Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Regional Jugendstück „Angstmän“ feiert im Jungen Theater Premiere
Nachrichten Kultur Regional Jugendstück „Angstmän“ feiert im Jungen Theater Premiere
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:29 27.10.2019
Der Angstmän (Pascal Hettler) auf dem Tisch in „Jennifermäns“ (Natalie Nowak) Wohnung. Quelle: DOROTHEA HEISE
Anzeige
Göttingen

Superhelden? Pah. Mit denen kann es ein mutiges Mädchen aufnehmen. Jedenfalls dann, wenn es sich um Angstmän und Pöbelmän handelt. Die haben sich nämlich ausgerechnet die Wohnung der neunjährigen Jennifer Mann für einen Besuch ausgesucht. Wie „Jennifermän” mit den beiden vermeintlichen Helden klarkommt, davon erzählt das Stück „Angstmän”, das am Sonntagnachmittag im Jungen Theater an der Bürgerstraße Premiere feierte. Das Publikum, Kinder und Erwachsene, applaudierten begeistert.

Angtsmän im Schrank. Quelle: r

Ein Wohnzimmer, zwei Türen, ein Fenster, Schrank und Kommode. Alles wirkt ein bisschen heruntergekommen. In Sportklamotten sitzt Schauspielerin Natalie Nowak auf dem roten Sofa. Jennifer hört die Nachricht ihrer Mutter ab. Die muss über Nacht arbeiten. Jennifer - allein Zu Haus. Zuerst machst sich das Mädchen noch daran, ihre Liste abzuarbeiten. Darauf stehen Dinge, die sie schon immer machen wollte, aber nie darf. Mit dreckigen Schuhen aufs Sofa, Pizza bestellen, alle elektrischen Geräte gleichzeitig anstellen, bis die Sicherung rausfliegt. Und einen Kettensägen-Horrorfilm laufen lassen.

Ein großartiger komischer Angstmän

„Du brauchst keine Angst zu haben”, sagt sie zu sich selbst. Hat sie aber. Allerdings gibt es da einen, der noch viel mehr Angst hat. Und der platzt plötzlich mit lautem Getöse und viel Geschrei aus dem Schrank heraus in Jennifers Wohnzimmer. Mit dicker Brille, kurzen Beinen, Fahrradhelm und blauem Cape. Angstmän, gespielt von Pascal Hettler. Schlotternd und bibbernd stammelt er „Bitte nicht hauen”. Irgendetwas mit seinem „Teleporter“ hat nicht richtig funktioniert und statt auf einem hübschen Planeten in der östlichen Galaxis ist er nun in Göttingen gelandet. Angstmän hat wirklich vor allem Angst, die größte Schissbuxe des Universums fürchtet sich sogar vor einer erloschenen Kerze. Sein komischer Kampf mit dem Wassereimer bringt die Kinder im Publikum zum Lachen. Hettler, der in dieser Rolle wie ein Bruder von Karlsson vom Dach und Dicki Hoppenstedt aussieht, ist ein großartiger Angstmän. Nicht nur das des Publikums, auch Jennifers Herz erweicht er, die beiden freunden sich an.

Pöbelmän. Quelle: r

Wenn da nicht diese Angst vor Pöbelmän, dem alten Fiesling, wäre. Der ist hinter Angstmän her und will ihn ärgern, schubsen, seinen Kopf ins Klo stecken, ihn sogar foltern. „Wir waren zusammen in der Superhelden-Schule“, erzählt Angstmän. „Erste Stunde Zug anhalten, dann eine Doppelstunde fliegen“. Was Män halt so macht, wenn man keine Angst hat. Angstmän blieb dreimal sitzen, wurde gehänselt, Mobbing heißt das heute. Erzählt hat er es niemandem, schon gar nicht seiner Superheldenfamilie.

Pöbelmän – die „fette Mettwurst“

Es klingelt. Die Pizza kommt. Und nach ihr Pöbelmän. Der große Mann (Philip Heines) im schwarz-gelben Superhelden-Dress. Und was ist der fies. Erst ist er hinter Angstmän her, dann fesselt er Jennifer und will sie foltern – und ihr „beide Beine brechen“. „Ich bin fies, ich bin gemein, ich bin Pöbelmän“, singt Heines und rockt die Bühne. Dann packt er seine Folterwerkzeuge aus, seine Popelsammlung - für die „Ekelfolter“. Doch das Mädchen „Jennifermän“ zeigt Mut und pöbelt zurück. Mit „Du fette Mettwurst“ trifft sie ins Schwarze – oder ins Schwarz-gelbe. Mitten ins Herz von Pöbelmän, der nämlich schon als dickes Kind verspottet wurde. Der böse Mann ist eigentlich nur traurig. Die beiden Superhelden machen sich schließlich zusammen auf den Weg zu einem Planeten, auf dem alles rund und schön ist. Und Jennifer, der glaubt doch niemand diese Geschichte, oder?

Jede Minute gute Unterhaltung

Eine wunderbare Geschichte um Freundschaft, Mut und Mobbing von Hartmut El Kurdi, die die drei Schauspieler mit viel Herz, Temperament und Einsatz auf die Bühne bringen. Die Inszenierung von Agnes Giese lebt von der Geschichte, kein großer Firlefanz lenkt von dem energischen Spiel der drei Künstler ab. Es gibt Spannung – wer die Geschichte nicht kennt, fragt sich ziemlich lange, wie Jennifer und Angstmän wohl dem Pöbelmän entkommen. Es gibt etwas zu lachen. Es gibt etwa eineinviertel Stunden lang jede Minute einfach gute Unterhaltung für jedes Alter.

Das Stück ist für Kinder ab acht Jahren geeignet. Es ist am 24. November, 15 Uhr, und am 14. Dezember wieder im Jungen Theater an der Bürgerstraße zu sehen.

Von Britta Bielefeld

Was verbindet eine der größten Soziologen und einen der erfolgreichsten Verleger Deutschlands? Natürlich das Buch und ein respektvoller Umgang bei der Arbeit. Zum Göttinger Literaturherbst haben Oskar Negt und Gerhard Steidl über ihre Arbeit geplaudert.

27.10.2019

Die Weststadt in Göttingen ist kein einfacher Stadtteil – in anderen Städten häufig ein Grund für Kreative, sich dort einzunisten. Jetzt soll das auch in Göttingen funktionieren. HW2 heißt das Projekt.

27.10.2019

Fast hätte es gereicht, um die neuen „local heroes Niedersachsen“ zu werden: Beim Landesfinale des Bandwettbewerbs „local heroes“ landeten die Jungs der aus dem Landkreis Göttingen stammenden Band „Sleeves“ auf dem zweiten Platz.

27.10.2019