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Regional „Rodrigo“ begeistert auch in der Familienfassung
Nachrichten Kultur Regional „Rodrigo“ begeistert auch in der Familienfassung
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00:20 29.05.2019
Juri Tetzlaff geht auf Tuchfühlung mit Opernhund Sonny. Quelle: Theodoro da Silva
Göttingen

Die Familienfassung der Oper gehört seit Jahren zum festen Bestandteil der Göttinger Händel-Festspiele. In diesem Jahr führte Juri Tetzlaff, vielen bekannt als Kika-Fernsehmoderator, gewohnt unterhaltsam durch „Rodrigo“. Dabei erhellte er gemeinsam mit dem gut aufgelegten Ensemble nicht nur die Irrungen und Wirrungen um den finsteren Herrscher aus Sevilla, sondern gab auch ein paar Einblicke in die Funktionsweise der barocken Oper.

Schon das von Dorota Karolczak gestaltete beeindruckende Bühnenbild verfehlte bei den kleinen Besuchern am Sonntagmittag seine Wirkung nicht. Als dann auch noch König Rodrigo (Erica Eloff) und seine Geliebte Florinda (Anna Dennis) die düstere Szene als betrunkenes Pärchen belebten, klammerten sich einige kleine Hände an ihre Eltern. Beinahe erleichtert klang dann der Applaus, als Tetzlaff und wenig später Opernhund Sonny die Bühne betraten.

Der böse König ist eine Frau

Der Moderator stellte die Fragen, die sich insgeheim vielleicht nicht nur die Kinder im Publikum stellten: „Was macht denn bitte das Ipad auf der Bühne?“, „Was singen die da eigentlich, kommt euch das nicht auch spanisch vor?“ oder „Warum klingt Rodrigos Stimme eigentlich so hoch?“ Und so erfuhr das Publikum, dass Regisseur Walter Sutcliffe mit seiner Interpretation des 300 Jahre alten Stoffes alle Freiheiten genieße. Zeitsprünge von 1300 Jahren seien ebenso erlaubt, wie räumliche. Sonst hätte ja wohl kaum das Gänseliesel im Spanien des Jahres 711 herumstehen dürfen.

Außerdem wusste der Moderator zu berichten, dass die meisten Opern damaliger Zeit in italienischer Sprache gesungen wurden, unabhängig vom Ort der Handlung. Und die Sache mit Rodrigos Stimme war auch schnell erklärt: Der böse König wird von einer Frau, namentlich von Erica, gespielt. Und die erläuterte dann gleich, dass sogenannte Hosenrollen zu Händels Zeiten keine Seltenheit gewesen seien. Anschließend gab sie in einem kleinen Spontanworkshop dem Publikum Tipps, wie man besonders männlich rüberkommt: Brusthaar, Kinnbart und ein Gang wie ein Rapper.

„Stopp, das ist ja scheußlich“

Mit Hilfe des musikalischen Leiters Laurence Cummings und Fflur Wyn, die die sanftmütige Königin Esilena verkörperte, gab es gleich im Anschluss die nächste Lehrstunde. Um zu erklären, wie eine Arie funktioniert, ließ Cummings Festspielorchester und Sopranistin erst richtig beschleunigen und anschließend mit verringertem Tempo singen und spielen. „Stopp, das ist ja scheußlich“, kommentierte er das eigene Experiment und hatte damit anschaulich bewiesen, dass für eine gelungene Arie vor allem das Gefühl und das Tempo zählen.

Als dann kurz vor Schluss der König von seinen diversen Widersachern gemeuchelt zu werden drohte und die liebende Königin doch noch für ein Happy End sorgte, stellte Tetzlaff die alles entscheidende Frage und gab die Antwort gleich dazu: „Was will uns diese Oper eigentlich sagen?“ – Sie zeige, dass Güte und Liebe viel schöner seien als Hass und Gewalt. „Das ist schön, wenn man es sagt. Aber es ist noch viel schöner, wenn es diese wundervollen Künstler singen.“ Donnernder Schlussapplaus.

Die Familienfassung des Rodrigo war lehrreich, sie war unterhaltsam, verzaubernd und humorvoll. Insgesamt war sie ein etwas mehr als einstündiger generationsüberspannender Werbeblock für Händels Musik.

Von Markus Scharf

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