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Regional Siea: Holt die Frauen an die Instrumente
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07:17 19.08.2019
Jazz von Musikerinnen: die Band Siea. Quelle: Christian Seitz
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Rittmarshausen

Das Programm des Festivals „Jazz ohne Gleichen“ wird in diesem Jahr ausschließlich von Musikerinnen bestritten. Da passt Siea genau ins Anforderungsprofil.

Sie kommen mit Ihrer Band Siea zu dem Festival, das diesmal ausschließlich Musikerinnen im Programm hat. Haben Sie Ähnliches schon erlebt?

Nein, das ist unser erstes Festival mit diesem Focus. Es gibt unsere Band seit eineinhalb Jahren und unsere bisherigen zwölf Konzerte waren entweder in Clubs oder Teil von Festivals, die einfach das Thema „Jazz“ führten.

Was ändert es aus Ihrer Sicht, wenn ausschließlich Musikerinnen in einer Band oder auf so einem Festival spielen?

Ich finde das Konzept von „Jazz ohne Gleichen 2019“ interessant. Es ist eigentlich das Gleiche, wie bei unserem Bandkonzept. Es ist nicht zwingend eine rein-weiblich besetze Band zu gründen, wir arbeiten im allgemeinen genau so gern mit Männern zusammen und tun das als Substitute, im Studio, beim Grafikdesign auch. Trotzdem ist es einfach spannend nur mit Frauen auf der Bühne zu stehen. Wir werden nach den Konzerten immer wieder darauf angesprochen, wie ungewohnt, sogar irritierend dieses Bild ist. Auch dass wir in Interviews immer darauf angesprochen werden, ist ein Indiz dafür, wie sehr es an der Zeit ist, Frauen auf der Bühne und vor allem an den Instrumenten zu zeigen.

Sie sind Bandleaderin von Siea. Wie wird man Chefin einer Band? Was müssen Sie dafür mitbringen?

Man beschließt so eine Band zu gründen, sucht sich zwei bis drei erste Komplizinnen und sucht dann den Rest der Band zusammen. Künstlerisch gesehen sind wir definitiv eine Demokratie und mir ist die Rücksprache mit den anderen Musikerinnen extrem wichtig. Oft stimmen wir ab, beziehungsweise besprechen uns im harten Kern der Band. Den sogenannten ,Chefinnen’-Status verdient man sich wahrscheinlich mit durchschnittlich 15 bis 20 Wochenstunden unbezahlter Organisations- und Bookingarbeit.

Die Band besteht aus zehn Musikerinnen. Wie haben sie sich zusammengefunden?

Wir haben teilweise zusammen an der Hochschule für Musik und Theater in München studiert oder in anderen Formationen und Big Bands zusammen gespielt und uns dadurch kennen gelernt. Wir sind mittlerweile sogar ein Kollektiv aus 16 Musikerinnen, von denen immer nur neun bis zehn auf der Bühne zu sehen sind. Die Musikerinnen leben teils in Dresden, Leipzig, Mannheim, Berlin, Österreich und der Schweiz. Anders bekommt man das Konzept mit der reinen Frauenbesetzung gar nicht durch.

Sie nennen die Musik von Siea als Avantgarde-Pop-Disco. Können Sie diese explosiv klingende Mischung näher beschreiben?

Das ist ein Versuch so etwas großes, ungreifbares, ausuferndes und waberndes wie Musik in Termini zu zwängen, da der/die Konsument/in und die Presse gerne Dinge benennt. Hören Sie selbst!

Ihr Part bei Siea ist neben dem Bandleading und Gesang die Performance. Nicht viele Musikerinnen und Musiker schreiben das in die Bandbeschreibung. Was zeichnet Ihre Performance aus?

Für die Performance bin ich nicht allein zuständig. Die zweite Frontsängerin Patricia Römer sowie unsere Kostümdesignerin, meine Schwester Carlotta Dering, denken sich auch Sachen aus. Wir gehen einfach einen Schritt weiter, weg vom klassischen Jazzkonzert, das sich nur auf die Musik fokussiert, hin zu Geschichten, Sprache, Tanz, freier Impro ...

