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Regional „Lichtenbergsche Figuren – Objekt-Aphorismen“
Nachrichten Kultur Regional „Lichtenbergsche Figuren – Objekt-Aphorismen“
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14:00 21.02.2017
Von Christiane Böhm
„Ehrenmal des Konsums“: Schneiderpuppe mit Orden, Schmuck und Federn. Quelle: Harald Wenzel
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Göttingen

Vier Künstler werden sich anlässlich des 275. Geburtstages des Göttinger Gelehrten und Aphoristikers Lichtenberg in Kunstsequenzen mit seinem Werk auseinandersetzen. Den Anfang macht Hoppenstedt mit seinen Objekt-Installationen. Im Gespräch mit dem hannoverschen Kunstkritiker Michael Stoeber erklärte der Künstler bei der Vernissage seine Intention.

Vor 25 Jahren, so Hoppenstedt, habe er begonnen Lichtenberg zu lesen. Fasziniert habe ihn, dass Lichtenberg alles in Frage stellte, immer neue Möglichkeiten suchte. Für ihn sei es eine Herausforderung, in Dingen etwas zu sehen, daran zu lernen, sie neu zusammenzubringen.

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Hoppenstedt kombiniert in seinen Installationen vor allem betagte Dinge neu. Gesammelt hat er diese Dinge auf Flohmärkten. Es tauchen unter anderem eine alte Schlangenledertasche, Knopfpackungen, Zollstöcke, ein altes Puppenbett, eine Schneiderpuppe, Lederriemen, Metallscheiben, Bücher und Garnrollen auf.

Rostige Sägen, Orden und Knöpfe

Unter dem Titel „In Feindschaft vereint“ hat er zwei rostige Sägen mit den Sägeflächen einander zugewandt. Begeistert habe ihn hier vor allem die gewachsenen Schicht auf den Sägeblättern, die wunderschöne Farbe. Es gehe ihm auch um ein Auskosten, ein Genießen.

Die Schneiderpuppe - alt, repariert, zerschlissen - ist dekoriert mit besonders glänzenden Orden, Modeschmuck und kleinen Federchen. Sie trägt den Titel „Ehrenmal des Konsums“. Hoppenstedt versteht sie als Kritik an der Leistungsoptimierung in unserer Gesellschaft.

In „Geschlossenes Weltbild“ hat Hoppenstedt mit lauter kleinen und größeren Metallscheiben, Garnrollen, Knöpfe einen großen geschlossenen Kreis geformt. Haben diese Installationen eher eine gesellschaftliche Botschaft, gibt es doch auch eher persönliche Sichtweisen. Ein alter Maulkorb etwa, den Hoppenstedt gefunden hat. „Den hat jemand selber geflochten“, so der Künstler. Das Prinzip des Flechtens, des Verbindens von Linien sei für ihn ein persönliches Lustprinzip.

Hoppenstedts Sammlung, seine Installationen sind eigenwillig, regen sowohl zum Nachdenken als auch zum Schmunzeln an. Freude und vielleicht Erkenntnis. Das passt. Auch zu Lichtenberg.