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Regional Treskow inszeniert Kafkas „Amerika“
Nachrichten Kultur Regional Treskow inszeniert Kafkas „Amerika“
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16:00 28.08.2018
Produktionsteam mit Intendant: Regisseur Christian von Treskow, Dramaturg Christian Villmar und Theaterchef Niko Dietrich (von rechts). Quelle: Christina Hinzmann
Göttingen

Eigenwillig bewegen sich die Schauspieler auf der Bühne in der kurzen Probenszene, die sie präsentieren. Ein wenig Tanz schwingt mit, manche Bewegungen erinnern an Theaterformen vergangener Jahrhunderte wie Commedia dell’arte. Kein Wunder, denn Regisseur Treskow arbeitet mit dem Ensemble sehr körperbetont, zum anderen mit einer Schauspielmethodik, die vom Körper ausgeht. Biomechanik heißt sie und wurde in den 1920er-Jahren von dem russischen Regisseur Wsewolod Meyerhold entwickelt.

Kafka ist für mich persönlich sehr wichtig“, sagt Treskow. Er schätze dessen visionäre Kraft und die immer noch große Aktualität seiner Texte. Sein Zugang zu Kafka-Texten sei eine Auseinandersetzung mit Körperlichkeit, erklärt Treskow. Ihn interessiere, „was die gesellschaftlichen Zusammenhänge mit Körpern machen“. Kafkas Sprache, den speziellen „Kafka-Sound“ sieht er als Mischung aus ganz modernem Deutsch, einer Kanzleisprache, und einer Kunstsprache. Und: „Man kann die Texte nicht einfach sagen, man muss eine Haltung dazu entwickeln“, meint Treskow. Vordergründige Politisierung liegen ihm allerdings nicht, sagt der Regisseur. Bei Kafka stecke das Politische jedoch in den Genen.

Den Zuschauern verpflichtet

Eine eigene Theaterfassung hat der Regisseur, der auch für das Bühnenbild und die Ausstattung verantwortlich zeichnet, gemeinsam mit dem neuen JT-Dramaturgen Christian Vilmar entwickelt. Eigentlich hätten sie einer der vielen bereits verfügbaren Fassungen nehmen wollen, aber schnell festgestellt, dass keine für ihre Zwecke passe. Treskow: „Man muss den Text für jede Inszenierung neu zusammenstellen.“ Er wolle seine eigene Geschichte erzählen, sei aber auch dem Autor und den Zuschauern verpflichtet. Den Sound für die Produktion hat der Göttinger Theatermusiker Fred Kerkmann komponiert.

In „Amerika“ habe Kafka viel Autobiographisches einfließen lassen, sagt Treskow, wenn er auch von Amerika geschrieben habe, ohne das Land besucht zu haben. Er erzählt darin von dem Jugendlichen Karl Rossmann, den die Eltern nach Amerika schicken, weil er sich mit einem Dienstmädchen eingelassen hat uns sie jetzt ein Kind erwartet. Noch auf dem Schiff trifft er einen reichen Onkel, der ihn zu sich nimmt und von dessen Geld er fortan lebt. Ersten Ärger bekommt Karl, weil der ohne Absprache die Einladung eines Geschäftsfreundes seines Gönners annimmt für einen Besuch in dessen Landhaus. Der Onkel schmeißt ihn raus. Auf der Straße lernt Karl zwei Landstreicher kennen, die ihm weiteren Ärger eintragen. Wegen des einen, einem Iren, verliert er seine Anstellung als Liftboy in einem großen Hotel. Dann stellen ihn beide in ihrer Wohnung als Diener an, sie nutzen ihn aus.

Weiter als Gäste dabei

Ein neues Ensemble-Mitglied steigt mit dieser Produktion in das Junge Theater ein. Andreas Krüger ist künftig dabei. Mit ihm kommt auch Jacqueline Sophie Mendel fest an das Haus am Wochenmarktplatz. Als Gast spielt Julian Dietz in der Inszenierung zum Saisonstart. Franziska Lather hat das Ensemble verlassen, Peter Christoph Grünberg wird ihr zum Jahresende folgen, erklärt JT-Intendant Niko Dietrich. Beide blieben dem Haus allerdings als Gäste erhalten.

Kafka übrigens hat nicht weit von Göttingen einmal einige Wochen verbracht. Er weilte zur Kur im Jungborn zwischen Ilsenburg und Stapelburg, erzählen Vilmar und Treskow. Das Motto des Gesundheitsaufenthaltes: zurück zur Natur. Der Regisseur schließlich erzählt von seinen eigenen, deutlich engeren Bindungen nach Göttingen. Sein Vater sei hier zur Schule gegangen. Während des anschließenden Studiums an der Georgia Augusta habe er schließlich seine künftige Ehefrau kennengelernt, die Mutter Treskows. Ein Grund, das Engagement am JT anzunehmen. Aber Treskow nennt noch einen weiteren: „Das Haus hat sich in den vergangenen Jahren einen hervorragenden Ruf erworben.“

Von Peter Krüger-Lenz

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