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Regional Junges Theater startet nach Umzug mit Lustspiel durch
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17:01 10.09.2019
Die 1745 von Goldoni verfasste Komödie "Der Diener zweier Herren" ist das erste Stück, das das JT-Ensemble an seiner mehrjährigen Interimsspielstätte aufführt. Quelle: Kuno Mahnkopf
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Göttingen

Eine doppelte Premiere steht dem Jungen Theater (JT) ins Haus. Mit Goldonis „Der Diener zweier Herren“ und Jens Tramsen als neuem Ensemblemitglied startet das JT am 20. September in die Spielzeit 2019/2020 – die erste Spielzeit nach dem Umzug in die ehemalige Voigt-Schule an der Bürgerstraße. Die dient während der Umbauzeit des Otfried-Müller-Hauses noch mindestens drei Jahre als Interimsspielstätte.

Die Bühne im zweiten Obergeschoss steht bereits, die Zuschauertribüne noch nicht. Vertrautheit schafft das alte Kassenhäuschen, das ein Sohn von Günter Grass getischlert hat und das mit umgezogen ist. Überall wird gepinselt und gehämmert. Intendant Nico Dietrich und Dramaturg Christian Vilmar sind aber zuversichtlich, dass bis zur Premiere alles in trockenen Tüchern ist. Bis dahin geht der Jonglageakt weiter: Dietrich spricht von einem „hinreißend komplizierten Prozess“, in dem sich Bauarbeiter, Techniker und Ensemble die Bühne teilen.

Spielstätte mit Zukunftspotenzial

Improvisationstalent passe auch zum ersten Stück an der neuen Spielstätte mit Zukunftspotenzial. Mit der ist nicht nur Dietrich hochzufrieden. Regisseurin Christine Hofer, die nach Proben noch im alten Haus am Wochenmarkt „mit weichen Knien“ die ehemalige Schule wieder betreten hat, ist positiv überrascht, was dort in kurzer Zeit geleistet wurde. Das spielwütige Ensemble und die ungewöhnliche Zuschauerbindung ans JT werde helfen, die Zwischenlösung zu überbrücken. Barrierefrei zu erreichen ist der Theatersaal über einen Fahrstuhl.

Junges Theater an neuer Spielstätte

„Der Diener zweier Herren“ ist nicht die erste Gast-Inszenierung Hofers am JT. Auch die freiberufliche Regisseurin ist damit Dienerin zweier Herren: Seit vergangenem Jahr leitet sie das Junge Schauspiel am Landestheater Eisenach. Das verfügt über 503 Plätze, das JT in der Voigt-Schule über 178 Plätze. Im Otfried-Müller-Haus waren es 234. „Da wir 40 Prozent der Einnahmen selbst generieren, verlieren wir dadurch auch Geld“, sagt Dietrich.

Geldknappheit treibt auch die Figuren im an Verwechslungen, Liebeshändeln, Intrigen und Querelen reichen „Diener zweier Herren“ um. In der 1745 von Carlo Goldoni verfassten „wohl berühmtesten Commedia dell’arte der Theatergeschichte“ muss sich der Hunger leidende Diener Truffaldino doppelt verdingen, um überleben zu können. Damit das nicht auffliegt, muss der von Tramsen verkörperte Titelheld tricksen und täuschen.

Stück mit Bezug zur Gegenwart

„In einem venezianischen Gasthaus wohnen, ohne voneinander zu wissen, Florindo und Beatrice, die Florindo liebt und die ihm, als Mann verkleidet und unter dem Namen des toten Bruders Fredirico, aus Turin nachgereist ist“, fasst Dietrich in aller Kürze den Inhalt zusammen: „Truffaldino, der schlechtbezahlteste Diener Beatrices, tritt auch in den Dienst Florindos.“ Das ist nur ein Teil der komplexen Handlungsstränge. Die würden aber verständlich sortiert, im Mittelpunkt stehe die Geschichte des Dieners, sagt Hofer und macht sich keine Sorgen, dass das Publikum nicht mitkommt: „Die Verwirrung wird sich schnell klären, und es gibt auch keine Rollenwechsel.“

Statt des Maskenspiels der Commedia dell’arte würden die Figuren mit körperbetontem Spiel überzeichnet, sagt Dietrich – „eine schöne Herausforderung für das Ensemble“. Das Lustspiel mit ernsten Hintergrund sei so gestrickt, dass es an jedem beliebigen Ort und auch auf der Straße aufgeführt werden könne, ergänzt Hofer und hebt zugleich die Aktualität des Stückes mit Bezügen zur Gegenwart hervor. Es gehe um einen mittellosen Menschen in einer prekären Situation, der sich mit zwei Jobs über Wasser halten müsse, dabei Grauzonen betrete und Rechtfertigungen suche: „Das Theater ist Modell für die Gesellschaft, nicht nur viele Künstler leben prekär.“

Premieren von Fridays for Future bis Babylon Berlin

„Von Musikshows bis zu modernen Stücken sind wir für den neuen Spielplan breit aufgestellt“, sagt Intendant Nico Dietrich: „Und Klassiker können wir auch.“ Der Umzug ins neue JT-Domizil wird von einem Spektakel begleitet, das am 28. September am Wochenmarkt startet. Am 29. September steht dann die nächste Premiere an: das in einer Reha-Klinik spielende Stück „Mongos“.

