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Regional Jane Birkin zu Gast im Kulturzelt an der Drahtbrücke Kassel
Nachrichten Kultur Regional Jane Birkin zu Gast im Kulturzelt an der Drahtbrücke Kassel
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20:16 28.07.2013
Von Peter Krüger-Lenz
Mit viel Charisma und Bühnenpräsenz: die Schauspielerin und Sängerin Jane Birkin.
Mit viel Charisma und Bühnenpräsenz: die Schauspielerin und Sängerin Jane Birkin. Quelle: Krüger-Lenz
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Kassel

Denn es waren viele gekommen. Nicht ausverkauft zwar, aber sehr gut besucht. Birkin sang ausschließlich Chansons, die Serge Gainsbourg für sie verfasst hatte, ihr Lebensgefährte für etwas mehr als ein Jahrzehnt.

Sie lernten sich Ende der 60er-Jahre bei Dreharbeiten kennen. 1996 veröffentlichten sie das Lied „J t’aime … moi non plus“, damals ein Skandal, der beide endgültig berühmt machte. 1981 verließ Birkin Gainsbourg, 1990 widmete er ihr sein letztes Album bevor er 1991 starb. „Seit ich 20 war bis zu seinem Tod hat er Lieder für mich geschrieben“, sagte Birkin. Und das machte den Abend zu einem ganz besonderen.

Zu Beginn des Konzertes wird sie offenbar von Lampenfieber geplagt, eine Hand zittert. Doch schnell wird sie warm mit dem Abend, mit der Bühne, mit dem Publikum. Birkin hat noch immer diesen mädchenhaften Charme. Sie trägt ein schickes weißes Hemd,  weite schwarze Anzughose und flache sportliche Schuhe.

Zart und zerbrechlich

Ihre knapp schulterlangen gelockten Haare lässt sie hin und wieder durch die Luft fliegen. Sie singt viele der 25 Lieder, die auf der CD „Jane Birkin sings Serge Gainsbourg“ veröffentlicht sind. Das Vermächtnis eines der größten Chansonniers, den Frankreich hervorgebracht hat. Das Album ist sehr schnell nach Ende der Show ausverkauft.

Birkin singt noch immer mit dieser Stimme, die sie selbst „tiny“ nennt, „winzig klein“. Kokettiert sie etwa? Eher nicht. Birkin besitzt keine große Stimme. Aber sie klingt sehr zart und zerbrechlich. Nur sie kann so diese Lieder singen, die Gainsbourg genau für diese Stimme geschrieben hat. 

All das ist Birkin bewusst. Und warum hat sie ein Band mit japanischen Musikern um sich geschart. Sie habe vor zweieinhalb Jahren den Menschen in Japan nach dem Erdbeben und der Atomkatastrophe ihre Solidarität ausdrücken wollen, sei zu ihnen gefahren und habe Konzerte gegeben. Damit niemand diese Katastrophe vergesse, toure sie eben mit vier japanische Musikern – die aber eine außerordentliche musikalische Qualität mitbringen.

Den Menschen ganz nah

Pianist Nobuyuki Nakajima, ein gefragter Jazzer, hat die Lieder arrangiert, Tsutomu Kurihara spielt ein charmant gedämpftes Schlagzeug, kann aber richtig Gas geben, wenn Birkin ihn dazu auffordert. Trompeter Shuishiro Sakaguchi hat einen wunderbar zarten Ton. Und Jun Nagata spielt nicht nur sehr versiert ihre Violine, sie treibt auch ein wenig Schabernack bei einem Duett mit Birkin quer durch den Innenraum des Zeltes.

Irgendwann steigt Birkin dann von der Bühne herab. Über sich hält sie das Gestänge eines Schirmes, an dem Lämpchen zart leuchten, ein mobiler Sternenhimmel. Sie schlendert entspannt singend durch die Besucherreihen, redet hier ein wenig und dort, lächelt. Ganz nah ist sie jetzt den Menschen. Ihr Charisma strahlt, ihre Bühnenpräsenz ist beeindruckend. So beeindruckend wie dieser denkwürdige Abend, an dem alles zusammenpasst.