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Regional Intendantentagung in Göttingen
Nachrichten Kultur Regional Intendantentagung in Göttingen
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00:22 25.01.2019
Vertreter der Intendantengruppe des Deutschen Bühnenvereins im Deutschen Theater Göttingen (v.l.): Cathérine Miville, Hasko Weber, Kathrin Mädler und DT-Intendant Erich Sidler. Quelle: Foto: Riese
Göttingen

 62 Intendantinnen und Intendanten aus ganz Deutschland haben am Montag und Dienstag im Deutschen Theater Göttingen (DT) getagt. Sie beschäftigten sich mit gesellschaftlichen Entwicklungen und ihren Auswirkungen auf das Theater und sein Publikum, aber auch mit strukturellen Problemen der Häuser – etwa im Hinblick auf den Fachkräftemangel oder die künftige Finanzierung.

In der Intendantengruppe des Deutschen Bühnenvereins sind derzeit 127 Leiter von Theatern und Kulturorchestern organisiert. Mindestens zweimal im Jahr kommen viele von ihnen zu sogenannten „Gruppensitzungen“ zusammen, um sich auszutauschen sowie kulturpolitische Themen und Problemfelder zu diskutieren. Diesmal war das DT als Tagungsort ausgewählt worden. „Wir sind sehr gern in Göttingen gewesen und hatten hier gute Gastgeber“, befand Hasko Weber, Vorsitzender der Intendantengruppe. Besonders beeindruckt zeigte er sich von der im DT vorgehaltenen Gastronomie. Einerseits fasziniere ihn die Architektur, andererseits sorge das DT-Bistro für ständigen Betrieb, den ganzen Tag über. Dies wiederum fördere die Kommunikation. „Das DT ist ein Haus, das gesucht wird“, fasste er seine Eindrücke zusammen.

Tacheles reden und Ansprüche formulieren

DT-Intendant Erich Sidler wird dies gern gehört haben. „Uns war es wichtig, auch mal Gastgeber für diese Konferenz zu sein. Wir sind ein offenes Haus und wollen das auch so präsentieren“, betonte er. An den regelmäßigen Zusammenkünften der Intendantengruppe schätze Sidler besonders, „dass hier immer erstmal Tacheles geredet wird und auch Ansprüche ans Theater formuliert werden.“ Es würden auch provokante Thesen diskutiert, etwa: „Der Mittelstand ist in ein paar Jahren komplett erodiert, wer soll da noch ins Theater gehen?“

Mit der Fragestellung, was überhaupt die Mitte der Gesellschaft charakterisiere und wie diese erreicht werden könne, beschäftigte sich während der Tagung ein Expertenvortrag des Soziologen Klaus Dörre. Dieser habe die aktuellen politischen Entwicklungen aus sozialwissenschaftlicher Sicht „sehr kritisch betrachtet“ und damit Anregungen für weitere Diskussionen unter den Intendanten geliefert, wie Weber berichtete. „Das ist für uns Theaterschaffende interessant, weil wir täglich Kontakt zu Menschen mit einem sehr breiten politischen Spektrum haben.“ Das spüre man auch in den Reaktionen auf bestimmte Inszenierungen.

Mit Kultur die Gesellschaft beeinflussen

„Wir müssen davon ausgehen, dass auch in unseren Zuschauerräumen Menschen sitzen, die vielleicht die AfD gewählt haben, die aber noch offen dafür sind, in welche Richtung sie gehen werden“, so Cathérine Miville, Geschäftsführerin der Intendantengruppe. Hier gelte es, Dialoge zu suchen und zum Beispiel über Diskussionsrunden in den Häusern Anstöße zu geben.

„Kultur ist ein probates Mittel, eine Gesellschaft zu beeinflussen“, befand auch Weber, der in diesem Zusammenhang auf den Text der „Berliner Erklärung der Vielen“ verwies, welche zahlreiche Theater und andere kulturelle Einrichtungen in ganz Deutschland mittragen würden. Diese Erklärung wendet sich gegen rechten Populismus, welcher oftmals der Kunst feindselig gegenüber stehe. Auch Sidler sympathisiert mit dem Verein „Die Vielen“ und sagt: „Wir sehen uns als ein Denkraum für demokratische Vorgänge.“ Generell müsse es auch darum gehen, die Politik für die Interessen der Theater zu sensiblisieren. Dass dies funktionieren kann, habe die Aktion „Rette dein Theater“ gezeigt. Da gehe es schließlich auch um die künftige Finanzierung von Spielstätten.

Am Rande der Tagung wählten die Intendanten Kathrin Mädler zur neuen zweiten Vorsitzenden der Gruppe. Zu den weiteren Themen der Sitzung gehörte ein im vergangenen Jahr verabschiedeter Verhaltenskodex des Bühnenvereins, der vor allem zum Zweck hat, dem alltäglichen Miteinander mehr Raum zu geben und sich deutlich gegen sexuelle Übergriffe und Machtmissbrauch zu positionieren.

Fachkräfte aus der Industrie fürs Theater?

Schließlich ging es auch um den Fachkräftemangel im Hinblick auf Theaterberufe. „Wir werden uns auf der Bühne nicht komplett digitalisieren und brauchen bestimmte Gewerke und Spezialisten einfach auch weiterhin“, stellte Weber klar; Unterstützung gab es dafür auch von Miville. Sidler betonte, dass er neben der klassischen Theateraufführung vor allem partizipative Formate und Systeme auf dem Vormarsch sehe. „Dafür braucht es vielleicht nicht unbedingt ein Bühnenbild“, so Sidler. Allerdings werde dieser Prozess noch etwas dauern. Weber formulierte die Hoffnung, dass Arbeitskräfte, die in der Industrie keine Zukunft mehr haben, vielleicht für eine Beschäftigung im Theater infrage kommen.

Von Markus Riese

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