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Regional Zwischenräume im Künstlerhaus Göttingen
Nachrichten Kultur Regional Zwischenräume im Künstlerhaus Göttingen
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06:00 22.10.2018
Besucher vor Ute Gruenwalds Installation „Meine Träume, Deine Träume“. Quelle: Rüdiger Franke
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Göttingen

Alle zwei Jahre wählen die Mitglieder des Bundes Bildender Künstler ein festes Thema für ihre Jahresausstellung. In diesem Jahr entschieden sie sich für „Zwischenräume“. Zu sehen sind die Werke im Künstlerhaus Göttingen. 74 Besucher nahmen die Gelegenheit gleich bei der Eröffnung wahr.

Anerkennung für regionale Kunst

Die regionale Kunst finde Anerkennung, sagte Georg Hoppenstedt, einer der Künstler. Die Besucherzahl bei der Ausstellungseröffnung im Künstlerhaus sei nicht ungewöhnlich. „Es gibt ein reges Interesse, denn die Besucher können verfolgen, welche Entwicklungsschritte wir gemacht haben.“ Die Leute fänden auch gut, dass sie sich mit den Künstlern austauschen können.

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Querschnitt der Ausdrucksformen

21 Künstler haben sich mit dem Thema „Zwischenräume“ beschäftigt, zeigen nach Hoppenstedts Angaben „einen Querschnitt über die verschiedenen Ausdrucksformen, die wir als Künstler haben“. Die festgelegten Themen forderten die Künstler auf besondere Weise heraus, sagt er. Um dem Publikum Abwechslung zu bieten, werde dieser Weg beschritten. In den Jahren dazwischen werde eine Werkschau gezeigt.

Morgensterns Lattenzaun

Künstler Georg Hoppenstedt bei der Einführung Quelle: Rüdiger Franke

Hoppenstedt begann die Einführung in die Ausstellung mit einem Gedicht von Christian Morgenstern. „Es war einmal ein Lattenzaun, mit Zwischenraum, hindurchzuschaun ...“ In der grotesken Phantastik dieses Gedichts werde deutlich, dass ein Zwischenraum mehr bedeuten könne als nichts. Bei Morgenstern werde der Zwischenraum zwischen den Latten weit bedeutender als die Latten selbst.

Aus der Sicht einer Katze

 „Normalerweise erleben wir Zwischenräume als nachrangig, als etwas, das zwischen den Dingen liegt, eine Pause beispielsweise“, sagte Hoppenstedt. Als Wesentliches müsse man beim Lattenzaun doch wohl die Latten ansehen, die Zwischenräume entstünden eher zwangsläufig, scheinen erst einmal das Unwesentliche zu sein. „Allerdings nicht für eine Katze, die dann durch den Zaun hindurchschlüpfen kann, wenn die Zwischenräume groß genug sind“, verdeutlichte der Redner, dass es auf den Standpunkt des Betrachters ankomme.

Nicht unwichtig

In der Malerei beginne das Werk damit, dass ein Untergrund aufgebaut werde, erläuterte der Künstler. Darauf werden die Dinge gemalt, die das Bild bestimmen, die Setzungen. „Die Zwischenräume ergeben sich also als Folge, bilden die Folie, auf der das Geschehen sich entwickelt.“ Man könne die Zwischenräume aber nicht als unwichtig ansehen, als unbedeutend abtun, „selbst wenn sie erst einmal als dienend angesehen werden“. 

Verschiedene Herangehensweisen

Eröffnung der Jahresausstellung 2018 des Bundes Bildender Künstler Südniedersachsen Quelle: Rüdiger Franke

Die Künstler haben in ihren Werken verschiedene Herangehensweisen an das Thema gefunden. Einfach zu erkennen ist der Zusammenhang bei Hoppenstedts Installation aus farbigen Hölzern. Sie schlägt den Bogen zum Lattenzaun, der die Einladung ziert. Deutlich schwieriger wird die Einordnung zum Beispiel bei Konrad Mätzigs Kopf aus Jute. Er gibt dem Betrachter durchaus Rätsel auf und lässt viel Raum für eigene Interpretationen.

„Kunst schafft freie Gedanken“

Kunst schaffe freie Gedanken, sagt die Künstlerin Ute Gruenwald. Dadurch sei sie auf ihre Art politisch. Reklame, Politik und Medien würden oft die Meinung vorgeben, doch die Kunst erlaube die Freiheit der eigenen Gedanken. Und so gibt auch ihre Installation „Meine Träume, deine Träume“ aus einer blauen Leuchtröhre zwischen zwei Spiegeln nicht auf den ersten Blick ihr Geheimnis preis. „Ursprünglich sollte es den Gegensatz von Endlichkeit und Unendlichkeit zeigen“, erläutert die Künstlerin. Doch mittlerweile sehe sie ihr Werk anders als zu Beginn. „Wir sind ein Teil der Ewigkeit, räumlich und zeitlich.“

Öffnungszeiten und Führung

Die Ausstellung „Zwischenräume“ ist bis 18. November dienstags bis freitags von 16 bis 18 Uhr sowie sonnabends und sonntags von 11 bis 16 Uhr im Künstlerhaus Göttingen, Gotmarstraße 1, zu sehen. Der Eintritt ist frei. Am Sonntag, 28. Oktober, bietet Ute Gruenwald um 11 Uhr eine Führung an. 

Von Rüdiger Franke

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