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Regional Hans-Joachim Lechte kopiert Expressionisten – und stellt Werke nun erstmals aus
Nachrichten Kultur Regional Hans-Joachim Lechte kopiert Expressionisten – und stellt Werke nun erstmals aus
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07:41 29.11.2019
Nach Expressionismus und Surrealismus erkundet Lechte jetzt Naturalismus und Porträtmalerei. Quelle: Kuno Mahnkopf
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Klein Lengden

Speisen, Reisen, Malerei – Hans-Joachim Lechte weiß die schönen Dinge im Leben zu schätzen. Im stillen Kämmerlein hat der 72-Jährige autodidaktisch zu einem eigenen Stil, über das Kopieren expressionistischer Meisterwerke zu eigenen Werken gefunden. Jahrzehntelang blühte seine Kunst nur im Verborgenen, jetzt wird sie erstmals öffentlich ausgestellt.

Von der Kochkunst zur bildenden Kunst war es für den in Klein Lengden lebenden gebürtigen Göttinger nur ein kleiner Schritt. Beides ist für ihn „geistig artverwandt“ und ein Quell der Entspannung. Weniger entspannend ging es im gastronomischen Berufsleben des Küchenmeisters i.R. zu. Nach der Ausbildung zum Koch im Göttinger Hotel Zur Sonne und Zwischenstation im Restaurant Alte Krone hat Lechte in der Northeimer Truppenküche Wehrdienst geleistet, war viele Jahre lang Koch in der Universitätsklinik, hat am Aufbau der neuen Zentralküche der Uni mitgewirkt, als Küchenmeister und Lehrlingsausbilder im Landeskrankenhaus in Moringen auch dort eine Zentralküche aufgebaut.

Nach jahrzehntelangem Schaffen zeigt Lechte seine Werke erstmals öffentlich

Seit Jahrzehnten hat sich der passionierte Pilz- und Briefmarkensammler auch der Malerei verschrieben. Akribisch hat der Vater von zwei Kindern über zehn Jahre hinweg Informationen aus Bibliotheken, Archiven und Museen zusammengetragen, eine Forschungslücke gefüllt und zwei dicke philatelistische Schwarten über das „Königreich Hannover – 1850 bis 1866“ veröffentlicht. Die Fachbücher wurden ebenso mit einem Literaturpreis ausgezeichnet wie sein „Märchen von den ungleichen Brüdern auf den beiden Burgen Gleichen“.

Die Faszination für künstlerische Motive beschränkte sich nicht auf Briefmarken. Als Lechte 1974 im Göttinger Kunsthaus Nottbohm Ansichtskarten von Expressionisten entdeckte, hatte es ihn gepackt. Vor allem die Künstlergruppe „Die Brücke“ hatte es ihm angetan. Nach ersten Versuchen mit Aquarellfarben auf Zeichenblock-Papier wagte sich Lechte an Ölfarben heran, übertrug in Storchenschnabel-Technik Postkarten-Raster auf Leinwand und begann, die großen Expressionisten zumeist in Originalgröße zu kopieren: Max Pechstein, Otto Müller, Ernst Ludwig Kirchner, August Macke, Albert Gleizes, Franz Marc, Pablo Picasso, Emil Nolde. Die Kopien wirken frappierend echt. So mancher Kunstfälscher könnte sich ein Scheibchen davon abschneiden.

Bei Kopien ist es nicht geblieben. Der Karl-May- und Dalí-Fan komponierte eigene Werke, kombinierte Surrealismus und Expressionismus und kreierte den Zyklus „Natur, Krieg, Klimawandel und Apokalypse“, der auch bei Fridays for Future Anklang finden könnte. „Der Mars im Jahr 6001 vor Christus“ zeigt in Rottönen die letzen Reste einer fiktiven Zivilisation, In „Der Beobachter – Fata Morgana“ versinkt die Bismarckturm-Ruine im Sand, in „Nie wieder Krieg“ bricht sie in Blautönen auf einer Scholle aus dem leeren Raum heraus. In „Gisela – Traum der Apokalypse verarbeitet der Witwer im Zyklus „Ewige Energie“ den Tod seiner Frau vor drei Jahren, der ihn sehr mitgenommen hat. Zum 50. Hochzeitstag ist Lechte allein an die Algarve gefahren, zwei leere Liegestühle künden auf einem Bild vom Verlust.

Seitdem ist es still geworden in seinem Doppelhaus mit thematisch bebilderten Räumen an der Ortsdurchfahrt. Der Verkehr rollt über die Umgehung, nur Dackel „Chico“ leistet Lechte Gesellschaft. „Die Decke fällt mir aber nicht auf den Kopf“, beteuert der Ruheständler. Schließlich hat er ja die Malerei, nähert sich inzwischen Naturalismus und Porträtmalerei und erstellt Dokumentationsfilme – als Privatsache. Als solche betrachtet er auch seine Kunstwerke. Trennen konnte er sich nie von seinen „geistigen Kindern“, hat nicht ein Bild ausgestellt oder verkauft. Für die Zukunft schließt er das zwar nicht gänzlich aus, sagt aber: „Mir würde das Herz bluten.“

Ausstellungsdebüt im Autohaus

Von seinen geistigen „Kindern“ kann sich Hans-Joachim Lechte – wie er selbst sagt – nur schwer trennen. Bislang hat er weder ein Bild verkauft noch ausgestellt. Zumindest Letzteres ändert sich mit Lechtes erster Kunstausstellung im Dezember im Autohaus Rolf in Göttingen. Daran nicht ganz unschuldig sind Lechtes Vereinsfreunde von „Lebendiges Klein Lengden“. Die haben immer wieder vorgeschlagen, dass der 72-Jährige seine Werke auch einmal öffentlich zeigen sollte. Lechte malt seit 1974, jetzt will er aus der Deckung kommen. Zumal er sich auch sorgt, was aus seinen Bildern einmal wird.

Eröffnet wird die Ausstellung am Sonntag , 1. Advent und 1. Dezember. Die Vernissage im Autohaus Rolf beginnt um 15 Uhr. Gezeigt werden die Bilder bis Ende Dezember. Die Exponate sind in zwei Blöcke unterteilt: Expressionistische Bilder der Künstlergruppe „Die Brücke“ als Dokumentarkopien sowie eigene Motive unter dem Motto „Klimaschutz oder die Apokalypse?“.

Von Kuno Mahnkopf

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