Über das alte Repertoire und Sonderveranstaltungen hinaus folgt bis zum Frühjahr noch eine Reihe von Premieren: Heines „Deutschland. Ein Wintermärchen“ am 11. Oktober, das Kinderstück „Angstmän“ am 27. Oktober, die Uraufführung von „Greta! Fridays for Future“ am 8. November – „ein Theaterstück zur aktuellen Klimabewegung“. „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ heißt es in der Komödien-Premiere am 29. November, im Dezember wird der Geist von Otfrieds Villa beschworen. Um Geschlechterrollen-Klischees dreht sich die Musikshow „Wild Thing“ am 18. Januar, „Vater“ am 29. Februar um eine Alzheimer-Erkrankung, der „Nasse Fisch“ greift am 17. April die Romanvorlage von „Babylon Berlin“ auf, mit dem Familienstück „Das Dschungelbuch“ wird im Mai die neue Freilichtbühne eröffnet.

Neues Gesicht verstärkt Ensemble

Jens Tramsen ist neues Ensemblemitglied des Jungen Theaters. Quelle: Jochen Quast

Von einem Ensemble-Neuzugang verkörpert wird der Titelheld der ersten Premiere am neuen JT-Standort: Jens Tramsen spielt den Diener Truffaldino in Christine Hofer Inszenierung von „Der Diener zweier Herren“. Aufgewachsen ist der 39-Jährige in Schleswig-Holstein in Kappeln an der Schlei, das auch Schauplatz von Rocko Schamonis autobiografisch gefärbten Roman „Dorfpunks“ ist. Erste Erfahrungen als Schauspieler sammelte Tramsen, der ein Faible für die plattdeutsche Sprache hat, an der Theater-AG des örtlichen Gymnasiums. Wie Regisseurin Christine Hofer auch studierte Tramsen an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin. Nach Rollen an der Neuen Bühne Senftenberg und am Staatstheater Stuttgart bekam Tramsen 2006 ein Engagement am Nordharzer Städtebundtheater Halberstadt/Quedlingburg, wechselte 20111 ans Mecklenburgische Staatstheater nach Schwerin. Dort wirkte er bis zur Aufnahme am JT im Ensemble des niederdeutschen Schauspiels, der „Fritz-Reuter-Bühne“, mit.

Die gebürtige Berlinerin Christine Hofer hat schon in der Vergangenheit Stücke für das JT inszeniert: „Dreimal leben“, „Bezahlt wird nicht“ und „Der kleine Prinz“. Noch während ihres Studiums hat Hofer für ihre Inszenierung von „Iphigenie in Aulis“ den Kulturpreis der Stadt Bensheim erhalten, wurde zum Regionalwettbewerb der Körber-Stiftung in Hamburg und den Ruhr-Festspielen Recklingshausen eingeladen. Seit 2006 arbeitet Hofer freiberuflich als Regisseurin, inszenierte in Berlin am Maxim-Gorki-Theater und am Deutschen Theater sowie Theatern in Magdeburg, Chemnitz, Neuss, Krefeld, Heilbronn und Rostock. Seit der Spielzeit 2018/2019 ist sie Leiterin des Jungen Schauspiels am Landestheater Eisenach.

Junge Leute können an Klima-Theaterstück mitwirken

Im Theaterstück „fridays.future“, das das Junge Theater zur aktuellen Klimadebatte entwickelt, sollen auch Kinder und Jugendliche zu Wort kommen. Die Inszenierung soll am 8. November auf der neuen Bühne der Interimsspielstätte, Bürgerstraße 15, uraufgeführt werden.

„Die Autoren Nico Dietrich und Christian Vilmar möchten Fragen, Meinungen, Anliegen und kritische Punkte der jungen Generation auf die Bühne bringen“, sagt JT-Mitarbeiter Nils Schmidt: „Antworten und freie Texte sollen in das Stück einfließen.“ Gefragt seien alle Texte, die sich auf das Thema beziehen. Zur Orientierung und zum Start in die kreative Textarbeit seien nähere Informationen und ein Fragebogen erhältlich.

Rückfragen und Einsendungen mit Namen, Altersangabe, Anschrift, Rufnummer und E-Mail-Adresse sind an jugend@junges-theater.de oder per Post direkt an das Junge Theater, Stichwort Future, zu richten. Einsendeschluss ist Montag, 30. September. ku

Von Kuno Mahnkopf

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