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Regional ThOP: Publikum führt bei Kriminalstück selbst Regie
Nachrichten Kultur Regional ThOP: Publikum führt bei Kriminalstück selbst Regie
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10:22 24.07.2019
Improv Summer Madness im ThOP Quelle: Dirk Opitz
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Göttingen

Den Mörder, sein Opfer und den Ermittler bestimmt bei der Improv Summer Madness das Publikum zu Beginn der Aufführung. Das Ensemble des Göttinger Theaters im OP erfindet die passende Handlung beim Spielen.

Spannung bis zum letzten Augenblick hat das Studierenden-Theater im OP am Dienstag bei einem Krimi im Stile von Agatha Christie geboten. Trotz tropischer Temperaturen war die Vorstellung ausverkauft. 20 junge Menschen ergatterten keine der begehrten Eintrittskarten mehr – graue Ermittlerausweise, die Zutritt zum Tatort verschafften.

England im Juli 1953: Abseits eines kleinen Orts liegt inmitten von Mooren und Wäldern eine malerische Villa. Eine efeubewachsene Mauer umgibt Haus und Park. So beschreibt Schriftstellerin Clarissa Miller (Regisseurin Beatriz Beyer) zu Beginn des Stücks dem Publikum den Ort des Geschehens ihres neuen Romans.

Elegante, scharfzüngige Ehefrau

Nacheinander stellt die Schriftstellerin den Zuschauern die einzelnen Figuren vor und bittet um Mithilfe. Da ist Sarah Short (Charlotte Kaletsch). Das Publikum bestimmt sie zur verdeckten Ermittlerin des Abends. Während die FBI-Agentin sonst in Schrebergärten Rosendiebe jagt, hat sie nun ihren ersten Mord aufzuklären. Schorts hervorstechende Eigenschaft: Sie verbessert permanent die Grammatik ihres Gegenübers, so wünschen es die Zuschauer.

Die nächsten Aufführungen

Einen improvisierten Krimi im Stile von Agatha Christi zeigt das Göttinger Theater im OP bei der Improv Summer Madness am Freitag, 26. Juli, am Mittwoch, 31. Juli und am Freitag, 2. August, im Jacob-Grimm-Haus am Käte-Hamburger-Weg 3.

Am Sonnabend, 27. Juli, verhandelt das Theater unter dem Motto „Das Ende“ Untergangsszenarien. Am Sonntag, 28. Juli, steht das Publikum bei der „Open Stage der Improvisation“ selbst im Rampenlicht. Am Dienstag, 30. Juli, läuft „Der Streit der Regisseure“. Schweißtreibend werde das, kündigen die Theatermacher an. Am Sonnabend, 3. August, kämpfen die besten Impro-Spielerinnen Deutschlands um die goldene Gans. Einlass ist bei allen Vorstellungen um 19.30 Uhr. Die Aufführungen beginnen um 20.15 Uhr

Das ThOP nutzt den ehemaligen Anatomiehörsaal des alten Uniklikums seit 1984 als Spielstätte. Damals bezog das Seminar für Deutsche Philologie das Gebäude. Die Dramaturgische Abteilung bekam so eine feste Bühne, die sie seither ganzjährig mit jeweils zehn bis zwölf Produktionen bespielt wird.

Mit dem Gehstock in der Hand betritt der betagte Gentleman Alexander Mountbutton (Thius Vogel) die Bühne. Der Trunkenbold brennt gerne Schnaps, entscheidet das Publikum. Die Zuschauer machen den alten Herren zudem zum Vater von Charles McDunham (Frederick Kleinwort). Der nicht sehr durchsetzungsstarke Volljurist, so die Vorgabe des Publikums, ist Gastgeber des Abends.

Gemeinsam mit seiner ebenso eleganten wie scharfzüngigen Ehefrau Rachel Rutherford (Christina Elsner) richtet er eine Feier aus. Anlass, so der Wunsch der Zuschauer: die bevorstehende Trennung des Paars. Zweimal war sie von beiden bereits angekündigt, aber dann jedes Mal doch nicht vollzogen worden.

Kampfsport oder Häkeln

Naiv und voller Lebensfreude stürmt Elizabeth Bernstein (Lea Xenia Jöst) auf die Bühne. Betty ist zu ihrem Leidwesen immer noch nicht verheiratet, legt das Publikum fest. Als Hobby wünscht sich ein Zuschauer Kampfsport, ein anderer Häkeln. Regisseurin Beyer entscheidet sich für letzteres. Sie habe, bekennt Betty später während des Stücks, es auch mal mit Kampfsport versucht. Damit habe sie wieder aufgehört, weil ihr dieses Hobby zu männlich sei.

Das Geheimnis von Hausmädchen Mary Ann Langfield (Frederike Meyer) will die Schriftstellerin vom Publikum wissen. Sie ist russische Geheimagentin, beschließen die Zuschauer. Dann gilt es noch das Opfer und den Täter zu bestimmen. Diese Rollen werden ausgelost. Die Zuschauer schließen währenddessen die Augen. Als Todesart entscheidet sich das Publikum für das Erdrosseln mit einer Krawatte.

Dann beginnt das Spielen ohne Skript, musikalisch live begleitet von Lukas Liebich. Gastgeber Charles hat eine Affäre mit der naiven Betty, stellt sich heraus. Sie träumt von einer Hochzeit. Für ihn ist es nur ein Zeitvertreib. Rachel zögert die Trennung heraus, um Charles bessere Scheidungskonditionen abzuringen. Ihn reizt das zur Weißglut. Der alte Mountbutton will die Trennung des Paars verhindern. Hausmädchen Mary Ann spioniert Charles aus, der an einem wichtigen Gerichtsprozess beteiligt ist.

Mord während draußen ein Gewitter tobt

Vor der Pause kam es dann während einer Gewitternacht zum Mord an Betty. Während des zweiten Teils des Abends spielt Ermittlerin Short mögliche Tatverläufe durch – eine plausibler als die andere. Großes Theater!

Von Michael Caspar

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