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Regional Hardy Krüger zu Gast im vollen Saal des GDA-Wohnstiftes
Nachrichten Kultur Regional Hardy Krüger zu Gast im vollen Saal des GDA-Wohnstiftes
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20:05 16.10.2013
Auch mit 85 Jahren noch körperlich und geistig fit: Hardy Krüger. Quelle: Heller
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Göttingen

Viel erlebt hat Krüger, darum hat er auch viel zu erzählen. Mit dem Buch „Farm in Afrika“ startete er 1970 seine schriftstellerische Laufbahn, in der er es mittlerweile auf 16 Titel gebracht hat. Schon als Zwölfjähriger habe er mit dem Schreiben angefangen, erzählt er im Tageblatt-Gespräch vor der Lesung.

Zur Schauspielerei sei er nach Kriegsende 1945 eher zufällig gekommen. Wobei Krüger sich auch dankbar an seine Arbeit bei der Landesbühne Niedersachsen unter Intendant Walter Heidrich erinnert. Das war in den 50er Jahren – bei diesen Regisseuren habe er mehr gelernt als an Schauspielschulen, wo „junge Leute auf die Tonart des Lehrers gedrillt“ worden seien.

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In Göttingen hat Krüger 1951 zusammen mit Hans Söhnker den Film „Mein Freund, der Dieb“ gedreht: „Das war eine wunderbare Zeit, wir haben damals Göttingen auf unsere Weise erobert.“ Krügers Alters-Aktivitäten beschränken sich keineswegs auf die Präsentation seiner Erinnerungen auf winterlichen Lesereisen. Vor einem guten halben Jahr startete er eine Initiative gegen Rechts.

Reise durch die Rathäuser der Großstädte

Gemeinsam mit Filmemacher Hark Bohm, Theaterchef Dieter Hallervorden und Journalist Klaus Bednarz will er Sponsoren gewinnen und plant in naher Zukunft eine Reise durch die Rathäuser der deutschen Großstädte. Schauspieler Hans Söhnker und Kollegen waren es, erzählt Krüger, die ihn bereits 1943 bei Dreharbeiten zu einem NS-Film über die Nazis aufklärten. „In einem halben Jahr haben sie es geschafft, aus dem Adolf-Hitler-Schüler einen Anti-Nazi zu machen.“ 

Im Wohnstift stellt er ein Kapitel aus seinem 2000 erschienenen Buch „Wanderjahre“ vor, betitelt „Eine ganz ungewöhnliche Liebesgeschichte“. Darin erzählt er, wie der 1961 herausgekommene Film „Sonntage mit Sibyll“ entstand, welche Hoffnungen, Glücksfälle, welche Katastrophen ihn auf dem Weg bis zur Premiere und dem Happy End der Oscar-Verleihung begleiteten, welche Menschen daran beteiligt waren.

Schreibtalent

Vor allem in der Schilderung dieser Menschen zeigt sich Krügers Schreibtalent. Am Ende der Geschichte bekommen sie ziemlich deutliche Konturen, der Produzent Romain Pinés, der Regisseur Serge Bourguignon, die junge Schauspielerin Patricia Gozzi oder der amerikanische Filmproduzent Sam Spiegel, der damals in London arbeitete.

Ihm ist letztlich, wenn auch nur mithilfe mehrerer beinahe märchenhafter Zufälle, der Weg dieses Films in die Kinos zu danken. Eigens für die Lesung hat Krüger – hellgraues Jackett, dunkelblaues Hemd, rote Krawatte – aus der Druckversion eine Sprechfassung dieses Kapitels gemacht – in einem sympathischen Ton, so als erzähle er gerade einem Freund eine Geschichte. Das kommt an beim dicht gedrängten Publikum, spontane Lacher und sichtbare Rührung zeigen dies an. Und die Schlange bei der anschließenden Signierstunde ist eindrucksvoll lang.

Von Michael Schäfer