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Regional „Jungs – Ein Forschungsprojekt“ im Deutschen Theater Göttingen
Nachrichten Kultur Regional „Jungs – Ein Forschungsprojekt“ im Deutschen Theater Göttingen
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18:23 02.11.2011
Vier Jungs: David Krzysteczko, Johannes Klinge, Luan A. L. Seidel, Aaron Schultz (v.l.). Quelle: Winarsch
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Der Bremer Regisseur Martin Thamm hat die Idee von Dramaturgin Nicola Bongard in den vergangenen Monaten mit ihr und den Jungs umgesetzt. Geplant war eine Reise in eine Welt, die in den meisten Fällen dem weiblichen Geschlecht verschlossen bleibt.

Direkt, tiefgründig, humorvoll und nachdenklich sind die Texte von Christopher Dübner, Johannes Klinge, David Krzysteczko, Aaron Schultz, Luan Seidel und Christopher Seltmann. Kostprobe: „Wie lang ist dein Penis? Was macht einen attraktiven Mann aus? Ist er zu kurz oder zu lang? Zählst du dich dazu? Rasierst du dich? Findest du dich männlich? Fühlst du dich zu Männern hingezogen? Bist du glücklich?“ Am Ende weiß der Zuschauer eine Menge mehr darüber, wie Jungen ticken, was ihr Lebensgefühl ausmacht.

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Dazu gehört für Johannes Klinge das „Worst Case Scenario“ des Survival-Profis Bear Grylls. Sein Überlebens-Snack sind zwar keine kopflosen Reptilien oder Würmer, aber einen Toast mit Käse, Tomate, Chips und Schlagsahne zu essen, kostet schließlich auch Überwindung. Für David Krzysteczko bedeutet Lebensgefühl Musik. Mit seinem E-Bass spricht David seine eigene Sprache. Was für ihn die Musik, ist für Christopher Seltmann die Literatur und für Luan Seidel die Mathematik. Der mit 16 Jahren jüngste der sechs Nachwuchsschauspieler jongliert mit Integralen, als seien sie das Selbstverständlichste auf der Welt. Aaron Schultz (charmant und komisch im Bärenkostüm) ist der Computerfreak, und Christopher Dübner sinniert über seine zu früh verloren gegangene Kindheit.

Vier der sechs jungen Schauspieler hatten schon vor der Produktion ein wenig Bühnenerfahrung. Doch von Amateurtheater hat die Inszenierung gar nichts. Die Jungs sind mit Herzblut bei der Sache.

Die Bühnenausstattung (Ilka Kops) nimmt sich dagegen ganz zurück. Es reicht eine Polstergarnitur auf Rollen. Sie ist mal Sofa, mal Bett oder Badewanne, Bus oder Truck. Und ein schimmernder Vorhang macht die Bühne zur Disko.

Das kurzweilige, sehr unterhaltsame Stück hinterfragt Klischees und spart sich eine „Männerverstehen leicht gemacht“-Anleitung. Es werden vielmehr sechs Lebensentwürfe gezeigt. Es hätten natürlich auch sieben, acht oder neun sein können, um der Vielfältigkeit und Einzigartigkeit des männlichen Geschlechts angemessen gerecht zu werden. Aber Jungs gehen eben recht selten zum Theatercasting.

Wieder am 4. und am 24. November um 18 Uhr, weitere Vorstellungen ab Dezember. Kartentelefon 05 51 / 49 69 11.