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Regional Hoppmanns Kunst in Göttingen
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18:23 05.01.2018
Frank Hoppmann Quelle: Fabian Schellhorn, Berlin
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Münster/Göttingen

Im Interview spricht Hoppmann über Politiker, Physiker und Elche:

Tageblatt: Karikaturen von Kim Jong-Un, Recep Tayyip Erdogang, Donald Trump, Wladimir Putin und Angela Merkel begrüßen die Besucher ihrer Homepage. Jan Böhmermann taucht dort auf, Nick Cave und Joseph Beuys. Welche Kriterien muss jemand erfüllen, um ihr künstlerisches Interesse zu wecken?

Frank Hoppmann: Da muss man zunächst differenzieren: Einige arbeiten sind auch Auftragsarbeiten. Da ist es manchmal gar nicht so einfach, Interesse entwickeln zu wollen. Aber auch das ist eine Herausforderung. Ansonsten sind es Personen, die mich beschäftigen – wie Erdogan, eine freie Arbeit – als logische Folge nach Böhmermann, welche dann zeitnah entwanden ist. Dann zum Beispiel Musiker, die ich auch als Persönlichkeit interessant finde, Nick Cave, Tom Waits, deren Musik ich oft bei der Arbeit höre. Das ist eine ganz schöne, innige Verbindung. Bei Politikern ist die Motivation oft eine andere.

In einem Projekt haben Sie sich mit den deutschen Bundeskanzlern nach 1945 beschäftigt, in einem weiteren mit den französischen Präsidenten nach 1945. Warum die Franzosen? Und kommt da noch was nach?

Das Tomi-Ungerer-Museum in Straßburg hatte 2013 eine große Ausstellung über die Geschichte der deutsch-französischen Beziehungen von 1870 bis heute anhand der Satirezeichnung geplant. Von denen kam die Anfrage, ob ich komplette Serien der Kanzler/Präsidenten hätte. Sie wollten mich gerne in der Ausstellung haben. Hatte ich nicht. Einige waren fertig, Sarcozy, Merkel, Schmidt, Brandt, Kohl, Schröder, Hollande. Die anderen habe ich dann dafür gezeichnet. Da war ich übrigens sehr froh, dankbar und auch ein wenig stolz, dabei sein zu dürfen, denn da hing ich zwischen geschichtlich bedeutsamen Bildern von Daumier, Otto Dix, George Grosz, Bosc, Ungerer etc. Nun muss ich noch nachlegen, denn Macron fehlt noch, Merkel ist ja noch da. Aber so ist das: Es sind Serien mit offenen Enden.

Warum gerade Helene Fischer und Xavier Naidoo?

Auftragsarbeiten fürs Satiremagazin Eulenspiegel. Für die arbeite ich seit 20 Jahren, seit anfang meiner Arbeit als satirischer Zeichner, ging schon im Studium los. Dann verzeiht man auch mal solche Aufträge. Aber auf der anderen Seite bieten die beiden genügend Stoff für eine Karikatur.

Ihre Zeichnungen wirken nie leicht-fertig, sondern immer tiefgründig. Wie lange setzen Sie sich mit den Porträtierten auseinander? Was dient Ihnen als Vorlage für ihre Zeichnungen?

Zunächst sammele ich Bildmaterial, Fotos, Google etc, schaue mir auch Interviews an, dabei fange ich bereits an zu skizzieren. Da entstehen dann schon mal 20 Skizzen. Irgendwann kommt der Punkt, an dem ich denke, ich habe die Person für mich verstanden. Dann setzt ich die Skizze größer um. Und dann beginnt ein weiterer Prozess, denn am Ende siehts wieder ganz anders aus. Da wird radiert, übermalt, hinzugefügt, weggenommen, überklebt, weggeschnitten, gerissen. Ich vergleiche das manchmal mit der Arbeit eines Bildhauers. Ich knete mir die Figuren, bis ich zufrieden bin. Denn ich habe von Anfang an ein Bild im Kopf, nicht konkret, aber ich forme und mache bis dieses vage Bild Gestalt annimmt. Da spielen Gefühle oft eine Rolle.

