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Regional „Ich grabe mit einem Löffel in meinem Kopf“
Nachrichten Kultur Regional „Ich grabe mit einem Löffel in meinem Kopf“
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19:17 05.09.2011
Gespaltene Persönlichkeit: Daniel Wahl spielt „M – Ein Mann jagt sich selbst“. Quelle: Heller
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Am Sonntagabend spielte Daniel Wahl vom Hamburger Schauspielhaus beim Innenhoftheater-Festival den Monolog „M – Ein Mann jagt sich selbst.“ Das Stück, geschrieben und inszeniert von Clemens Mädge, lehnt sich an den 1931 von Fritz Lang gedrehten Film „M – eine Stadt sucht einen Mörder“ an. Autor und Schauspieler aber setzen den Schwerpunkt anders. In dem Monolog wird die gespaltene Persönlichkeit entfaltet, das Ringen mit sich selbst gezeigt. Geschickt lässt der Text zunächst offen, ob der Psychopath sich durch das Gefühl des Verfolgtseins, des Gehetzseins, einbildet, der Verbrecher zu sein. Oder ob er es tatsächlich ist.

Wahl spielt eindringlich. Erst den braven, biederen Postboten – lächelnd erzählt er von seinen Runden. Spricht von Ordnung und Anstand. Dann aber wächst die Panik. „Hab ich das getan?“ Überzeugend zeigt Wahl die Verzweiflung des Mannes. Wie er versucht, den unbekannten Teil in sich zu fassen. „Ich grabe in meinen Gedanken, in meinem Kopf nach irgendetwas, was ich fassen könnte. Und jede Nacht grabe ich tiefer und finde nichts. Ich grabe jetzt mit einem Löffel in meinem Kopf. Der Löffel wird immer stumpfer; jede Nacht.“ Und vor allem gräbt er da nach dem Grund, den er nicht finden kann.

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Eindringlich ist diese kurze Theaterstunde, intensiv Wahls Spiel, auch wenn an einigen Stellen ein bisschen weniger Tempo mehr gewesen wäre. Das Publikum zeigt sich begeistert. Und nimmt vielleicht den Gedanken mit in den Nieselregen, warum es die Psyche der Täter ist, die uns derart fesselt.

Von Christiane Böhm