson „Göttingen“ von der französischen Sängerin Barbara.

Vergnügen des Tenors

Hopwood ist „der böse Varo, der böse Römer“, erklärte Wolff zum sichtlichen Vergnügen des Tenors. Der versuche, den Charakter Varos „anzureichern, nur böse wäre zu wenig“, sagte Wolff. Der Feldherr ist verliebt in die verheiratete Tusnelda und ahnt, dass es kein Gutes Ende geben wird, so Wolff. Dem Publikum in Bremers Weinkellerei präsentierte er eine Arie aus dem dritten Akt der Oper, laut Wolff „das letzte, was er singt auf der Bühne. Dann zieht er in die Schlacht und kehrt nicht mehr zurück“.

Das komplette Händel-Programm finden Sie hier.

Von Peter Krüger-Lenz

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