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Regional Pyjamaparty am Kornmarkt: Erica Eloff über Männlichkeit
Nachrichten Kultur Regional Pyjamaparty am Kornmarkt: Erica Eloff über Männlichkeit
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20:00 21.05.2019
Zu den Händelfestspielen gibt es bei Betten Heller wieder eine Talkrunde mit dem Intendanten Tobias Wolff. In der Reihe "Im Bett mit...", spricht er mit Erica Eloff über ihre Männerrolle in der Oper "Rodrigo".
Zu den Händelfestspielen gibt es bei Betten Heller wieder eine Talkrunde mit dem Intendanten Tobias Wolff. In der Reihe "Im Bett mit...", spricht er mit Erica Eloff über ihre Männerrolle in der Oper "Rodrigo". Quelle: Christina Hinzmann
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Göttingen

Schuhlos und im eigenen Bademantel fühlt sich Erica Eloff sichtlich wohl im Obergeschoss von Betten Heller. Eloff, die die männliche Hauptrolle in der Oper Rodrigo singt, hat es sich mit Tobias Wolff, Intendant der Händel-Festspiele auf zwei Ausstellungsmatratzen gemütlich gemacht. Sie ist der erste Gast, der zur Reihe „Im Bett mit...“ tatsächlich in angebrachter Kleidung erscheint, so Wolff.

„Ich mache immer noch gern Pyjamaparties“, erzählt Eloff, „wir werden älter und langweiliger, aber diese Abende habe ich mir ins Erwachsenenalter hinüber gerettet.“ Ihre Kindheit verbrachte Eloff in Südafrika. „Wir lebten idyllisch an der größten Orangenplantage des Gebiets, für Klopf- und Klingelstreiche mussten wir Kinder eine ganze Weile laufen“, erzählt sie lachend. 2003 zog die Familie nach England, wo Eloff auch heute noch hauptsächlich lebt – wenn sie nicht gerade ein Engagement in Göttingen annimmt und einen Mann mimt.

Hart, ein Mann zu sein

„Ist es hart, einen Mann zu verkörpern?“, fragt Wolff die Sopranistin im Gespräch. Eloff überlegt und sagt dann „Naja, es ist interessant... man muss wie ein Mann denken. Und wenn man ausgerechnet diese Rolle hat, ist es sehr schwer“, erwidert sie und bringt das Publikum zum Lachen. Rodrigo verführt in der Oper Florinda, diese bekommt ein Kind von ihm. Rodrigo verspricht ihr, seine Frau zu verlassen und tut es dann doch nicht – so schildert Wolff das Problem in Kürze.

„Meine Partie war schwer zu lernen, dabei war die Mechanik der Stimme aber nicht das Problem, sondern der psychologische Aspekt“, sagt Eloff. „Ich habe immer ein paar Takte gesungen und Rodrigo dann lauthals verflucht.“

Mit Ironie erträglicher

Zu den Händelfestspielen gibt es bei Betten Heller wieder eine Talkrunde mit dem Intendanten Tobias Wolff. In der Reihe "Im Bett mit...", spricht er mit Erica Eloff über ihre Männerrolle in der Oper "Rodrigo". Quelle: Christina Hinzmann

Durch die Regie von Walter Sutcliffe wurde die Rolle aber erträglicher. „Hätten wir den Charakter frei von Ironie umgesetzt, wäre es sehr schwierig geworden für mich“, sagt die Sängerin. Eine Dame aus dem Publikum schreitet ein: „Sie müssen im früheren Leben ein Mann gewesen sein – diese Bewegungen, dieses ekelhaft-widerliche Machohafte, es ist unglaublich, wie Sie das machen!“ Eloff lacht und erklärt ihr Verständnis von Kunst: „Alles, was man als Künstler tut, ist Schule. Lernen, beobachten und aufmerksam sein gehörten zum Beruf. „Außerdem haben mir die zwei Jahre am technischen Gymnasium geholfen“, erzählt die Sängerin, die zwischenzeitlich Ingenieurin werden wollte, weil „alle verrückt sind, die Musik studieren“, wie sie ihrer Mutter damals erzählte.

Viel Stoff zum Beobachten

Erica Eloff über ihre Männerrolle in der Oper "Rodrigo". Quelle: Christina Hinzmann

Diesen Wunsch gab sie aber wieder auf. Die Jahre unter Männern hätten ihr aber viel Stoff zum Beobachten gegeben. Aber auch Alltagsbeobachtungen: „Am Flughafen sah ich neulich eine Frau mit Kind am Bauch und mehreren Gepäckstücken und ihr Mann ging neben ihr – er trug nur seinen Laptop“, sagt sie kopfschüttelnd. „Auch so etwas ist inspirierend.“

Weitere Bettgäste sind Fernando Aguado am Mittwoch, 22. Mai, Tobias Moser am Donnerstag, 23. Mai, und Franziska Fleischanderl am Freitag, 24. Mai. Die Gespräche in Betten Heller, Kornmarkt 8, beginnen jeweils um 16 Uhr. Der Besuch ist kostenlos.

Von Lea Lang

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