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Regional Jim Libby, der „Impro-Papst von Wien“
Nachrichten Kultur Regional Jim Libby, der „Impro-Papst von Wien“
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00:25 25.02.2019
Von Main in den USA nach Wien: Jim Libby. Quelle: R
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Göttingen/Wien

„Gib mir sieben Minuten, dann bin ich zu Hause“, sagt Libby, „dann können wir sprechen“.Gerade kommt der „Impro-Papst von Wien“, so lautet ein Ehrentitel für den gebürtigen US-Amerikaners, von der Probe. An der renommierten Schauspielschule Max-Reinhardt-Seminar arbeitet er derzeit als Gastregisseur für die Schauspiel und Regieabteilung. Eine Show entwickelt er dabei mit den Schülern, die sie eine Woche lang jeden Abend spielen, allerdings mit sehr viel Improvisation. „Ich unterrichte sehr viel“, erläutert Libby, jede Berufsgruppe, von der Hausfrau bis zum Architekten. Am Reinhardt-Seminar sei er in der Arbeit mit den Schauspielschülern in einer Auffassung bestätigt worden: „Diese Elite-Studenten müssen genauso viel lernen wie alle anderen – sie sind auch nur Menschen.“

Kurznachrichten als Quelle der Inspiration

Diese Arbeit an der Schauspielschule ist nur eines von diversen Engagements des Impro-Schauspielers. Nach Göttingen kommt er im Duo. Gemeinsam mit Anne Rab tritt er unter dem Titel The Messengers auf. Diese Formation habe er gegründet, um verschiedene Formate zu spielen. Beim Festival treten Libby und Rab an drei Abenden auf.

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Am Freitag, 15. März, steht The Messenger ab 20 Uhr auf der Bühne im Lumière, Geismar Landstraße 19. „SMS“ heißt das Format, mit dem sie zu Gast sind. Und so, wie es heißt, funktioniert es auch. Zwei Telefone werden sich auf der Bühne befinden, Prepaid Handys, „Burner Phones wie sie Drogenkuriere benutzen“, sagt Libby und lacht. Das Publikum schickt dann Kurznachrichten als Quelle der Inspiration an die Schauspieler zu lenken. Libby und Rab präsentieren dieses Format nicht zum ersten Mal. Deswegen kann Libby auch aus Erfahrung sagen: „Jeder Abend hat eine eigene Dynamik. Ich bin gespannt, wie es in Göttingen funktioniert.“

Programm, das von Musik geprägt ist

Das Duo wird auch bei der großen Sonnabend-Show am 16. März um 20 Uhr im Lumière dabei sein. Unter dem „Musik ist Trumpf“ wollen The Messenger, Marked und die Heimische Comedy Company ein Programm liefern, das von Musik geprägt ist, „verrückte Geschichten, die musikalisch unterlegt sind, oder gesungen werden, oder getanzt, oder vielleicht auch ganz ohne Worte auskommen“, erklären die Organisatoren. Und: „Wer bezahlt, entscheidet auch, welche Musik gespielt wird. Und das ist nun mal das Publikum. Oper, Musical, Obertongesang, Qawwali, Heavy Metal oder Jammerschlager.“

Am Sonntag um 19 Uhr steht dann noch ein Klassiker auf dem Programm: das Theatersport-Match, diesmal ausgetragen von The Messenger und der Comedy Company, gespielt im Lumière. Auch auf diesen Abend freut sich Libby. Denn „die Comedy Company ist schon sehr lange dabei. Sie hat einen sehr guten Ruf, ist sehr professionell und sehr offenherzig. Bist du offen, bist du willig, dann kannst du arbeiten“, sagt Libby. Er spricht dabei auch aus Erfahrung. Denn im Jahr 2012 war schon einmal beim Impro-Festival in Göttingen. Damals mit zwei Kollegen aus seiner Formation Brainstorm.

„Das, was ich wirklich liebe“

Mindestens drei Tage lang wird Libby also in Göttingen verbringen. Was aber wird er unternehmen, wenn er nicht spielt? „Dann mache ich das, was ich wirklich liebe: ein bisschen herumgehen und die Stadt einatmen.“ Die Menschen dächten oft, viele Städte seien gleich. „Aber jede Stadt hat ein gewisses Flair.“ Er werde sich die Architektur anschauen, mit Menschen ins Gespräch kommen und sein Wissen über die Stadt vergrößern, sagt Libby, „man fühlt sich verbunden“.

