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Regional „High Noon“ mit Joseph Haydn am Abend
Nachrichten Kultur Regional „High Noon“ mit Joseph Haydn am Abend
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16:25 25.03.2012
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Göttinger

Wie in der Schwester-Symphonie „Le matin“ hat Haydn auch hier seine Orchestermusiker mit zahlreichen solistischen Aufgaben betraut. Diesmal klingen sie bisweilen ein wenig nach Oper, wie der Göttinger Musikhistoriker Andreas Waczkat in seiner informativen Einführung berichtete. Den dementsprechend sanglichen Ton trafen die GSO-Musiker wunderschön, befeuert von ihrem Dirigenten Christoph-Mathias Mueller, der die dramatischen Entwicklungen dieser geistvollen Musik wirkungsvoll ausformte.

Mit Stefan Dohr und seiner Kollegin Sarah Willis von den Berliner Philharmonikern hatte das Konzert für zwei Hörner und Orchester von Antonio Rosetti zwei hochvirtuose Solisten. Sie beherrschen beide souverän die Kunst, auch die schwierigsten Passagen mit nahezu schwereloser Leichtigkeit zu gestalten. So konnten sich die Reize dieser nirgends tiefgründigen, dafür aber sehr anmutig-gefälligen Musik perfekt präsentieren. Mit dem Finale eines weiteren Rosetti-Konzerts bedankten sich die Solisten für den reichen Beifall im gut besuchten Großen Saal des Deutschen Theaters.

Die Jagd

Passend zum Horn-Doppelkonzert folgte die ebenfalls von Hörnerklang dominierte, leichtgewichtige Symphonie „La Chasse“ (Die Jagd) des englischen Komponisten John Marsh. Und mit Mendelssohns c-Moll-Symphonie op. 11 konnte zum Schluss das Orchester unter Mueller zeigen, welch geradezu existenziellen Einfluss die Wiener Klassik auf den 15-jährigen Komponisten Mendelssohn ausgeübt hat. Doch interessanterweise blitzen überall hinter den Mozart- und Beethoven-Anklängen schon die sehr eigenen Züge Mendelssohn durch. Temperamentvoll gestaltete Mueller die Partitur, setzte klare Akzente und sorgte für nirgends nachlassende Spannung. Mit langem Applaus bedankten sich die Zuhörer für einen ausgesprochen liebenswürdigen Abend.

Von Michael Schäfer