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Regional Horror, Drama, Thriller mit Starbesetzung – die Kinostarts in der Region Göttingen
Nachrichten Kultur Regional Horror, Drama, Thriller mit Starbesetzung – die Kinostarts in der Region Göttingen
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12:56 20.11.2019
Vor 39 Jahren verfilmte Regisseur Stanley Kubrick den Horror-Roman “The Shining” von Stephen King. Jetzt setzt “Doctor Sleeps Erwachen” die Geschichte fort. Quelle: Warner Bros.
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Göttingen

Mit „Doctor Sleeps Erwachen” setzt US-Regisseur Mike Flanagan den Kult-Horrorfilm „The Shining“ von Stanley Kubrick fort. Die weniger gruselige Fortsetzung hat nicht nur dank nostalgischer Momente ihren Reiz. In Richard Linklaters Kinodrama „Bernadette“ ist die Australierin Cate Blanchett eine liebende Ehefrau und Mutter und zugleich eine Sozialphobikerin ersten Ranges. Natürlich gilt es auch in diesem Drama, ein Trauma zu ergründen. Gavin Hood erzählt in seinem Politthriller „Official Secrets” die Geschichte einer unbekannten Whistleblowerin. Keira Knightley spielt Katharine Gun, eine Frau, die gegen Fake News über Saddam Hussein kämpfte und den Irakkrieg verhindern wollte. Ihre Haltung: „Ich arbeite nicht für die britische Regierung, sondern für das britische Volk.“ 

Ewan McGregor als Danny Torrance in einer Szene des Films "Doctor Sleeps Erwachen". Quelle: Warner Bros. Pictures

“Doctor Sleeps Erwachen”

Es ist eine dunkle Nacht. Das Overlook-Hotel ist eingeschneit. Die Fenster sind verriegelt. Und das einst prächtige, seit Jahrzehnten verlassene Hotel ist heruntergekommen. In der eisigen Stille ist nur der pulsierende Herzschlag von Danny Torrance zu hören. Fast 40 Jahre nach den schrecklichen Ereignissen in Stanley Kubricks Horrorklassiker "The Shining" kehrt Danny an den Ort des Grauens zurück. Bis es dort in der Kino-Fortsetzung "Doctor Sleeps Erwachen" zum Showdown kommt, vergeht in dem Fantasy-Horrorfilm von US-Regisseur Mike Flanagan allerdings einige Zeit.

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Geister der Vergangenheit verfolgen Dan

Im Jahr 2012 ist das Leben von Danny (Ewan McGregor), der sich nun Dan nennt, ein Scherbenhaufen. Die Geister der Vergangenheit verfolgen ihn weiter. Er ist traumatisiert, dem Alkohol verfallen, hat keinen Job und keine fest Bleibe. Dank seiner übersinnlichen Fähigkeiten - dem Shining - kommuniziert er gelegentlich mit dem toten Hallorann (Carl Lumbly), der wie ein Mentor für ihn ist. In einer unscheinbaren Kleinstadt gelingt Dan der Neuanfang. Er arbeitet in einem Hospiz, wo er dank seiner telepathischen Fähigkeiten die Sterbenden beruhigt. Dort bekommt er den Spitznamen Doctor Sleep.

 

Jahre später nimmt ein Mädchen, dessen Kräfte noch stärker als Dans sind, telepathisch Kontakt zu ihm auf. Teenager Abra (Kyliegh Curran) warnt ihn vor einem übersinnlichen, Jahrhunderte alten Kult namens "Der wahre Knoten". Die Gruppe um die charismatische, aber bösartige Rose (Rebecca Ferguson) verlängert ihr eigenes Leben durch Morde an Kindern, die das Shining haben. In ihren Visionen beobachtet Abra so ein grausames Ritual. Doch Rose bemerkt das Mädchen - und hat ihr nächstes Ziel. Dan und Abra entscheiden, sich der Gruppe zu stellen.

Deutliche Unterschiede zum Roman

Wie "The Shining" (1980) basiert auch die Fortsetzung auf einem Roman von Horrorspezialist Stephen King. 2013 erschien das Buch "Doctor Sleep". Warum die Verfilmung in Deutschland den längeren, unsinnigen Titel "Doctor Sleeps Erwachen" bekommen hat, bleibt ein Rätsel.

