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Regional Weltklasse-Jazz in der Scheune
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14:29 26.08.2019
Spektakulär: die Band Siea beim Festival "Jazz ohne Gleichen". Quelle: Udo Hinz
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Rittmarshausen

„In Deutschland sind wir wohl das einzige Festival, das es geschafft hat, ausschließlich Frauen zu präsentieren – von den Musikerinnen, über die Moderatorin bis zu den Workshop-Leiterinnen“, so Matthias Heintz vom Kulturverein Rittmarshausen, der das Festivals Jazz ohne Gleichen unter dem Motto„Frauen machen Jazz“ organisierte. „Es geht in der Musik nicht um männlich oder weiblich, aber ohne Frauen fehlt im Jazz eine Farbe.“ Das Festival lockte am Sonntag viele Besucher auf das Schlossgelände in Rittmarshausen.

Erstmals ein Projektensemble

Die von Hanna Carlson moderierten Konzerte in der Kulturscheune begannen mit einer Innovation: „Wir sind froh, dass wir es geschafft haben, ein Projektensemble zusammen zu stellen, bei dem Musikerinnen erstmalig zusammenspielen und selber Kompositionen einbringen“, so Organisator Jörg Bachmann.

Es spielten fünf Musikerinnen unter der Leitung der Pianistin Clara Haberkamp und der Beteiligung der Göttinger Sängerin und Klarinettistin Sabine Mariss. Der Auftritt zeichnete sich durch Vielfalt aus: von kraftvollen und verträumten Titeln, über ein jiddisches Lied bis hin zu einer Gedichtvertonung. Anschließend kamen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der sechs Workshops auf die Bühne und jammten über einen Blues.

Schlossherr unter den Besuchern

Zwischen den Auftritten gab es Programm auf dem Schlossgelände: Essen und Trinken, Stände, eine Kinderspielwiese oder Schlossführungen. Unter die Besuchern mischte sich Schlossherr Henrik von Görtz: „Auf dem Schloss gab es immer Kultur, die wir mit dem Festival wiederbeleben.“ Auch Ortsbürgermeister Chicgoua Noubactep besuchte das Fest: „Das Festival hat für mich große Bedeutung, weil es unseren Thieplatz wiederbelebt. Ich bin dem Kulturverein dankbar, da auch viele Menschen von außerhalb in den Ort kommen.“

Ein erstes Festival-Highlight war der Auftritt des von Nicole Johänntgen initiierten Frauenprojekts S.O.F.I.A – Sisters in Jazz. Diese europäische Allstar-Band begeisterte mit lyrischem und luftig leichtem Jazz voller positiver Energie. Er war geprägt vom Sopransaxofon Johänntgens und den schwebenden Tönen des Vibrafons von Izabella Effenberg. Alle Musikerinnen brachten eigene Werke mit prägnanten Themen ein. Pianistin Olivia Trummer zeigte sich dabei als großartige Pianistin und als Sängerin. Ein umjubelter Auftritt eines der besten europäischen Jazzensembles.

Überraschende Wendungen

Die Pianistin Julia Hülsmann spielte eines ihrer seltenen Solokonzerte. Das Spiel dieses Jazz-Weltstars führte mit impressionistisch gefärbter Melodik und Harmonik und überraschenden Wendungen in eine Klangwelt des Nichteindeutigen – ihre ruhige Musik erzeugte bei der Zuhörerin bzw. dem Zuhörer Stimmungen, die bis in die Tiefe der Seele belangten. Die Pianistin präsentierte eigene Werke aber auch Stücke von Radiohead oder Randy Newman. In der intimen Atmosphäre der Scheune lauschte das Publikum konzentriert der introvertierten Musik.

Eine Reise ins Jazz-Utopia war der Abschluss des Festivals: Zehn wie aus einem anderen Universum gekleidete junge Frauen aus München mit perfekter Bühnenshow katapultieren das Publikum mit Dancefloor-Jazz ins Weltall. Ihr Tentet nennt sich Siea und ihr Jazz machte mächtig Spaß– ein Glücksgriff der Veranstalter. Der Gesang der beiden Front-Frauen traf auf harte Schlagzeug-Beats, spacige Synthies und Electronics vermengten sich mit jazzigen Bläsersätzen, eine funky E-Gitarre vereint sich mit einem groovy E-Bass. Die Texte der Sängerinnen handelten von Konsumverzicht, chinesischen Arbeitslagern und sexueller Selbstbestimmung. Das Publikum tanzte zum kreativen Future-Jazz für die junge und kluge Fridays-For-Future-Generation.

Einzigartiger Charme

Geprägt war das Festival durch die Komplimente der Künstlerinnen an die Veranstalter. Hülsmann und Johänntgen lobten immer wieder die stressfreie Atmosphäre und die herzliche Betreuung. Dieser einzigartige Charme des Jazz-Events führte auf der Bühne zu künstlerischen Höchstleistungen.

Von Udo Hinz

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