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Regional Jenseits von Weihnachtsmann und Rentierschlitten
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18:21 15.12.2011
Initiator des Konzertes: Paddy Kelly tourt wieder mit Teilen seiner Familie. Quelle: Pförtner

In der ausverkauften Stadthalle brodelte es am Mittwochabend vor freudiger Erwartung der überwiegend weiblichen Fans, die so lange auf das Wiederauftauchen der Kelly Family gewartet hatten. Umso überraschender gestaltete sich der Anfang der Show. Das Programm der Kellys begann mit Bibelversen des Johannesprologs durch eine Stimme aus dem Off „Im Anfang war das Wort…“ Während das Publikum gekommen war, um die Kelly Family in Teilen wiedervereint und wie in alten Zeiten zu feiern, war die Kelly Family gekommen, um die biblische Weihnachtsbotschaft zu verkünden. So prallten die Ansprüche an den Abend zunächst aufeinander, die Spannung lösten sich aber schnell, als Paddy, Patricia, Kathy und Paul in den einzigartig kellytypischen, wallenden Gewändern auf die Bühne traten und ihr Publikum mit ihrem Hit „One more happy christmas“ begrüßten.

Innerhalb weniger Momente stand das Publikum bis hinauf in die Ränge, tanzte, sang und feierte wie in alten Zeiten. Es war vor allem der frühere Mädchenschwarm Paddy Kelly, der nach sechs Jahren Einkehr im Kloster wieder Begeisterungsstürme hervorrief. Aber auch die anderen Geschwister überzeugen immer noch und zeichnen sich durch ihre einzigartigen, klaren und kräftigen Stimmen aus. Neben rockigen Nummern wie „White Christmas“ oder eine neue Version von „Es ist ein Ros entsprungen“, zaubern die Geschwister vor allem mit Gänsehauttiteln wie „Ave Maria“, „Mama“ oder das durch Particia Kelly so wunderschön vorgetragene „Oh Immanuel“ weihnachtliche Stimmung hervor.

Unterbrochen wurden die Lieder immer wieder durch die Inszenierung der Weihnachtsgeschichte. Ein Sprecher tauchte mal auf dem Rang, mal auf der Bühne auf und trug in Bibelversen die Weihnachtsgeschichte vor. Seine Vortragsweise war dabei sicherlich Geschmacksache: mit pathetischen Gesten und salbungsvoller Betonung wirkte sein Vortrag eher kitschig. Doch auch wenn dies nicht jedem gefiel – der Funke zum Publikum sprang über und die Fans sangen am Ende des Abends laut „Amen, Amen“. Dass diese so eine Evangelisation auch so begeistert mitgemacht hätten, wenn nicht der charismatische Paddy Kelly auf der Bühne gestanden hätte, bleibt zu bezweifeln. So aber ließen sich die verzückten Fans mitnehmen in die Geschichte um Jesu Geburt und die Botschaft, den Sinn von Weihnachten jenseits von Weihnachtsmann und Rentierschlitten zu suchen. Ein gelungener Versuch.

Von Indra Hesse