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Regional „Ich konnte mich mit Claires Sehnsucht identifizieren“
Nachrichten Kultur Regional „Ich konnte mich mit Claires Sehnsucht identifizieren“
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16:33 07.02.2017
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Für „Shoppen“, seinen Debütfilm aus dem Jahr 2007, gewann er Preise als bester Nachwuchsregisseur und für das beste Drehbuch. Beim „Deutschen Filmpreis 2008“ folgten Nominierungen in den Kategorien „Bester Spielfilm“ und erneut „Bestes Drehbuch“. Da stellt sich die Frage, ob Westhoff nun mit seiner zweiten Kinoproduktion an seinen ersten Publikumserfolg anschließen kann.

„‚Der letzte schöne Herbsttag‘ ist eine Art inhaltlicher Gegenentwurf zu ‚Shoppen‘“, erklärt der 41-jährige Westhoff. Anstatt um die Suche nach dem richtigen Partner, geht es hierbei um zwei Menschen, die sich schon gefunden haben, nun aber mit den Alltagsschwierigkeiten einer Beziehung kämpfen. Das besondere hierbei ist, dass die beiden sich gegenseitig vor der Kamera beschreiben und dadurch versuchen, ihre Beziehung zu retten. Als „cineastische Paartherapie“ bezeichnet das der Regisseur. Bemerkenswert ist auch, dass dieses Paar Claire und Leo von Schauspielern verkörpert wird, die bereits bei „Shoppen“ mitwirkten. „Das war mir eigentlich gar nicht so Recht, die beiden wieder zu engagieren. Es sollte schließlich nicht wirken, als sei es eine Fortsetzung meines ersten Films“, sagt Westhoff. Koschitz und Felix Hellmann bekamen dennoch die Rollen. „Sie waren einfach die Besten“, erläutert der Regisseur.

Dass Koschitz neben dem Fernsehen und Kino auch im Theater beheimatet ist, war für die Rolle der Claire sicherlich von Vorteil. „Ralf ist ein Regisseur, der ungewöhnlich viel probt. Das erinnert beinahe mehr an Theater- als an Filmarbeit“, sagt die Österreicherin. Die bisherige Zusammenarbeit mit Westhoff habe ihr außerdem so gut gefallen, dass sie auf ein drittes Projekt hofft. Nicht nur der Film, schon das Buch, auf dem „Der letzte schöne Herbsttag“ beruht, habe sie sofort gefesselt. „Ich konnte mich mit Claires Sehnsucht und der damit zusammenhängenden Auseinandersetzung identifizieren. Außerdem gefällt mir, dass die zwei für ihre Beziehung kämpfen, den Konflikt eingehen und was riskieren“, so die 36-Jährige.

Dass Westhoff und Koschitz ein gutes Team abgeben, sieht man anhand des Films. „Der letzte schöne Herbsttag“ ist eine sprachlich ausgefeilte, humorvolle aber auch nachdenkliche Produktion, deren Tiefe durch das harmonisierende Mimenspiel Koschitz’ noch verstärkt wird. Ob der Film nun so erfolgreich wie „Shoppen“ wird oder nicht, Westhoffs Wunsch an sein Publikum fällt erst einmal bescheiden aus: „Ich freue mich einfach darüber, wenn die Leute Spaß haben, immerhin handelt es sich um eine Komödie. Der Film regt aber auch zum Nachdenken an. Im günstigsten Fall gehen die Zuschauer am Ende raus und machen sich eigene Gedanken über Beziehungen.“

Paartherapie im Kinosaal

Die Liebe ist das ewige Thema der Menschen. Bei Leo und Claire sieht es nicht anders aus, stecken sie doch gerade in einer heftigen Beziehungskrise. Wenn Gegensätze sich eigentlich anziehen, ist bei ihnen etwas falsch gelaufen. Bis zum Exzess bekommt der Zuschauer zu hören, warum Claire sich von Leo nicht verstanden fühlt und Leo lieber wandern statt einkaufen gehen möchte. Dass die Hauptdarsteller Julia Koschitz und Felix Hellmann die meiste Zeit über- statt miteinander reden, ist ihre ganz eigene Art, mit dem Konflikt umzugehen.
Humorvoll und berührend schildert der Film das Leben zweier verliebter Menschen, die nicht ohne, aber auch nicht miteinander können. Claire sagt etwas, Leo sagt das Gegenteil. Mit viel Witz, intelligenten Texten und einem besonderen Gespür für Charaktere schuf Regisseur Ralf Westhoff eine außergewöhnliche Art von Film, eine berührende Beziehungsstudie, die ebenso erheitert wie nachdenklich macht.swe

Von Swenja Lohrengel