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20:04 10.07.2019
Umzug des Jungen Theaters vom Otfried-Müller-Haus in die ehemalige Voigtschule. Foto: Am alten Standort. Quelle: Niklas Richter
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Göttingen

25 Köpfe stark ist die Kerntruppe mit Helfern, die das bewegliche Gut aus dem Theatersaal in einen Lkw und ein Sprinter schaffen. Zehn Unterstützer aus dem Jugendklub sind noch dazu gekommen, sagt Geschäftsführer Tobias Sosinka, „sie wollten unbedingt“. Viele Journalisten sind zu einer letzten Pressekonferenz in den Theatersaal gekommen. Ein Kamera-Team des NDR läuft durch die schon fast leeren Räume und filmt einen Beitrag für „Hallo Niedersachsen“.

Sie filmen auch Scheinwerfer und Ventilatoren, die fein säuberlich an einer Seite des Saales aufgereiht sind. Sie sollen es nach der Sommerpause in das Gebäude an der Bürgerstraße geschafft werden. Zu schwer ist das Gerät, um es jetzt in die zweite Etage zu wuchten.

Neustart nach 43 Jahren

Drei Jahre lang wird das Otfried-Müller-Haus am Wochenmarktplatz saniert. So lautet der Plan. Am 21. Januar 1976 hatte das Theater seine Spielstätte mit der Revue „Bravo Girl“ eröffnet. In den folgenden 43 Jahren wurden mehr als 400 Produktionen dort auf die Bühne gebracht, die es auf mehr als 8500 Vorstellungen brachten. Mehr als eine Million Zuschauer besuchten die Inszenierungen.

Am 20. September will das Leitungsteam um den Intendanten Niko Dietrich und den Geschäftsführer Tobias Sosinka um 20 Uhr die Spielzeit 2019/2020 mit der Komödie „Diener zweier Herren“, Regie: Christine Hofer, eröffnen – in der neuen Spielstätte, der ehemaligen Voigtschule, Bürgerstraße 15.

Am Freitag, Freitag, 12. Juli, verabschiedeten sich die letzten noch verbliebenen Theatermitarbeiter in den Urlaub. Tickets für Vorstellungen nach der Sommerpause gibt es in den Tageblatt-Geschäftsstelle, Weender Straße 44 in Göttingen und Marktstraße 9 in Duderstadt – und ab 26. August in der neuen Spielstätte an dem alten Kassenhäuschen. pek

Historische Koffer stehen zum Abtransport bereit, daneben Holzkisten mit Requisiten, beschriftet mit dem Namen der jeweiligen Produktion. Ein Bürostuhl zum Seitenausgang getragen, ein Rollstuhl ebenfalls dorthin bewegt. Im Durchgang steht schon eine Reihe Flugzeugsitze.

Brautkleider zu verschenken

An einem Ständer hängen Brautkleider. Im Flur vor dem Haupteingang steht ein zweiter mit Hochzeitsgarderobe. Einige junge Frauen probieren sie an. Bei einem Besitzerwechsel eines Brautmodenladens am Wochenmarkt habe die alte Besitzerin überzählige Kleidung an das Theater abgegeben, erklärt Sosinka. Von 80 Stück ist die Rede. „Da kriegt man fast Lust, ein Stück nur mit Brautkleidern auf der Bühne zu inszenieren“, sagt er. Die Chance dazu? Gleich Null. Den Umzug hätten sie genutzt, um viele der Kleider zu verschenken.

Das JT zwischen dem alten und dem neuen Haus.

Die Brautkleider, die im Theaterfundus verbleiben, werden als letzte in den 7,5-Tonner verladen. Schauspieler Jan Reinartz schließt die Klappe, Beifall brandet auf. Wir sind im Theater. „Chiller, sag du“, ruft Schauspielerin Agnes Giese, auch sie hilft mit. Daniel „Chiller“ Kronhardt ist Leiter der Bühnentechnik und koordiniert den Umzug. 500 Umzugskartons habe er bestellt, sagt „Chiller“, dessen Name nach Dichterfürst klingt, wenn man ihn ruft. 20 oder 25 Boxen seien noch leer, eine Punktlandung.

Grammophon auf dem Fahrrad

Auch Chiller hat sich ein Fahrzeug organisiert. Eines der beiden Lastenräder, die kostenlos geliehen werden können, hat der Technik-Chef für die vergangenen Tage übernommen, „um zügig hin- und herzukommen“, sagt er. In die Transportkiste über dem Vorderrad legt er einen Karton, einen besonderen. „Grammophon“, steht darauf zu lesen, und „Vorsicht“.

Wenig später setzt sich der Tross in Bewegung. Auf dem Hof des neuen Theater- und KAZ-Gebäudes stehen zahlreiche Handwerker-Fahrzeuge. Hier wird noch heftig gearbeitet. Im Erdgeschoss hat sich das KAZ schon gut eingerichtet. Lediglich der Band-Probenraum, der Trommelraum und der Raum mit dem Brennofen für die Töpfer im Kellergeschoss sind noch nicht fertig geworden. Das JT hat im Erdgeschoss seinen Fundus eingerichtet.

Mitgenommen und aufgebaut

In der zweiten Etage laufen die Besucher vom Treppenhaus direkt auf die Kasse zu. Sie wirkt bekannt. „Wir haben sie mitgenommen und hier wieder aufgebaut“, erklärt Sosinka und sagt auch, warum. Ein Sohn von Literaturnobelpreisträger Günter Grass habe früher als Tischler am JT gearbeitet. Das Kassenhäuschen habe er als Teil eines Bühnenbildes gebaut. Später sei es dann im Foyer für den Kartenverkauf installiert worden.

Im Theatersaal liegt dann viel Staub in der Luft. Ein Handwerker schleift den Fußboden ab. Sosinka strahlt. Viel Licht fällt durch die Fenster herein, die für die Vorstellungen abgedunkelt werden können. Zwei große Probebühnen können sie nutzen. Und wer bekommt das große Eckzimmer mit den vielen Fenstern? „Raten Sie mal“, sagt Sosinka und lacht.

Von Peter Krüger-Lenz

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