Regisseur und Drehbuchautor Flanagan ("Ouija: Ursprung des Bösen") entfernt sich teilweise und besonders zum Ende von der Romanvorlage. Im Buch gibt es das Overlook-Hotel gar nicht mehr, stattdessen ist dort ein Campingplatz, auf dem sich "Der wahre Knoten" aufhält.

Abra Stone als Kyliegh Curran in einer Szene des Films "Stephen Kings Doctor Sleep Erwachen". Quelle: Warner Bros.

Im Kino-Sequel haben Dans Rückkehr in das ikonische Gebäude mit dem mysteriösen Zimmer 237 und dem Garten-Labyrinth sowie die Begegnung mit altbekannten Figuren natürlich ihren Reiz. Alles sieht fast genauso aus wie früher. Die Adler-Schreibmaschine steht immer noch auf dem Tisch in der Eingangshalle. Selbst das musikalische Thema aus "The Shining" klingt kurz an. Kino-Nostalgiker wird es freuen. Die Rückblicke, für die einige Szenen aus dem alten Film mit anderen Darstellern neu gedreht wurden, sind auch einigermaßen gelungen.

Unterschwelliger Grusel

Dass "Doctor Sleeps Erwachen" nur annähernd den Kultstatus seines Film-Vorgängers - mit Jack Nicholson als Dans Vater Jack Torrance - erreicht, war nicht zu erwarten. Kubricks Klassiker, der Stephen King selbst bekanntlich missfiel, hätte genau genommen keiner Fortsetzung bedurft. Und es wäre wohl auch nie dazu gekommen, hätte King die Geschichte von Dan Torrance nicht fortgeschrieben.

Aber der im Vergleich zu "The Shining" gradlinige und ruhige Film gehört in der Fülle der Sequels, die Hollywood fast fließbandartig produziert, eindeutig zu den besseren. Die Rückkehr zum Overlook-Hotel hätte es dafür nicht mal gebraucht.

Flanagan setzt auf unterschwelligen Grusel wie in vielen Horrorfilmen der 80er Jahre. Er verzichtet auf simple Schockeffekte und - mit wenigen Ausnahmen - auch auf drastische Gewaltszenen. Die Story ist originell und spannend, und sie hat diverse gelungene Wendungen. Die erste, romangetreuere Hälfte des zweieinhalbstündigen Films ist zwar mitunter etwas zäh und ein bisschen zu lang. Doch ab der Mitte nimmt "Doctor Sleeps Erwachen" richtig Fahrt auf. Und dann fesselt der schaurig-unterhaltsame Fantasy-Horrorfilm bis zum Schluss.

„Doctor Sleeps Erwachen“, Regie: Mike Flanagan, mit Ewan McGregor und Rebecca Ferguson, 151 Minuten, FSK 6, in Göttingen im Cinemaxx

Cate Blanchett als Bernadette Fox in dem Film "Bernadette". Quelle: Annapurna Pictures

„Bernadette“

Der Himmel über Seattle ist immer dicht bewölkt, aber ohne ihre Sonnenbrille geht Bernadette (Cate Blanchett) nie aus dem Haus. Die dunklen Gläser sind ihre Rüstung, mit der sie sich vor den Zudringlichkeiten des Alltags schützt. Bernadette liebt ihre Familie, ihren Mann Elgin (Billy Crudup), ihre 15-jährige Tochter Bee (Emma Nelson) und auch den Hund Ice Cream.

Aber darüber hinaus sind ihr die Mitmenschen ein Graus. Small Talk stellt für die Mittvierzigerin eine unzumutbare Belastung dar. Bernadette ist eine Frau am Rande des Nervenzusammenbruchs, die sich am Abgrund gut eingerichtet hat. In dem alten Haus tropft es von der Decke, und zwischen den Fußbodendielen bahnen sich die Ableger der Brombeerhecke ihren Weg. Aber die Chaosvilla befindet sich in perfektem Einklang mit ihrem desolaten Selbst. Für lästige Dinge wie Einkaufen hat Bernadette eine virtuelle Assistentin, deren IP-Adresse irgendwo in Indien ist. Unentwegt diktiert sie komplizierte Bestellungen ins Smartphone. Ehemann Elgin ist ein IT-Guru im Hause Microsoft und sorgt für einen verlässlichen Kontostand.