Sie sind auch Teil des Jazzduos Ladybird und präsentieren ein Schlagerprogramm mit Stücken, die beinahe 100 Jahre alt sind. Sie haben als Schauspielerin auf der Bühne gestanden und sich in einer Akademie in Tansania mit afrikanischer Musik vertraut gemacht. Sie haben also schon vieles ausprobiert. Was würden sie gerne noch starten?

Ich bin kein Mensch, der sich auf eine Sache festlegen kann. Gerade habe ich einige Kurse beim Impultanzfestival in Wien besucht und von Voguing bis zu bewusstseinserweiternder Improtanzsessions einiges erlebt. Das Leben als Künstlerin ist unglaublich spannend und sehr herausfordernd. Aber auch sehr Ich-bezogen. Ich würde gern mehr auf der künstlerisch-sozialen Ebene arbeiten und meine Stimme als Künstlerin auf der sozialkritischen beziehungsweise politischen Ebene nutzen. Abgesehen von sozialkritischen Texten oder einem Benefizkonzert bin ich da definitiv noch nicht ausreichend eingetaucht.

Die Organisatoren des Festivals kündigen Ihr Konzert als eine Art Party an. Stühle weg und tanzen, heißt es da. Ist das in Ihrem Sinne?

Ja klar, warum nicht. Viele unserer Songs sind wunderbar tanzbar. Manche vielleicht eher zum Lauschen und Sich-im-Arm-halten, aber das gehört ja auch zu jeder guten Party dazu.

Sie leben in Wien und in München. Wo gefällt es Ihnen besser und warum?

München ist gemütlich, extrem vertraut und sehr übersichtlich für mich, da ich dort geboren bin und den Großteil meines Lebens und meiner bisherigen Karriere dort verbracht habe. Wien ist aufregender, etwas wilder, etwas dreckiger, exotischer und manchmal sehr rau. Ich habe in beiden Städten wunderbare Menschen und wichtige Dinge, die mich dort hin ziehen und werde mittlerweile, wenn ich zu lang in einer Stadt bin, nervös und brauche die Abwechslung. Allerdings zieht es mich dann auch gern mal nach Berlin oder gleich in die weite Ferne.

Eine letzte Frage noch: Welche Bedeutung hat der Bandname Siea?

Es ist ein Kunstwort. Bestehend aus dem deutschem Personalpronomen sie und dem englischen Wort sea für Meer.

Das Festival-Programm

„Frauen machen Jazz“ auf Schloss Rittmarshausen: Bei der vierten Auflage von „Jazz ohne Gleichen“, veranstaltet vom Kulturverein Rittmarshausen, steht am Sonnabend, 24. August, zum Auftakt ein Jazz-Symposium auf dem Programm (11 bis 13 Uhr). Erörtert werden soll die Frage: „Worin liegen die Gründe dafür, dass Frauen im Jazz nach wie vor deutlich unterrepräsentiert sind?“ Der Eintritt ist frei.

Von 14 bis 18 Uhr werden dann die sechs Jazz-Workshops angeboten, ehe um 19.30 Uhr eine musikalische Lesung mit Andrea Stube und Nicole Johänntgen beginnt. Der Eintritt ist frei, eine Spende wird erbeten.

Bei den Jazzkonzerten und dem Familienfest am Sonntag, 25. August, spielen von 11.30 bis 20.30 Uhr das Projektensemble „Frauen machen Jazz“, „S.O.F.I.A. – Sisters in Jazz“, Julia Hülsmann sowie die Bigband Siea. Mehr Informationen: kulturverein-rittmarshausen.de Im Vorverkauf kostet ein Tagesticket 32 Euro, ein ermäßigtes Ticket für Schüler und Studenten 16 Euro und eine Familienkarte für Eltern mit Kindern 40 Euro. Eintrittskarten gibt es in den Tageblatt-Geschäftsstellen in Göttingen, Weender Straße 44, und Duderstadt, Marktstraße 9.

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