Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Regional Hochkarätig besetztes Festival
Nachrichten Kultur Regional Hochkarätig besetztes Festival
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:18 25.08.2019
Hochkarätig besetzt war das Jazz Symposium auf dem Schloss in Rittmarshausen. Quelle: Hinz
Anzeige
Rittmarshausen

Mit „Frauen im Jazz“ hat sich ein Symposium auf dem Festival „Jazz ohne Gleichen“ am Sonnabend im Schloss Rittmarshausen beschäftigt. Finanziert wurde die hochkarätig besetzte Veranstaltung mit freiem Eintritt durch Bundesmittel aus dem Fond „Demokratie leben“, die von der Bildungsgenossenschaft Südniedersachsen genehmigt wurden.

Mit einem Symposium ist das Festival „Jazz ohne Gleichen“ gestartet. Später schloss sich eine Reihe von Konzerten an.

Das Missverhältnis zwischen Wunsch und Realität ist gewaltig: Im Jazz wird immer wieder von Freiheit, Gleichberechtigung und Auflösung von Rollenverhalten innerhalb der Musik gesprochen, ja dies gehört geradezu zum Grundverständnis dieses Genres – aber für das Verhältnis zwischen Männern und Frauen gilt dies offensichtlich (noch) nicht. Erschreckend wenige Frauen sind auf den Konzertbühnen zu erleben. Woran liegt dies?

Ohne Frauen fehlt etwas

Moderatorin Mauretta Heinzelmann eröffnete die Gesprächsrunde mit der Frage, ob es sich überhaupt noch lohne, über dieses Thema zu sprechen. Doch immerhin gehe es darum, dass Frauen 50 Prozent aller Menschen seien, und es sei deshalb wichtig, darüber zu sprechen. Die Pianistin Julia Hülsmann meinte dazu: „Es geht nicht darum, dass Frauen etwas besser machen als Männer, es geht darum, dass ohne Frauen etwas fehlt.“ Allerdings habe sie als Frau nach ihren Soli oft mehr Applaus erhalten als die männlichen Kollegen und sich gefragt, ob dies an ihrem Spiel läge oder daran, dass sie eine Frau sei – das brachte sie zum Nachdenken.

Sie habe sich bewusst vielen Jazz typischen Situationen entzogen, wie beispielsweise von Männern dominierten Big Bands oder Sessions mit Konkurrenzdenken zwischen Musikern. Zum Erfolg habe die Pianistin ihren eigenen Weg gefunden: „Ich habe meine eigene Band aufgebaut und immer weiter gemacht – jetzt habe ich mein Selbstbewusstsein, das ich mir erarbeitet habe.“

Weibliches Vorbild ist wichtig.

Hanna Carlson betonte die Sonderrolle, die sie als Jazzsängerin habe: „Sängerinnen haben eine festgeschriebene Position, sie stehen zwar nicht in Konkurrenz mit den Instrumentalisten, werden aber nicht immer ernst genommen.“ Saxofonistin Nicole Johänntgen erzählte, wie wichtig in ihrem Leben ein weibliches Vorbild gewesen sei: „Die Saxofonistin Candy Dulfer und ihre energiegeladene Musik haben mich dazu gebracht, Saxofon zu spielen, eine Band zu gründen und selber Konzerte zu buchen – denn von männlichen Kollegen wurde ich nur selten angefragt, in einer Band mitzuspielen.“ Kurz: Frauen kommen weiter, wenn sie ihr eigenes Ding machen.

Macht erst Erfolg Frauen als Musiker attraktiv? Die Pianistin Julia Hülsmann berichtete, dass sie erst nach dem Plattenvertrag beim großen Label ECM plötzlich Anfragen bekam, bei Männern mitzuspielen – und denen die Türen zum Label zu öffnen.

Moderation Heinzelmann fragte in die Runde, ob auch die Metoo-Debatte im Jazz eine Rolle spiele. Sexismus gäbe es auch im Jazz: Pianistin Hülsmann erzählte von einer Saxofonistin aus Russland, der als Frau verweigert wurde, Saxofon zu studieren. Andere Frauen finden schwierig Akzeptanz, wenn sie wegen ihrer Tage nicht im Stehen spielen können. Hier gäbe es klare Ausgrenzung.

Auf das Thema soziale Medien ging Sina Mareike Schule von der Landesarbeitsgemeinschaft Jazz in Niedersachsen ein: „Hier können Frauen auf sich aufmerksam machen – aber Frauen haben hier auch mit Anfeindungen zu kämpfen.“ Nicole Johänntgen ergänzte: „Über Facebook lerne ich andere Musikerinnen und Musiker kennen.“

Situation wird langsam besser

Die Podiumsteilnehmerinnen waren sich in einigen Punkten einig: Die Situation von Frauen im Jazz wird langsam besser, und doch sind Eigeninitiative und Netzwerkbildung von Frauen nach wie vor erforderlich und ein Weg, im Jazz Erfolg zu haben.

In der abschließenden Diskussion bemerkte ein Zuhörer, dass für Frauen auch Planbarkeit ihrer Karriere und Familie wichtig seien. Sängerin Hanna Carlson bestätigte dies als dreifache Mutter und unterstrich wie entscheidend es für eine Musikerin sei, nach der Geburt schnell wieder auf die Bühne zu kommen und in der Szene präsent zu sein. Eine Zuhörerin hob hervor, dass der aktuell verbreitete Sexismus Frauen immer wieder ausschließe und dies auch für unsere Demokratie relevant sei. Frauen seien strukturell benachteiligt. Den Schlusspunkt setzte Sina Mareike Schulte: „Jetzt ist die richtige Zeit für die Diskussion um Frauen im Jazz, damit sich solche Strukturen ändern.“

Von Udo Hinz

Christina Stürmer hat vor rund 3000 Zuschauern auf dem Gelände von Burg Scharfenstein oberhalb von Leinefelde ein Open-air-Konzert gegeben. Dabei gab die Sängerin viel Persönliches von sich preis.

24.08.2019

Im Theater der Nacht in Northeim ist am Sonnabend die 4. Deutsche Figurentheater-Konferenz eröffnet worden. Thema des Symposiums am Wochenende mit rund 70 Teilnehmern ist das Figurentheater „Im Spannungsfeld von digitaler und analoger Animation“.

24.08.2019

Alon Sariel zählt zu den großen zeitgenössischen Virtuosen an der Mandoline. Am 31. August spielt er im Kurhaus Bad Sachsa. Im Tageblatt-Interview spricht der 33-Jährige auch über wichtige Anliegen.

24.08.2019