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Regional „Rodrigo“: Drama in einer kaputten Gesellschaft
Nachrichten Kultur Regional „Rodrigo“: Drama in einer kaputten Gesellschaft
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00:22 28.04.2019
Händel-Talk in der Weinkellerei Bremer mit Dirigent Laurence Cummings, Intendant Tobias Wolff, Regisseur Walter Sutcliffe, der Sopranistin Anna Dennis sowie den Countertenören Leandro Marziotte und Russell Harcourt (von links). Quelle: Michael Schäfer
Göttingen

Mit der Arie „Eroica fortezza“ aus „Rodrigo“, geschmückt mit virtuosen Koloraturen, eröffnete Countertenor Russell Harcourt den Abend im Vorfeld der Händel-Festspiele, die am 17. Mai mit der Premiere dieser Oper beginnen und bis zum 25. Mai gefeiert werden. Cummings am Klavier führte dabei unauffällig ein besonderes Kunststück vor. Er spielte – wie auch im weiteren Verlauf des Abends – seinen Begleitpart einen Halbton tiefer als gedruckt, denn ein Klavier in moderner Stimmung steht für originale Barockmusik genau einen Halbton zu hoch.

Tickets zu gewinnen

Für die Oper „Rodrigo“ bei den Internationalen Händel-Festspielen Göttingen verlost das Tageblatt fünfmal zwei Karten. Wer für das „Dramma per musica in drei Akten“ am Montag, 20. Mai, um 15 Uhr im Deutschen Theater Göttingen, Karten gewinnen möchte, kann am Freitag, 26. April, von 8 bis 20 Uhr, unter Telefon 01 37 / 86 00 273 anrufen und deutlich seinen Namen, Anschrift und Telefonnummer sowie das Stichwort „Rodrigo“ auf Band sprechen. (0,50 Euro pro Anruf aus dem deutschen Festnetz, Preise aus dem Mobilfunknetz können abweichen). Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner werden informiert, ihre Namen können im Tageblatt veröffentlicht werden. Karten für die Oper sind auch in den Geschäftsstellen des Göttinger Tageblattes, Weender Straße 44, und des Eichsfelder Tageblattes, Marktstraße 9, Duderstadt, erhältlich.

Diese brillant gesungene Arie war ein perfekter Appetizer für das gespannt lauschende Publikum, das im weiteren Verlauf des Abends viele Informationen über die bevorstehende Premiere erhielt. Dafür hatte Intendant Tobias Wolff als Moderator Leitfragen vorbereitet, die er den Solisten, dem Regisseur und dem Dirigenten in einem anregend lockeren Gespräch stellte. Worum es denn in „Rodrigo“ gehe, wollte er von Regisseur Walter Sutcliffe wissen. „Um eine Gesellschaft, die auf Konflikt eingestellt ist“, die ganz kaputt sei. Es handele sich leider nicht um eine Komödie, sondern um ein Drama „mit etwas Absurdität – das kann ich als Engländer gut begreifen“, lautete Sutcliffes Antwort. Zudem habe die Inszenierung einer solchen Oper viel mit Improvisation zu tun, das sei ähnlich wie bei Shakespeares Bühnenstücken. Er suche die angemessene Balance zwischen „safety and freedom“, Sicherheit und Freiheit.

Noten lange verschollen

Dirigent Cummings erläuterte, weshalb diese Oper so selten gespielt wird: Sie sei ein sehr frühes Werk, außerdem seien die Noten lange verschollen gewesen, erst in den 1980er-Jahren sei der Hauptteil des Materials wiedergefunden worden, einiges habe – frei dazukomponiert – in Händels Sinne ergänzt werden müssen. Doch das lohne durchaus: die musikalischen Ideen Händels seien „beautiful and fresh“. Insgesamt sei „Rodrigo“ ein „Feuerwerk der Emotionen“, „ein Stück, das einen mitnimmt“. Wolff ergänzte, die in Göttingen präsentierte Version sei „eine Mischfassung mit schönsten Hits“.

Countertenor Leandro Marziotte steuerte mit seiner sehr flexiblen, auch in hohen Lagen federleicht ansprechenden Stimme eine zweite Arie aus „Rodrigo“ bei, „Dopo i nembi, el le procelle“. Marziotte gehört dem Ensemble Radio Antiqua an, dem Sieger des Göttinger Händel-Wettbewerbs 2014. Dieser Erfolg habe seine Karriere beflügelt, berichtete er, kürzlich sei die erste CD-Produktion herausgekommen, dazu stehe eine Portugal-Tournee bevor. Das dritte Live-Beispiel aus „Rodrigo“ war eine Arie der Florinda, wunderbar ausdrucksstark gesungen von Sopranistin Anna Dennis, die schon bei mehreren Händel-Festspielen mitgewirkt hat und für ihre – einer Schwangerschaft wegen verhinderte – Kollegin Silvia Frigato eingesprungen ist.

Nein, er werde seine Inszenierung nicht historisch anlegen, betonte abschließend Regisseur Sutcliffe. „Wir versuchen, dass die Figuren leben. Sie werden sich sehr wohl fühlen. Ich glaube, Sie werden Spaß haben.“

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Weitere Termine

Zum dritten Händel-Talkzum Thema „Die Musik und das Hören“ am Montag, 6. Mai, sind neben Musikern der Festspiele Prof. Tobias Moser, Direktor des Instituts für Auditorische Neurowissenschaften der Universitätsmedizin Göttingen, und seine Mitarbeiterinnen Dr. Tina Pangršič-Vilfan und Dr. Nicola Strenzke eingeladen. Beginn ist um 20 Uhr im UMG-Restaurant im Klinikum.

Bereits am Freitag, 3. Mai, ist das Auftaktkonzertder Festspiele angesetzt. Zu Gast im Muthaussaal auf Burg Hardeg in Hardegsen sind die Sopranistin Ruby Hughes und Laurence Cummings (Cembalo) mit Arien von Händel, Arne und Smith. Beginn ist um 19.30 Uhr.

Am Sonnabend, 4. Mai, sind Solisten der Oper „Rodrigo“ zu Gast im Landesmuseum Hannover, das eine Sonderausstellung „Saxones. Eine neue Geschichte der alten Sachsen“ zeigt. Um 19 Uhr startet ein Rundgang durch die Ausstellung, das Konzert „Il caro Sassone“ beginnt um 20 Uhr. Karten gibt es an der Kasse des Landesmuseums Hannover.

Am Sonntag, 6. Mai, singt im Sing-along-Gottesdienst der St.-Jacobi-Kirche der Tageblatt-Chor unter der Leitung von Laurence Cummings, begleitet vom Jugendsinfonieorchester Göttingen, Chorsätze aus Händels Oratorium „Saul“. Beginn ist um 10 Uhr, die Predigt hält Pastor Harald Storz.

Von Michael Schäfer

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