Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Regional Stan und Ollie im Klassikgewand?
Nachrichten Kultur Regional Stan und Ollie im Klassikgewand?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:11 08.09.2019
Mit ihren Shows will das Duo klassische Musik einem jungen Publikum zugänglich machen. Der aus Russland stammende Igudesman und der koreanisch-stämmige Engländer Hyung-ki Joo gingen in England gemeinsam zur Schule. Quelle: lin
Anzeige
Hardenberg

Ist klassische Musik in Verbindung mit Slapstick und Popkultur möglich, ohne die Ernsthaftigkeit der Kompositionen in Frage zu stellen? Der Violonist Aleksey Igudesman und der Pianist Hyung-ki Joo legten bei einem Konzert aus der Reihe der Niedersächsischen Musiktage im Atrium des Gräflichen Landsitzes Hardenberg Zeugnis darüber ab, dass diese Mischung nur zum Teil zu einem unterhaltsamen Abend führt.

Am Tag zuvor waren sie noch in Bern zu Gast gewesen. Nun kamen sie über „Die musikalische Hintertreppe“ in das ausverkaufte Atrium und unterhielten dort mit zwei sehr unterschiedlichen Halbzeiten. Denn: Beide Musiker verfügen zweifelsohne über ein virtuoses musikalisches Können. Dies versuchten sie jedoch im ersten Teil ihrer Show zu sehr mit Spiel- und Wortwitz, humorvoll, parodistisch, teils aber auch mit Slapstick á la Stan und Ollie zu umkleiden.

Fragwürdiger Witz

Zur Krux wurden dabei ihre teils abgelesenen, etwas langatmigen Dialoge, deren Witz eher Schenkelklopfern gleichkam. Auch die Entscheidung gleich zu Beginn das eigene Publikum zu provozieren, dass immer öfter krank sei und an den falschen Stellen klatschte, scheint an dieser Stelle unglücklich gewählt.

Der erste Disput der beiden Protagonisten drehte sich um die Entscheidung, ob sie nun Mozart oder Bond spielen sollten. Ein Kompromiss war schnell gefunden: Die Künstler verknüpften einfach beides miteinander. Und die Ansage „Meine Damen und Herren und jetzt Mozart...“ sollte so zum Running Gag des Abends werden.

Musikalische Virtuosität

Die Künstler überzeugten, wenn sie musizierten. Und dies erfolgte im zweiten Teil der Show zur Freude der Besucher schwerpunktmäßig. Stücke wie „Staying Alive“ wurden mit teils schrägen Harmonien und rasanten Rhythmen angespielt und, abrupt unterbrochen, von wechselnden Melodien fortgesetzt. Den Beatles Song „Ticket To Ride“ interprtierte Joo mit opernhafter Grandezza. Und wenn der Mozart mal wieder scheiterte und sich in „Smoke On The Water“ verwandelte, stand die Tür für einen wilden Genre-Mix aus klassischen Themen, Pop-Songs und irischen Tänzen weit offen. Dabei kam dann auch die spielerische Brillanz des Duos in vollen Zügen zum Tragen.

Kinder aus dem Publikum durften das Duo unterstützen. Quelle: lin

In koreanischer Kung-Fu-Manier hämmerte Joo Beethovens „Für Elise“ in die Tasten und bearbeitete die Tastatur mit von Igudesman gereichten Holzleisten. Auf diese ungewöhnliche Art entstanden fließende Melodien. Kreativ: Zwischendurch spielte Igudesman erst seine Violinen- und dann die Pianosaiten mit einem elektrischen Aufschäumer an. Den Schlussakkord setzte eine Interpretation von Gloria Gaynors „I will survive“. Als Zugabe lieferte das Duo noch einen Rap von „No Woman, No Cry“ bis hin zu „Let It Be“.

Klassik für junge Erwachsene

Mit ihren Shows will das Duo klassische Musik einem breiten, vor allem auch jungen Publikum zugänglich machen. Kennengelernt haben sich der aus Russland stammende Igudesman und der koreanisch-stämmige Engländer Hyung-ki Joo im Alter von zwölf Jahren an der Yehudi Menuhin School in England. Bei einer Portion Fish and Chips sollen die beiden Freunde geworden sein. Später haben sie gemeinsam Film- und Konzertmusik komponiert. Inzwischen sind die beiden Musiker mit über 35 Millionen YouTube-Klicks Internet-Stars.

Bei den Niedersächsischen Musiktagen geht es in diesem Jahr um das Thema „Mut!“. Das Programm der „musikalischen Hintertreppe“ war von Igudesman und Joo mutig gestaltet. Anfangs etwas zäh daherkommend, wurde es zum Ende aber doch zu Recht mit langanhaltendem Beifall bedacht.

Weitere Termine:

Termine während der Niedersächsischen Musiktage 2019:

Sonntag, 15. September, 17 Uhr

St. Sixti-Kirche, Northeim

Auf Jakobs Weg ...

Der Tenebrae Choir unter der Leitung von Nigel Short

Diese Veranstaltung findet auch am Sonnabend, 14.September, um 21.30 Uhr in Hannover statt!

Freitag, 20. September, 20 Uhr

PS.Speicher, Einbeck

#frauschumann

Lise de la Salle (Klavier) und die NDR Radiophilharmonie unter der Leitung von Mei-Ann Chen

Die weiteren Veranstaltungen:

Sonntag, 8. September, 18 Uhr,

Bad Bentheim

(Post)Heroen – unter sich

Salaputia Brass

Freitag, 13. September, 15.30 Uhr,

Rehburg-Loccum

Heiliger Klabautermann!

kreaTonal – Musikvermittlung mit Pfiff: Sonja Catalano (Gesang), Christa Sehring (Akkordeon); Markus Rölz (Klarinette), Catherine Eisele (Horn), Leila Kristesiashvili (Klavier)

Von Jörg Linnhoff

Axel Hacke stellt am Donnerstag, 19. September, im Gymnasium Uslar sein neues Buch vor – der Titel: „Wozu wir da sind. Walter Wermuts Handreichungen für ein gelungenes Leben“. Beginn ist um 20 Uhr.

07.09.2019

Aussie-Rock in Göttingen: Die Band The Faim spielt am Freitag beim Soundcheck-Festival. Gitarrist Sam Tye spricht im Interview vor dem Auftritt über Essen, den Bandnamen und seine Liebe zu Deutschland.

06.09.2019

„Harmonien“ lautet das Thema der 5. Nikolausberger Musiktage. Eröffnet wurden sie am Donnerstag mit einem begeisternden Konzert des Akkordeonisten Goran Stevanovic.

06.09.2019