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Regional Junges Theater Göttingen: Schauspieler Andreas Krüger im Porträt
Nachrichten Kultur Regional Junges Theater Göttingen: Schauspieler Andreas Krüger im Porträt
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00:20 16.05.2019
Von Mannheim nach Göttingen: Schauspieler Andreas Krüger hat seine erste Spielzeit als festes Ensemblemitglied am Jungen Theater fast hinter sich. Quelle: Brakemeier
Göttingen

„Eine große Portion Idealismus“ hat Andreas Krüger nach Göttingen gebracht. Es habe ihn gereizt, „mit wenigen Leuten gutes Theater zu machen“. Die erste komplette Spielzeit des 36-Jährigen als festes Ensemblemitglied am Jungen Theater neigt sich nun dem Ende zu.

Andreas Krüger erzählt viel und schnell, wenn man ihn lässt. Als „rastlos“ beschreibt er sich selbst. Es fällt schwer, ihm hier zu widersprechen. Kaffee und Zigaretten tragen Krüger durch das Gespräch in seinem Stammcafé unweit des JT. „Ich bin Rock ’n’ Roll. Das JT ist schon sehr rock’n’rollig.“ T-Shirt, Jeans, Turnschuh, Haartolle, Drei-Tage-Bart unterstreichen Krügers Selbstbeschreibung.

Känguru am Schlagzeug

„Musik war schon immer mein zweites Standbein“, sagt Krüger. Als „Kind des Grunges“ hat er in einer Stoner-Rock-Band gespielt, hat seinen Lebensunterhalt als DJ verdient. Demnächst erscheint eine neue CD seines aktuellen Musik-Projektes „Kraus & Krüger.

Kraus & Krüger

Musik zieht sich dann auch wie ein roter Faden durch seine erste Spielzeit am JT: In der Musikshow „Personal Jesus“ singt er „Highway To Hell“ von AC/DC und Billy Idols „Rebel Yell“. Im Januar übernahm Krüger die Rolle des Kängurus in dem Stück „Die Känguru Chroniken“ und lernte dafür extra das Schlagzeug spielen. Für die Rolle des Pop-Literaten Benjamin von Stuckrad-Barre kam er nach Göttingen. Über seine Liebe zur Musik habe er einen guten Zugang zu Panikherz gefunden, sagt Krüger. Stuckrad-Barre habe eine gute Sicht auf Musik und eine gute Schreibe. „Seine Egozentrik ist aber schwierig“, urteilt Krüger.

Angefangen hat Krügers Karriere in Süddeutschland: Nach dem Abitur in seiner Heimatstadt Speyer hatte Krüger mit der Schauspielerei eigentlich noch „gar nichts am Hut“, mit dem angefangenen Studium der Germanistik, Anglistik und Philosophie allerdings auch nicht. Nach drei Semestern bricht er es ab, will lieber Regie studieren. Weil sich das aber auch als nicht so leicht herausstellt, fasst Krüger den Entschluss, an Schauspielschulen vorzusprechen.

Andreas Krüger (rechts) in der JT-Inszenierung „Panikherz“. Quelle: Dorothea Heise

Es folgt eine zweieinhalbjährige Odyssee, bis die Zusage der Theaterakademie Mannheim kommt. Von 2007 bis 2010 lernt Krüger dort das Bühnenhandwerk bis zur staatlich anerkannten Bühnenreife. „Eine Super-Entscheidung“, urteilt Krüger heute. Von seinen Eltern – Vater Hausmeister, Mutter Floristin – habe er stets Unterstützung bekommen, auch wenn sie selbst mit Theater wenig anfangen könnten. „Aber sie sind schon stolz auf ihren Sohn“, sagt Krüger und lacht.

Auf der Suche nach einem kleinen Ensemble

Es folgen Engagements unter anderem am Nationaltheater Mannheim und am Staatstheater Darmstadt. Krüger wird festes Ensemblemitglied unter anderem an der Badischen Landesbühne Bruchsal, am Theater Baden-Baden und den Schlossfestspiele Ettlingen. Der Kontakt zum JT in Göttingen kam über einen Schauspielkollegen. Als Gastschauspieler in der Inszenierung „Panikherz“ stand Krüger bereits in der Spielzeit 2017/2018 zum ersten Mal auf der Bühne im Otfried-Müller-Haus.

JT als „rock’n’rolliger Gegenentwurf“ zum DT

„Ich habe nach einem kleinen Ensemble gesucht“, sagt Krüger. „Und ein Haus, in dem man auf Augenhöhe mit den Chefs arbeitet.“ Das JT bietet ihm beides, ebenso die Chance, Hauptrollen zu spielen. „Im Ensemble sind wir gute Freunde geworden“, sagt er. Krüger bewundert die Bemühungen des JT, „professionell zu arbeiten“, in einer finanziellen Situation, in der es dem Theater „an allen Ecken und Enden“ fehle. Als „rock’n’rolliger Gegenentwurf“ zum Deutschen Theater habe das JT, mit seinen vielen jungen Zuschauern, auf jeden Fall seinen Stellenwert in Göttingen. Für das JT sei die finanzielle Unterstützung durch die Stadt „immens wichtig“.

Göttingen ist „zu ungefährlich“

Den bevorstehende Umzug des JT in die ehemalige Voigtschule an der Bürgerstraße hält Krüger für eine „Riesenherausforderung“. Er sei aber Chance, die neue Spielstätte zu erkunden und für das Theater zu entdecken.

Die Stadt Göttingen hat Krüger als „sehr links“ und „studentisch“ kennengelernt. Der „politische Diskurs“ habe hier einen hohen Stellenwert. „Alles ganz cool eigentlich. Bis auf die O-Phasen und die Burschis“, sagt er. Vielleicht ein wenig zu arrogant, vielleicht ein wenig zu verkopft, meint Krüger. Im Vergleich zu seiner bisherigen Wahlheimat, die „Malocherstadt“ Mannheim, hält er Göttingen „für zu ungefährlich“, es fehlten hier die Ecken und Kanten.

Wie lange er in Göttingen bleiben will? „Sicherlich nicht bis ich 45 bin. Aber im Moment fühle ich mich hier wohl. Ich habe Bock auf das JT.“

Zum letzten Mal „Panikherz“

Panikherz nach dem Bestsellerroman von Benjamin von Stuckrad-Barre zeigt das Junge Theater am Donnerstag, 16. Mai, um 20 Uhr zum letzten Mal. In der vergangenen Spielzeit sei das Junge Theater Göttingen außer dem Thalia Theater in Hamburg das zweite Theater gewesen, das den Bestseller auf die Bühne gebracht habe, heißt es in einer Mitteilung des JT. Die Inszenierung von Nico Dietrich habe seitdem insgesamt neun Vorstellungen mit rund 900 Zuschauern gehabt. Eintrittskarten für die letzte Vorstellung können an der Theaterkasse des Jungen Theaters, telefonisch unter 0551/495015 oder per Mail an kasse@junges-theater.de erworben werden.

Von Michael Brakemeier

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