Für die Ausstellung „Lichtenberg Reloaded“ haben Sie sich mit dem Göttinger Physiker und Aphoristiker befasst. Was hat Sie an ihm interessiert?

Lichtenberg finde ich als Persönlichkeit interessant, abgesehen von seiner Rolle als Vorreiter der Satire. Er ist einer dieser kleinen Großen – so wie Toulouse Lautrec oder Adolf Menzel.

Ihre Ausstellung im Alten Rathaus Göttingen, die am Sonntag, 7. Januar, eröffnet wird, heißt schlicht „Frank Hoppmann“. Was also bekommen die Ausstellungsbesucher zu sehen?

Parallel zu meinem aktuellen Buch „Animalism“ ist auch diese Ausstellung konzipiert. Das Buch ist entstanden im vergangenen Jahr im Zuge der Ausstellung im Caricatura-Museum in Frankfurt, die sehr erfolgreich war. Hier in Göttingen wird das Konzept weitergeführt. Gezeigt werden in der Hauptsache Porträts, Fliegenbilder, Schweine- und weitere Tierporträts, Unveröffentlichtes, einige meiner Objekte und ein besonderes noch, die Serien der Bundeskanzler und französischen Präsidenten.

Sie haben in den vergangenen Jahren immer mehr Auszeichnungen verliehen bekommen. Mit ihrem Ausstellungsort sind Sie nun ganz dicht an dem Satirepreis „Göttinger Elch“. Welchen Künstler aus dem Rudel der Elch-Geehrten schätzen Sie besonders? Und wäre das nicht auch ein Preis für Sie?

Gute Frage, aber da bin ich doch zu jung für, womit ich natürlich nicht sagen will, dass die Elchpreisträger alle alt sind oder ich noch besonders jung. Aber der Respekt allen Preisträgern gegenüber ist sehr hoch. Den Göttinger Elch verfolge ich schon sehr lange, war auch sehr oft als Gast dabei. Und wenn ich einen hervorheben darf, dann F.W. Bernstein, der mich persönlich sehr unterstützt und aufgebaut hat. Über seine Arbeit und die der anderen muss man nicht sprechen, die Namen sprechen für sich.

Die Ausstellung „Frank Hoppmann“ wird am Sonntag, 7. Januar, um 11.30 Uhr im Alten Rathaus, Markt 9 in Göttingen, eröffnet. Bis zum 25. Februar ist sie dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr zu sehen.

Weitere Ausstellungen in Göttingen und Kassel im Jahr 2018:

Kunstverein Göttingen: Die Vorgaben des Kunstvereins Göttingen bleiben gleich, doch eine neue Kuratorin wird sie mit Leben füllen. Tomke Braun setzt wie ihre Vorgängerin auf junge Künstler. Mit der ersten institutionellen Einzelausstellung der Kanadierin Amy Ball startet das Jahresprogramm am Freitag, 12. Januar. „Powers“ heißt die Schau im Künstlerhaus, Gotmarstraße 1. Zur Eröffnung um 18 Uhr präsentiert die Künstlerin eine eigens für die Ausstellung entwickelte Performance. Die Schau wird die erste institutionelle Einzelausstellung der Kanadierin Ball in Deutschland. Als Symbol für die Schau stehen zwei Hände, die über die Daumen miteinander verbunden sind, teilen die Organisatoren mit. Sie könnten als Allegorie für das Mit-und Gegeneinander zweier Kräfte gelten, aber auch als Zeichen einer fiktiven Gemeinschaft. Die Künstlerin beschäftigt sich nämlich mit dem prekären Zustand, der sich durch das Eingebundensein in und das Ausgeliefertsein des Einzelnen an globale Kräfteverhältnisse ergebe. An der Gruppenausstellung, die ab 4. März im Alten Rathaus, Markt 9, zu sehen sein soll, werden sechs Künstler beteiligt sein. Sie setzen sich nach Angaben Brauns mit dem Symbol des Ouraboros auseinander, der Schlange, die sich selbst in den Schwanz beißt.

