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Regional „Ich trenne nie Musik von dem wie ich lebe“
Nachrichten Kultur Regional „Ich trenne nie Musik von dem wie ich lebe“
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18:45 04.11.2011
Im Trio: Hary Ratsimbazafy, Céline Bonacina und Nicolas Garnier. Quelle: Docmac
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Was tun Sie bei einem Auftritt, bevor Sie die Bühne betreten?
Manchmal bin ich ganz ruhig und sage zu mir „Danke dafür, dass ich hier bin und die Möglichkeit habe mein Bestes für andere Menschen zu geben“. Manchmal albere ich dagegen mit meinen Musikern herum.

Sie spielen das große Baritonsaxofon. Ist Ihr Spiel mit dem monströsen Instrument für Sie eher ein Kampf oder ein Tanz?
Ich fühle mich beim Spiel immer noch, als ob ich mit dem Instrument tanze. Wenn es wie ein Kampf wäre, sollte ich dringend etwas ändern (lacht).

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Das Baritonsaxofon hat diesen wundervollen weichen Klang, der den Zuhörer warm umhüllt. Möchten Sie dem Zuhörer ein warmes Gefühl schenken?
Die Zuhörer erhalten die Möglichkeit einer kompletten Klang-Reise. Denn für mich ist es wichtig, verschiedenste Klänge auf meinem Instrument zu spielen. Und jeder Klang kann ganz unterschiedliche Gefühle hervorrufen.

Ihre Musik ist so faszinierend und außergewöhnlich. Wie findet man seinen eigenen Stil?
Oh, danke! Doch ich kenne den einen richtigen Weg zum eigenen Stil gar nicht. In meinem gesamten Musikerleben wollte ich nie einen eigenen Stil haben. Am Anfang studierte ich klassische und zeitgenössische Musik. Als ich mit Jazz begann, imitierte ich meine Lieblingssaxofonisten der Jazzgeschichte. Viele Jahre studierte ich deren Musiksprachen, spielte ihre Soli und all die Jazzstandards.

Da kam ja einiges zusammen.
Ja, ich erarbeitete mir hart die verschiedenen Stile. Ich denke, dass all dies dazu beitrug, dass ich irgendwann immer mehr eigene Ideen hatte und meine ersten Kompositionen schrieb.

Wie entstehen Ihre Kompositionen?
Wenn ich zu Hause übe, improvisiere ich meist Melodien über rhythmische Ideen und nehme dies auf. Wenn es mir gefällt, entwickle ich die Ideen weiter. Manchmal kommen aber auch Einfälle, wenn ich durch Straßen gehe, fahre oder fliege.

Manche Menschen betrachten Musik nur als „L’art pour l’art“ – als Kunst um der Kunst willen. Was bedeutet für Sie Musik?
Für mich ist Musik sehr nahe am Leben in seiner Gesamtheit. Ich trenne nie Musik von dem wie ich lebe – innerlich und äußerlich. Für mich ist es ein Weg, mich auszudrücken.

Wie kamen Sie zum Jazz?
Als ich noch ein Kind war, spielte mein Vater Trompete in Jazzbands. So war der Jazzsound früh in meinem Kopf. Als Teenager lieh ich mir viele Jazz-CDs in der örtlichen Bibliothek aus. Ich war wirklich ungeduldig und wollte immer mehr Jazz entdecken. Und damals gab es noch kein Internet!

Ist die französische Jazzszene für Sie wichtig?
Sie ist schon wichtig – aber nicht alleine. Für mich sind alle Jazz-Szenen wichtig, denn in jedem Land gibt es Zuhörer. Musik hat keine Grenzen!

Ihre Musik ist so energiegeladen. Sind Sie selbst kraftvoll oder gibt Ihnen die Musik die Energie, um so agil zu sein?
Ich denke, das hängt von Hörer ab. Vielleicht ist meine Musik dann energiegeladen, wenn der Zuhörer sie für sich persönlich energiegeladen sein lässt.

Sie sind eine Musikerin, keine Malerin oder Autorin. Was ist das Besondere an der Musik?
Schriftsteller und Maler schaffen ihre Werke die meiste Zeit alleine. Musiker dagegen teilen Sound und Musik beim gemeinsamen Spiel miteinander.

Céline Bonacina tritt beim Göttinger Jazzfestival am Sonnabend, 12. November, um 20 Uhr auf der Hauptbühne des Deutschen Theaters Göttingen auf. In ihrem Trio spielen der E-Bassist Nicolas Garnier und der Drummer Hary Ratsimbazafy. Karten für das Jazzfestival gibt es unter anderem beim GT-Ticketservice, Jüdenstraße 13c, und in der Geschäftsstelle des Eichsfelder Tageblatts in Duderstadt, Auf der Spiegelbrücke 11.