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Regional „Wer wir sind“: Ostdeutschland aus der Innenperspektive
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19:23 15.01.2019
Jana Hensel und Wolfgang Engler lesen aus und sprechen über ihr gemeinsames Buch "Wer wir sind. Die Erfahrung, ostdeutsch zu sein". Es moderiert Katharina Trittel vom Göttinger Institut für Demokratieforschung (Mitte). Quelle: Niklas Richter
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Göttingen

Jana Hensel und Wolfgang Engler haben ein gemeinsames Buch herausgebracht. „Wer wir sind: Die Erfahrung, ostdeutsch zu sein“ kam im Herbst 2018 auf den Markt, seither lesen und sprechen die beiden Autoren in der ganzen ehemaligen DDR. Mit ihrem Gespräch im Literarischen Zentrum Göttingen waren sie mit ihrem Werk „zum ersten Mal auf westdeutschem Boden zu Gast, wenn man so will“, sagte Jana Hensel mit einem Schmunzeln.

Moderiert von Katharina Trittel vom Institut für Demokratieforschung, sprachen die beiden Autoren über die eigene Wahrnehmung der Wende in ihren verschiedenen Generationen. Hensel war selbst als 13-Jährige mit ihrer Mutter als eines der wenigen Kinder auf den Montagsdemos. „Die Magie dieses Augenblicks kennen nicht so viele“, sagt sie. Später erlebte sie Heimatlosigkeit: „Eben war ich noch Thälmann-Pionier, im nächsten Moment in der Grünen Jugend.“ In Berlin erlebte sie Marginalisierung, was Engler im Gespräch überraschte. Er war 1989 schon an der Universität und versuchte, an Schriften aus dem Giftschrank zu kommen und diese mit Kommilitonen zu lesen.

„Wir-Problem“ statt „Wir-Gefühl“

Statt einem „Wir-Gefühl“ gebe es seit der Wende eher ein „Wir-Problem“: Man vergesse zu oft die 90er-Jahre im Osten. Nach der Wende blieb eine undefinierbare Gruppe aus Menschen, die nicht gehen konnten und anderen, die extra vor Ort bleiben wollten, um zu sehen, was kommt. Vor allem junge Menschen verließen die neuen Bundesländer, womit die restliche Gesellschaft plötzlich überalterte. Im Buch schreiben die Autoren, dass es ohne den Weggang der jungen Leute wahrscheinlich nie Pegida gegeben hätte.

Der Grund für das Buch liegt in der westdeutschen Berichterstattung damals und heute. „Wir haben uns daran gestört, dass der Rechtsruck mit den diktaturerfahrenen Ostdeutschen erklärt wurde“, so Hensel. „Der soziale Boden wurde aufgebrochen 1989 und die sogenannte Nachwendezeit endet eigentlich erst mit Pegida“, sagt Engler. Während im Westen die Alliierten ein demokratisches System verbreiteten und daraus später Wohlstand und Teilhabe entstanden, musste der Osten erst Freiheitsrechte und Selbstbestimmtheit erwerben – der öffentliche Raum gehörte den Bürgern aber trotzdem nicht.

Pegida Danke sagen?

„Im Prinzip müssen wir Pegida Danke sagen“, sagte Hensel und schockierte damit bis zur Erklärung den Saal. „Pegida ist eine von Hass und Rassismus getriebene Bewegung, aber damit kam der Osten in die Köpfe Gesamtdeutschlands“, so Hensel. „Die Grünen stellen jetzt ein Ostpapier vor, das Gebiet ist in den Fokus gerückt“, erklärt sie. Diese Aufmerksamkeit hätte das Gebiet all die Jahre gebraucht. Als aus dem Publikum die Frage kommt, ob der Osten 25 Jahre gewartet hätte, bis er auf Flüchtlinge eintreten konnte, verneint Hensel. „Sie haben nicht gewartet – aber da hat sich vieles entladen, als Geflüchtete gehört wurden und die Gebliebenen anscheinend nicht.“

Ein Gespräch als Form des Abends zu wählen, lag nahe: „Für das Buch haben wir uns zwei Tage ins Studio eingesperrt und wurden aufgezeichnet“, sagt Engler. Danach wurde mehrfach redigiert und entstanden ist ein Buch in Dialogform. „Die Lektorin gab einen Leitfaden von zehn Themen vor und daran hielten wir uns“, so Engler. Alle Inhalte können die beiden an diesem Abend nicht verhandeln. Aber der Dialog ist eröffnet.

Info:Wer wir sind. Die Erfahrung, ostdeutsch zu sein“ ist im Aufbau Verlag erschienen und kostet 20 Euro in gebundener Form.

Von Lea Lang

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