Das Festival-Programm

Sieben Auftritte, vier Locations, vier Ensembles, zwei Städte und einen Star der Küchen-Künste hat das Internationale Impro-Festival vom 8. bis zum 26. März zu bieten. Die gastgebende Comedy-Company spielt zum Auftakt am 8. März in Dransfeld – die folgenden Bühnen stehen in Göttingen. Zum Abschluss geht’s im Jungen Theater heiß her.

Mit der Drohung „Wir sehen uns vor Gericht“ streifen die Spieler der Comedy-Company am Freitag, 8. März, um 20 Uhr in der Dransfelder Stadthalle ihre Roben über, um der Gerechtigkeit zum Sieg zu verhelfen. Beweise, Zeugenaussagen und Gutachten werden die Fantasie der Zuschauer beflügeln – denn das Publikum darf das Urteil fällen.

Am Dienstag, 12. März, folgt der „Impro-Slam“: Die Gorillas und die Company treten um 20 Uhr im Jungen Theater in einer „brutalst möglichen“ Gameshow auf. Die Zuschauer dürfen dem diktatorischen Moderator ohne Hemmungen helfen.

Am 15. März wird im Lumière „SMS“ gefunkt. An diesem Freitag schickt das Publikum ab 20 Uhr Nachrichten als Inspiration an das Duo The Messengers. „Ein Abend voller falsch gewählter Nummern, Gruppen-Chats und privater Nachrichten. Eine Show mit Short Message Serviece ohne Autokorrektur“, so die Ankündigung.

Ebenfalls an diesem Abend im Lumière auf der Bühne: Das Weltklasse-Duo Marked. Lee White und Daniel Orrantia spielen auf Englisch. Die Tattoos ihrer Zuschauer bilden die Vorlage für „bizarre, urkomische und doch ehrliche Geschichten“. Die Aussagen der Tattoos erhalten eine ganz neue Bedeutung.

Am nächsten Tag heißt die Devise „Musik ist Trumpf“: In der Sonnabendshow werden The Messengers, Marked und die Leute von der Company im Lumière tanzen, singen, schreien. Wie und was, entscheidet das Publikum: Oper, Heavy Metal, Schalalalager – die Stars müssens bringen. Die Show wird teilweise auf Englisch gespielt.

Ein Theatersport-Match liefern die Comedy-Company und The Messengers am Sonntag um 19 Uhr im Lumière. Die Ansage: „Das bessere Team gewinnt. Was auch immer.“

Am Donnerstag, 21. März improvisieren „die vier Irren“ von der Company im Theater der Nacht in Northeim mit Kuscheltieren – die das Publikum mitbringt. Die Zuschauer führen ab 20 Uhr Regie.

Die „erste Impro-Kochshow der Welt“ kündigen Lars Wätzold, Michael Zalejski (Comedy-Company) und Jacqeline Amirfallah zum Festival-Abschluss am Dienstag, 26. März, an. Während die Company-Kumpel staunen, zaubert der Göttinger TV-Star am Herd – mit allem, was das Publikum ins Junge Theater schleppt. Ganz schnell kommen der Schauspieler und der Pianist auf den Geschmack – und nehmen höchstpersönlich Küchenmesser und Kochlöffel in die Hand. Daumen hoch – Daumen runter: Das Publikum bestimmt, was schmeckt.

Tickets für das Erscheinen vor Gericht sind unter anderem in der Geschäftsstelle des Göttinger (Weender Straße 44) und des Eichsfelder Tageblatts, Marktstraße 9 in Duderstadt, erhältlich – online auf goeticket.de; Tickets „Impro-Slam“: Junges Theater, 0551/495015; Karten für die SMS-Show gibt es im Lumière unter 0551/484523; Tickets für „Musik ist Trumpf“: 0551/484523; für das Theatersport-Match: 0551/484523; Tickets für die nächtliche Kuscheltier-Parade gibt’s in den Tageblatt-Geschäftsstellen; Speisekärtchen fürs JT-Gastro-Spektakel: 0551/495015. ski

Von Peter Krüger-Lenz