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Regional Im Bett mit Angela Merkel: Alles für Europa
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19:54 07.06.2012
... und im Hintergrund hat Angela Merkel das Sagen: François Hollande betritt den Teppich der internationalen Politik. Quelle: Pförtner
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Göttingen

Das Auf und Ab der deutsch-französischen Beziehungen und ihre Vernetzungen in die Welt sind zentral in seinen Zeichnungen. Seit nunmehr 40 Jahren zeichnet Plantu für die französische Zeitung „Le Monde“, seit 20 Jahren für „L’Express“. Kritisch, heiter und tiefgründig beleuchtet er weltpolitische Ereignisse mit lockerer Feder und pointierten Dialogen. Carla Bruni staunt nicht schlecht, als sie ihren Platz im Ehebett besetzt sieht: Angela Merkel füllt ihre Seite aus, liegt eng gekuschelt an Frankreichs ehemaligen Staatspräsidenten Nikolas Sarkozy. Der wendet sich entschuldigend an seine Gattin: „Es ist alles für Europa!“ Die hübsche Dame Europa hingegen ist äußerst pikiert, als sie sich als Kind der zwei Staatsmänner Helmut Kohl und FranÇois Mitterrand wiedererkennt und zieht die Konsequenz, dass sie genmanipuliert sein müsse.

In 40 Jahren hat sich einiges angesammelt: 120 Karikaturen beschäftigen sich zum Beispiel mit der deutschen Wiedervereinigung, dem mitunter holprigen Weg der europäischen Union (zur Zeit von Plantus ersten Zeichnungen waren es neun Mitglieder), der Euroeinführung und der Finanzkrise. So stellt er zwei berühmte „Auslaufmodelle“ gegenüber:  Das der Sowjetunion in Form der Mauer und das Amerikas in Form einer „Wall-Street-Mauer“, auf der sich fallende Kurse abzeichnen. In beiden Bauwerken klafft eine große Lücke: Sie drohen, in sich zusammenzufallen. Während auf der Mauer zwischen DDR und BRD 1989 die Menschen tanzen, stehen 2008 ehemals reiche Bürger nackt und verdrießlich auf der Mauer der USA.

Rechtsradikalismus und Umgang mit Atomkraft

Auch die Themen Rechtsradikalismus und der Umgang mit Atomkraft haben an Aktualität nichts einbüßt und sind Themen des in Frankreich wohl berühmtesten Karikaturisten. Seine Bilder sprechen auch ohne Sprechblasen. Die Zeichnungen sind überspitzt, skizzenhaft und trotzdem detailliert. Mit Sorgfalt hat Plantu die Falten und den Gesichtsausdruck Merkels, die Züge und Mimik Mitterrands und das eckige Profil Sarkozys heraus gearbeitet, der durch den Spiegel Plantus einem Vampir ähnelt.

Durch diesen Spiegel blicken auch viele Franzosen auf Deutschland. 30 von ihnen waren am Dienstag zur Ausstellungseröffnung zu Gast: Zeitgleich zur Ausstellung feiern Göttingen und die französische Stadt Pau den 30. Geburtstag ihrer Städtepartnerschaft. Die Vernissage war zugleich der Abschiedsabend für die Delegierten aus Pau. Die 30 Franzosen sahen sich durch die Karikaturen „repräsentiert“, so Stephan Hoffmann, Leiter des Göttinger Goethe-Instituts. Sie hätten ihre Meinungen und Gedanken wiedergefunden, die Plantu teilweise schon in ihrer Kindheit mit geprägt hätte.„Plantu zeigt einen Blickwinkel auf die Welt und die deutsch-französischen Beziehungen, den wir in Deutschland nicht haben, beispielsweise auf die NATO-Nachrüstungsdebatte. Für politisch Interessierte und Schulen ist das eine tolle Sache“, sagt Hoffmann.

Gerade in der Politik ist es schwer, auf dem neuesten Stand zu bleiben. Kurator Walther Fekl hat deswegen Zeichnungen des Künstlers aus dem Jahr 2012 mitgebracht, die die eigentliche Ausstellung, unter anderem initiiert durch das Berliner Institut FranÇais und der Antenne Métropole, ergänzen. Auch FranÇois Hollande hat Plantu herrlich in Szene gesetzt.

Zu sehen sind die Werke bis zum 27. Juli im Goethe-Institut, Merkelstraße 4, montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr.   

Von Katharina Kilburger