 

Mit ihrer Tochter bildet Bernadette eine verschworene Gemeinschaft

Aber auch wenn die Widrigkeiten des Alltags Bernadette oft überfordern, ist sie eine liebe- und verantwortungsvolle Mutter. Mit ihrer Tochter bildet sie eine verschworene Gemeinschaft, und es ist immer Bee, die ihre Mutter gegen die Anfeindungen der Mitmenschen verteidigt. Die Situation eskaliert, als der Vater eine Psychologin mit nach Hause bringt, die seiner Frau eine Therapie nahelegen soll. In Panik steigt Bernadette aus dem Badezimmerfenster und verschwindet. Bee macht sich auf die Suche und stößt dabei auf eine Vergangenheit, von der sie nichts ahnte.

Vor der Geburt des Kindes war Bernadette nämlich eine gefeierte Stararchitektin, die ihre Häuser bis ins kleinste kreative Detail ausgestaltete. Ein traumatisches Ereignis warf sie aus der Bahn, wonach sie sich ins Mutterdasein zurückzog.

Der mosaikartige Roman wird geradlinig verfilmt

„Menschen wie du müssen etwas erschaffen, sonst werden sie eine Bedrohung für die Gesellschaft“, bringt ein alter Freund (Laurence Fishburne) ihren Zustand auf den Punkt. Mit „Bernadette“ bringt Regisseur Richard Linklater („Before Sunrise“) Maria Semples modernen Briefroman „Wo steckst du, Bernadette?“ auf die Leinwand. Die mosaikartige Erzählstruktur der Vorlage wird hier in eher konventionellere Bahnen gelenkt und die Persönlichkeit der exzentrischen Protagonistin Stück für Stück freigelegt.

Cate Blanchett wirft sich mit Verve in diese Rolle. In dieser Bernadette scheinen sich viele ihrer früheren Leinwandcharaktere zu bündeln. Sie zeichnet eine kraftvolle Frauenfigur, deren Persönlichkeit sich vor der Kamera immer wieder aufzulösen scheint. Ihre Bernadette ist ein Genie, das im Zustand kreativer Unterforderung vom eigenen Dasein überfordert ist. Lange bevor die Erklärungen des Plots einsetzen, hat Blanchett die widerstrebenden Sehnsüchte ihrer Figur zu einem schillernden Porträt ausgebaut.

„Bernadette“, Regie: Richard Linklater, mit Cate Blanchett, Emma Nelson, 109 Minuten, FSK 6

Keira Knightley als Katharine Gun in einer Szene des Films "Official Secrets". eOne Germany

„Official Secrets“

Edward Snowden kennt jeder. Seit Jahren muss der Whistleblower an einem unbekannten Ort in Russland ausharren. Kein europäisches Land will dem Mann Asyl gewähren, der die Überwachungsstrategien der US-Geheimdienste an die Öffentlichkeit brachte. Ein Begriff dürfte auch Chelsea Elizabeth Manning sein, die US-Präsident Barack Obama in einem der letzten Gnadenakte seiner Amtszeit vor dem Verschimmeln im Gefängnis bewahrte – Manning hatte US-Verbrechen im Irak-Krieg bekannt gemacht.

Wer aber ist Katharine Gun? Im Internet finden sich Aufnahmen einer zierlichen, blonden Frau, damals 28 Jahre alt. Die sonst so strahlende Keira Knightley spielt sie als unauffällige Zeitgenossin, ja, als graue Maus. Gun arbeitet als Chinesisch-Übersetzerin für den britischen Geheimdienst GCHQ – ein wenig aufregender Job. Doch dann sieht sie für einen Moment nicht nur die Chance, sondern auch die Verpflichtung, die Weltgeschichte zu beeinflussen.

Die USA und Großbritannien zogen mit einer Lüge in den Krieg

„The Spy Who Tried To Stop A War“: So lautet der Titel eines Buchs über Gun. Gemeint ist der Irak-Krieg 2003, in den die USA und Großbritannien mit der Lüge zogen, der irakische Diktator besitze Massenvernichtungswaffen. Die Waffen wurden nie gefunden.

Wir sehen in diesem Film Archivbilder über Monitore flimmern, in denen Menschen gegen die Kriegsvorbereitungen demonstrieren. Und wir sehen Tony Blair, der von Beweisen für Chemiewaffen im Irak schwadroniert. Gun sitzt auf dem Sofa und ruft dem Premierminister auf ihrem TV-Bildschirm wütend zu: „Nur weil du der Premierminister bist, kannst du nicht deine eigene Wahrheit erfinden.“

Schon immer gehörten Fake News zum politischen Waffenarsenal

Beinahe hätte man es vergessen: Fake News waren bei Staatsführern bereits populär, bevor Donald Trump ins Weiße Haus einzog. Schon immer gehörten sie zum Arsenal kriegsführender Mächte.

