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Regional Irina Korschunows Roman „Langsamer Abschied“
Nachrichten Kultur Regional Irina Korschunows Roman „Langsamer Abschied“
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19:26 18.03.2009
Hochsensibel für Gefühle: Irina Korschunow.
Hochsensibel für Gefühle: Irina Korschunow. Quelle: Literaturhaus München
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Nora und Pierre sind ein ganz normales Ehepaar. Mit den üblichen Problemen – Karrierestreben, das der Beziehung entgegensteht, unerfüllter Kinderwunsch, ein Seitensprung des Mannes. Doch dann verunglückt Pierre schwer, liegt lange bewusstlos im Koma – und stirbt nach Monaten.

„Langsamer Abschied“ hat die 84-jährige Autorin ihren Roman genannt. Und genau darum geht es, nicht um dramatische Entwicklungen, sondern um die Beschreibung und Analyse der Gefühle, die sich in dieser Situation einstellen. Nora macht sich Vorwürfe, meint, Dinge versäumt zu haben, falsche Entscheidungen gefällt zu haben. Sie schwankt zwischen Hoffnung und Verzweiflung, ist bereit, ja hält es für selbstverständlich, ihr Leben ganz der Versorgung des Todkranken zu widmen, ertappt sich aber bei widerstreitenden Gefühlen. 

Angst und Lebensmut

Die freundliche Zuwendung des behandelnden Arztes weist sie anfangs brüsk zurück und macht sich später Vorwürfe, dass ihr dieses Verhältnis gut tut. Die Trauer um Pierre setzt lange vor seinem Tod ein, sein Ende bedeutet zugleich auch Erleichterung. Aber kann sie dieses Gefühl akzeptieren? Mal siegt ihre Angst, mal setzt sich neuer Lebensmut durch. „Langsamer Abschied“ ist ein ungewöhnlich differenziertes Psychogramm, ein präzise beobachtetes, ehrliches, nachhaltig bewegendes Buch.

• Irina Korschunow: Langsamer Abschied. Roman. Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2009, 157  Seiten, 17,95 Euro.

• Hörbuch (gekürzt), gelesen von Marion Martienzen. Zwei CDs, 19,95 Euro. 

                                                                                             Von Michael Schäfer