Künstlerhaus Göttingen: Das Ausstellungsjahr 2018 im Künstlerhaus steht im Zeichen zweier Jahrestage. Vor 40 Jahre gründete sich der Verein, der das Künstlerhaus bespielt und die Städtepartnerschaft zwischen Göttingen und Thorn in Polen wurde besiegelt. Die Schau zur Vereinsgründung läuft am Eröffnungswochenende 26./27. Juni auf allen Ausstellungsflächen im Lichtenberghaus, Gotmarstraße 1. Bis zum 1. Juli dann werden die Oberen Galerieräume und der Weiße Saal bespielt. Gleich im Anschluss zeigen Künstler aus Thorn ihre Werke (22. September bis 14. Oktober). Zwei Künstlerinnen des regionalen Bundes Bildender Künstler sind ebenfalls mit großen Schauen vertreten: Sabine Harton (4. März bis 8. April) und Ute Gruenwald (15. April bis 20. Mai).

Galerie Ahlers: Das Programm der Galerie Ahlers, Düstere Straße 21 in Göttingen, für das Jahr 2018 steht noch nicht komplett. Klar allerdings ist: Oliver Ahlers präsentiert zwei Ausstellungen mit jeweils einem Künstler aus seinem Programm – und vielleicht eine spektakuläre Schau, die allerdings noch nicht abgesichert und deswegen nicht spruchreif ist, sagt Ahlers. Gesichert ist jedoch die Ausstellung mit Aquarellen aus der Reihe „Zwischenwelt“ von Wolfgang Kessler (13. April bis 12. Mai). Daran schließt sich an eine Schau mit Werken von Jochen Pankrath. „Kleinkunst“ heißt sie, bestückt mit Malerei im kleinen Format (11. Mai bis 9. Juni).

Kunstverein Kassel: Erstmals bietet die Caricatura Galerie für komische Kunst dem Berliner Cartoonisten Peter Thulke ein Forum. Seine Ausstellung in den Galerieräumen, Rainer-Dierichs-Platz 1 in Kassel, wird am Freitag, 23. Februar, eröffnet. Die Vernissage beginnt um 19.30 Uhr. Thulke verstehe es wie kaum ein anderer, seine Cartoons für den Betrachter auf den ersten Blick als die seinigen erkennbar zu machen, meinen die Organisatoren. Wenige Striche genügten dem 66-Jährigen, um seinen mit Wortspielen und Deftigkeit gespickten Humor auf den Punkt zu bringen. Ein Beispiel: „Der Papst treibt ab, der Papst treibt ab“, ruft eine Frau, die über toskanische Hügel rennt. Vor ihr im Fluss mit reichlich Strömung treibt der Papst flussabwärts. Alltagsthemen verarbeitet Thulke in Tusche und Aquarell.

Caricatura-Galerie für komische Kunst: Erstmals bietet die Caricatura-Galerie dem Berliner Cartoonisten Peter Thulke ein Forum. Seine Ausstellung in den Galerieräumen, Rainer-Dierichs-Platz 1 in Kassel, wird am Freitag, 23. Februar, eröffnet. Die Vernissage beginnt um 19.30 Uhr. Thulke verstehe es wie kaum ein anderer, seine Cartoons für den Betrachter auf den ersten Blick als die seinigen erkennbar zu machen, meinen die Organisatoren. Wenige Striche genügten dem 66-Jährigen, um seinen mit Wortspielen und Deftigkeit gespickten Humor auf den Punkt zu bringen. Ein Beispiel: „Der Papst treibt ab, der Papst treibt ab“, ruft eine Frau, die über toskanische Hügel rennt. Vor ihr im Fluss mit reichlich Strömung treibt der Papst flussabwärts. Alltagsthemen verarbeitet Thulke in Tusche und Aquarell.

Von Peter Krüger-Lenz

Regional Filmförderung - Geld für Werkgruppe2

Mit 130 000 Euro unterstützt die Nordmedia in ihrem Talentförderprogramm 19 Film­projekte in Niedersachsen. Auch die Göttinger Werkgruppe2 gehört zu den Geförderten. Regisseurin Julia Roesler und Autorin Silke Merzhäuser erhalten für ihren Film „Marina“ 15 000 Euro – der Höchstbetrag.

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