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Regional Jugendliches Feuer und strahlender Klang
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06:17 21.03.2012
Drei Chöre vereint: Göttinger Knabenchor (gelb), Chorknaben Uetersen (rote Westen) und Wiesbadener Knabenchor (taubenblaue Westen) singen Mendelssohn. Quelle: Heller
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Göttingen

So standen am Sonnabend in der voll besetzten Göttinger Johanniskirche rund 120 junge Sänger auf dem Podium – eine Zahl, die stimmliche Durchschlagskraft zwar nicht garantiert, aber doch sicher erheblich erleichtert.

Das machte sich gleich in Mendelssohns „Lauda Sion“ ausgesprochen positiv bemerkbar. Thomas von Aquins Text, ein theologischer Lobpreis der Wandlung von Brot und Wein in Fleisch und Blut Christi in kurzen, gereimten Versen auf Lateinisch, ist nicht eben die ideale Vorlage für ein kontrastreiches, dynamisches Musikstück –  doch ist Mendelssohn gelungen, daraus ein mitreißendes  Werk für Soli, Chor und Orchester zu schreiben, schwungvoll, reich an überraschenden harmonischen Wendungen, an musikalischer Spannung.

Dies setzten die drei vereinten Chöre mit jugendlichem Feuer und strahlendem Stimmklang um, was gewiss auch mit der temperamentvollen, stets nach vorn stürmenden Leitung des Dirigenten Christoph-Mathias Mueller zusammenhing, der die Aufführung gehörig befeuerte. Mindestens ebensolches Engagement bewiesen die konzentriert musizierenden Instrumentalisten des Göttinger Symphonie Orchesters.

Festlich und strahlend

Dass zum Solistenquartett zwei ehemalige Mitglieder des Knabenchores Hannover gehörten, passte hervorragend zum Anlass dieses Konzerts: der höhenfreudige Tenor Markus Brünger und der zuverlässige Bassist Michael Jäckel. Glanzlichter in den hohen Lagen setzte die aus Göttingen stammende Sopranistin Theresa Sommer, zu deren hellem Timbre der dunkle, nicht ganz so durchsetzungsfreudige Alt von Celine Walkley kontrastierte.

Mozarts Krönungsmesse KV 317 rundete als Hauptwerk diesen Abend festlich und strahlend ab, diesmal unter dem Dirigat des Knabenchor-Leiters Michael Krause. An Temperament und Engagement konnte er mit Mueller durchaus mithalten, seinen frischen Tempi vermochten die Choristen dank ihrer gründlichen Vorbereitung mühelos zu folgen. Auch hier setzte das Solistenquartett schöne Akzente, unter denen die wunderschöne „Agnus Dei“-Sopranarie besonders hervorgehoben sei, die Theresa Sommer mit besonderer Weichheit  anrührend gestaltete.
Lange und lautstark spendeten die Zuhörer Applaus, in den auch die Leiter der Gastchöre –  Roman B. Twardy (Wiesbaden) und Hans-Joachim Lustig (Uetersen) – einbezogen waren. Zum Dank gab es Mozarts „Dona nobis pacem“ ein zweites Mal als Zugabe.

Von Michael Schäfer