Der Politthriller „Official Secrets“ setzt Gun ein kratzerfreies Denkmal. Wie so oft in Filmen dieser Art fragt sich der Zuschauer beeindruckt, woher diese Schreibtischheldin den Mut nahm. Gun stellte ihr Gewissen über ihre Verpflichtung zum Schweigen und riskierte dabei als Geheimnisverräterin eine hohe Gefängnisstrafe – und mehr.

Folgt man dem südafrikanischen Oscarregisseur Gavin Hood („Tsotsi“), dann handelte Gun zunächst beinahe impulsiv. Die Folgen ihres Tuns wurden ihr erst später klar. Ihre Entschlossenheit wuchs mit der Bedrohung.

Keira Knightley (l.) als Katharine Gun und Adam Bakri als Yasar in einer Szene des Films "Official Secrets". Quelle: eOne Germany

Eine Mail weckt in Gun den Widerstandsgeist

Blenden wir hinein in den abgedunkelten Newsroom des britischen Geheimdienstes GCHQ: Hier sitzt Gun (Knightley) unter der Fuchtel einer herrischen Chefin, die wohl auch gut auf einer Sklavengaleere Dienst tun könnte. Eine Mail des amerikanischen Geheimdienstes NSA ploppt auf Guns Computer auf.

Ihr Inhalt: Kleinere Mitglieder im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen sollen ausspioniert und dann erpresst werden, um in der UN die nötigen Stimmen für den Irak-Krieg zusammenzubekommen. Gun schaut ungläubig auf die Zeilen, lädt die Mail herunter, druckt sie leichtfertig auf dem gemeinsamen Printer im Büro aus und spielt sie über eine befreundete Friedensaktivistin dem „Oberserver“ zu.

Zeitungsredakteure, die für ihren Job brennen

Wieder – wie schon in den Kinodramen „Spotlight“ oder in „Die Verlegerin“ – sehen wir alsbald für ihren Job brennende Zeitungsredakteure, die abwägen, ob sie dem Material in ihren Händen glauben sollen. Die Sehnsucht nach journalistischen Verfechtern der Wahrheit scheint zumindest im Kino derzeit groß zu sein. Wir haben ähnliche Szenen aber schon weniger klischeehaft verfolgen können als hier.

Der Druck auf Gun wächst und damit die Spannung in diesem so zurückhaltend begonnenen Thriller: Wie alle anderen in ihrer Abteilung muss sie sich Einzelbefragungen stellen. Erstaunlich schnell gesteht sie die Tat, auch um ihre Kollegen zu schützen. Ihrem Gegenüber hält sie einen Satz vor, den sie noch häufiger zu ihrer Verteidigung sprechen wird: „Ich arbeite nicht für die britische Regierung, sondern für das britische Volk.“ Die Reaktion der Staatsmacht ist perfide: In einer Nacht-und-Nebel-Aktion will sie Guns Ehemann Yasar (Adam Bakri) abschieben, einen türkischen Kurden, der in England Asyl sucht. Den Ermittlern gilt er als zwielichtiger Geselle – aus einem einzigen Grund: „Er ist ein Moslem.“

Eine Frau folgt ihrem Gewissen

Das Erschreckende im Rückblick ist: Wir erkennen bei den politisch Handelnden all jene Krankeitssymptome, von denen Entscheidungsträger heute in epidemischem Ausmaß befallen sind (ohne deshalb behaupten zu wollen, dass früher alles besser war). Mittendrin steht eine unscheinbare junge Frau, eine Randfigur im herannahenden Irak-Krieg, die ihrem Gewissen folgt.

Das Gerichtsverfahren gegen Katherine Gun nahm auch dank des Anwalts an ihrer Seite (Ralph Fiennes) eine überraschende Wendung, die nicht verraten werden soll. Als alles vorbei war, bedauerte Gun nur eines: Dass sie scheiterte bei dem Versuch, einen Krieg aufzuhalten, der Hunderttausenden das Leben gekostet hat und unter dessen Folgen bis heute Menschen leiden.

„Official Secrets“, Regie: Gavin Hood, mit Keira Knightley, Ralph Fiennes, 112 Minuten, FSK 6

Von dpa

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