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Regional Ein Jahr in Göttingen: Schauspielerin Jacqueline Sophie Mendel
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00:21 12.04.2019
Die Schauspielerin Jacqueline Sophie Mendel spielt auf der Bühne des Göttinger Jungen Theaters in „Aloha Therese!“ einen Südseefahrer. Quelle: Niklas Richter
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Göttingen

Erst „Kleiner Mann – was nun?“ und jetzt spielt sie einen Mann: In „Aloha Therese!“ im Jungen Theater (JT) mimt die Schauspielerin Jacqueline Sophie Mendel ab Freitag, 12. April, einen Südseefahrer. Seit einem Jahr ist sie Teil des JT-Ensembles.

Die Schauspielerin Jacqueline Sophie Mendel aus dem Jungen Theater findet Göttingen entzückend und in Bewegung. Quelle: Niklas Richter

„Ich merke, dass ich mich in Göttingen zu Hause fühle“, sagt die 27-Jährige, die gebürtig aus Aachen kommt. Göttingen sei entzückend und überschaubar, aber dennoch verwinkelt und in Bewegung. „Am Frauentag im März war ganz Göttingen in Aufruhr“, meint sie. Die Menschen hätten eine Meinung und wollten sie auch zeigen. „Das fand ich ganz beeindruckend.“

„Ich möchte spielen, spielen, spielen“

Die Bewerbung beim JT wurde ihr nach ihrem Abschluss an der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ in Potsdam empfohlen. „Es gibt hier junge Kräfte mit immer neuen Ideen“, sagt sie. „Das wollte ich erleben. Im Vorstellungsgespräch habe ich gesagt: Ich möchte spielen, spielen, spielen!“ Ihre erste große Rolle bekam sie dann in „Kleiner Mann – was nun?“. „Das war ein großartiges Geschenk, weil wir nicht auf der Bühne, sondern auf Podesten im Zuschauerraum gespielt haben.“

Bei „Personal Jesus“ hat die 27-Jährige in einer Musikshow mitgewirkt, obwohl Gesang nie Fokus ihres Studiums gewesen sei. „Das mag ich auch am JT“, sagt sie, „dass es so vielseitig ist. Bei ‚Aloha Therese!‘ spiele ich einen Mann!“

Die Frau hinter dem Mann

Das Stück von Peter Schanz, der es im JT auch inszeniert, erzählt die Geschichte des berühmten Südseereisenden Georg Forster aus Sicht seiner Frau, der Göttinger Universitätsmamsell Therese Heyne. Ihre Ehe passe in die aktuelle Debatte über Frauen, die im Schatten ihrer Männer stehen. „Es geht um die Frau hinter dem Mann“, beschreibt Mendel. „Ich finde es super genial, dass das JT das so frisch aufnimmt.“

Jacqueline Sophie Mendel ist seit einem Jahr Teil des Ensembles des Jungen Theaters. Quelle: Niklas Richter

Denn für Mendel soll das Theater einen Raum bieten für Gedankenspiele. „Es darf gedacht werden ohne Wertung“, meint sie. „Es muss nicht immer richtig sein.“ Politisches Theater gefalle ihr, wenn es die Konsequenzen von Politik aufzeigt.

Familiäre Atmosphäre im Jungen Theater

In „Aloha Therese!“ steht sie mit zwei anderen Schauspielerinnen des sechsköpfigen Ensembles auf der Bühne. „Das macht das JT aus“, sagt sie. „Wir sind sehr aufeinander angewiesen. Das macht es intensiv.“ In dem kleineren Team spüre man eher die Auswirkungen von gemeinsamen positiven Erlebnissen – oder auch, wenn etwas schief läuft. „Es ist sehr familiär.“

Jacqueline Sophie Mendel hat in Potsdam studiert. Quelle: Niklas Richter

Auf der Bühne möchte sie nie die Verbindung zum Publikum zu verlieren und Achtung vor den Gefühlen zu haben, die eine Inszenierung auslösen kann. „Es ist wichtig, vor dem, was das Publikum denkt, Respekt zu haben“, sagt sie. „Das hat mir damals ein Regisseur gesagt: Scham ist wichtig für den Schauspieler.“

Eine „versteckte Rampensau“

Dabei bezeichnet sich die selbstbewusste Mendel selbst als „versteckte Rampensau“. Anders ginge das Schauspielern gar nicht. „Wenn du nichts zu sagen hast, solltest du nicht auf einer Bühne stehen“, sagt sie. Wenn sie sich beschreiben soll, wählt sie allerdings zwei andere Bilder: einen Welpen und einen Löwen.

„Ich bin wie ein Welpe mit viel zu langen Ohren, der immer ganz viel will, der durch die Welt und über seine Ohren stolpert“, sagt sie. Der Löwe dagegen ist ihr Sternzeichen und stehe dafür, dass man auf sie zählen könne. „Ich setze mich für andere ein. Ich habe eine große Freude am Entdecken und überrascht Sein, was immer wieder aus mir herauskommt“, meint sie. Von den Göttingern habe sie in ihrer Zeit am JT schon viel mitnehmen können: „Wenn du etwas zu sagen hast, sag es.“

„Aloha Therese!“

Die dritte Auftragsarbeit von Autor und Regisseur Peter Schanz, „Aloha Therese!“, feiert am Freitag, 12. April, um 20 Uhr Premiere im Jungen Theater (JT), Hospitalstraße 6 in Göttingen. Auf der Bühne stehen neben Jacqueline Sophie Mendel Agnes Giese und Katharina Brehl. Danach ist das Stück am Montag, 15. April, Donnerstag, 9. Mai, und Freitag, 31. Mai, jeweils um 20 Uhr zu sehen. Eintrittskarten kosten ab 19 Euro. Sie sind montags bis sonnabends von 11 bis 14 Uhr und freitags und sonnabends von 17 bis 20 Uhr an der Theaterkasse des JT sowie telefonisch unter 05 51 / 49 50 15, online unter reservix.de und per E-Mail an kasse@junges-theater.de erhältlich. Die Abendkasse öffnet immer eine Stunde vor Vorstellungsbeginn. Studierende zahlen mit ihrem Kulturticket 1 Euro.

Von Norma Jean Levin

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