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Regional „Hitler ist ein Spielzeug der Kunst“
Nachrichten Kultur Regional „Hitler ist ein Spielzeug der Kunst“
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18:28 17.07.2009
Sendungsbewusster Weltretter: Jonathan Meese (links) und Ex-Junkie Herbert Volkmann.
Sendungsbewusster Weltretter: Jonathan Meese (links) und Ex-Junkie Herbert Volkmann. Quelle: PEK
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Er ist ein Mann mit Sendungsbewusstsein, ein Weltretter, möchte man sagen. Merksätze haut Jonathan Meese im Sekundentakt heraus: „Kunst darf keiner Menschenmacht folgen“, verkündete er gestern Morgen vor der Ausstellungseröffnung. Oder: „Kunst ist notwendig, weil sie die Regierungsform der Zukunft ist.“ Meese formuliert schnell, nicht immer kann die Rhetorik Schritt halten mit der Gedankenfülle, die da sprudelt. So ähnlich malt der 39-Jährige auch.

Seine Bilder leben von der Malgeschwindigkeit. Selbst Großformate entstehen manchmal in Minuten. Er appliziert Gegenstände darauf, die in ihrer Vielfalt und Zusammenhanglosigkeit dem Inhalt einer Damenhandtasche entsprechen. Zumindest vordergründig.

Immer wieder taucht das Konterfei Adolf Hitlers in den Bildern der Ausstellung auf. Was wie schlichte Provokation klingt, folgt jedoch einem Prinzip. „Hitler ist ein Spielzeug der Kunst. Wir müssen viel spielerischer mit solchen Mythen umgehen, damit wir sie brechen können. Erst wenn wir alle mit einem Hitler-Bärtchen Silvester feiern, ist es gegessen“, erklärt Meese.

Wirklich spielerisch kann 1954 geborene Volkmann mit seinen Bildern nicht umgehen. Zum einen ist er ein klassisch ausgebildeter Maler, der sein Handwerk versteht. Zum anderen aber dominiert das Erlebnis seiner Jahrzehnte währenden Drogenabhängigkeit seine Malerei. Er porträtiert sich beim Konsum, hat eine Bildserie über den Drogenmissbrauch führender Nationalsozialisten gemalt. Rauschbilder hat er auf die Leinwand gebracht, die an kitschigen Surrealismus erinnern. Haifische tummeln sich neben Frauen. Gerne porträtiert Volkmann auch, oft den Freund und Kollegen Meese. „Zahnfee“– so wurde der Killer in dem Film „Schweigen der Lämmer“ genannt – hat er ein Werk genannt, das Meese mit einem alienhaft aufgerissenen Maul zeigt. Aus einem zweiten Meese züngelt ein Tentakel, mit dem er den Künstlerkollegen Daniel Richter durchbohrt. Treffender kann man die rhetorische Macht Meeses kaum beschreiben.

Meese selbst formuliert auch Einschätzungen über Kollegen, die er wirklich ernst meint. Baselitz? „Ein großartiger Maler, nicht zynisch, nicht verhärmt.“ Immendorff? „Er war ein super Schauspieler.“ Lüpertz? „Ein toller Unterhalter.“ Das meiste davon könnte man auch über Meese sagen.

Von Peter Krüger-Lenz

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