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Regional Das KAZ verlässt das Otfried-Müller-Haus in Göttingen
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00:20 03.07.2019
Das KAZ sagt Tschüss: Indischer Kathak-Tanz zum Abschied im Otfried-Müller-Haus. Quelle: Peter Heller
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Göttingen

Zum Abschied gab es eine Leistungsschau. Auch wenn das Kommunikations- und Aktionszentrum (KAZ) sich seit Jahren als Hort sämtlicher Trommelgruppen – egal ob südamerikanisch oder afrikanisch geprägt – der Stadt einen Namen gemacht hat, hält das KAZ, dass sich mit den Jungen Theater seit Jahrzehnten das Otfried-Müller-Haus teilt, viel mehr bereit.

Einen kleinen Einblick in die vielfältigen Gruppen, die sich im KAZ treffen, bot am Sonnabend die große Abschiedsparty vom Haus am Göttinger Wochenmarkt. Während der Nachmittag Workshops vorbehalten war – das Angebot reichte von Salsa über Stepptanz bis zur Malerei und Flöten – stand der Abend komplett im Zeichen der Musik. Im Spiegelsaal gab es Salsa mit DJ Michael Michakis und Reggae mit DJ Ibs Sallah.

Im JT-Keller und JT-Saal präsentierte das JT-Keller-Team das „last line up“ – mit dabei unter anderem Bionique und Sexy Sander. Auf Facebook hieß es in der Ankündigung: „Wir bespielen das gesamte Haus, vielleicht sogar die ganze Innenstadt. Achtung Göttingen, es wird noch mal laut, der letzte Ruf eines sterbenden Clubs, danach machen wir Licht aus für immer.“

K-Pop, Kathak, klassisches Ballett

Zuvor zeigten verschiedene KAZ-Gruppen bei „KAZ Kompakt“. Die Akrobatikgruppe präsentierte ihre Vorstellungen, von dem, was vom Menschen bleibt, der ein Gefangener der um sich greifender Digitalisierung geworden ist. Die jungen Tänzerinnen der Gruppe „K-Pop“ trauten sich am Sonnabend zum ersten Mal auf die Bühne vor den fast komplett besetzten Theatersaal. Seit etwa einem Jahr probt die Gruppe erst. Welche Facetten Tanz zu bieten hat, zeigten zunächst die Tänzerinnen der Kathak-Gruppe, die den traditionellen indischen Tanz auf die Bühne brachten. Klassisches Ballett zeigten die Tänzerinnen der „Mini-Tanzkompagnie“. Schweißtreibende, afrikanische Rhythmen gab es von den drei Trommelgruppen Zumbala, African Culture Club und Jamadjembé. KAZ-Geschäftsführerin Anne Moldenhauer betonte in ihrer Moderation, dass es bei allen KAZ-Angeboten, die Möglichkeit sie auszuprobieren – auch am neuen Ausweichquartier an der Bürgerstraße.

Umzug auf Zeit

Dass das KAZ überhaupt Abschied vom Otfried-Müller-Haus nehmen muss, liegt an den umfangreichen Sanierungs- und Umbauarbeiten an dem in die Jahre gekommenen denkmalgeschützen Gebäude. Sechs Millionen Euro will die Stadt als Eigentümerin in den Umbau investieren, die Hälfte davon kommen aus einem Fördertopf. Bislang gehen Stadt, Planer, KAZ und JT von drei Jahren Umbauzeit aus. In dieser Zeit arbeiten KAZ und JT in der ehemaligen Voigtschule an der Bürgerstraße. Seit Dezember wird diese für die neue Nutzung umgebaut. Zuvor diente das Schulgebäude als Flüchtlingsunterkunft. Moldenhauer betont, dass die Zusammenarbeit mit Stadt, Architekten und den anderen Beteiligten sehr gut laufe.

Das vorläufige Ende einer Ära: Anfang Juli verlässt das Kommunikations- und Aktionszentrum, besser bekannt als KAZ, das seit mehr als 40 Jahren angestammte Otfried-Müller-Haus am Wochenmarktplatz. Am Sonnabend gab es die große Abschiedsparty.

Für das KAZ bedeutet der vorübergehende Umzug eine räumliche Verbesserung. Es gebe in der alten Schule mehr Platz und alle Räume hätten nun Tageslicht. Rund 50 Gruppe gebe es im KAZ, sie alle werden ihren Platz am neuen Standort bekommen, sagt Moldenhauer. Nach KAZ-Angaben hat das Zentrum im vergangenen Jahr rund 24.000 Nutzer und Besucher mit seinen Angeboten erreicht.

180 Umzugskartons und schwere Öfen

Der Umzug des KAZ soll am 7. und 8. Juli über die Bühne gehen, auch wenn in der ehemaligen Voigtschule noch nicht alle Umbauarbeiten abgeschlossen sind. Bis dahin müssen die 180 Umzugskartons gepackt sein. Logistisch am anspruchsvollsten, so Moldenhauer, sei der Umzug der Töpferwerkstatt, allein die Öfen hätten ein Gewicht von mehr als 250 Kilogramm. Ab Mitte Juli, so Moldenhauer, könne der Betrieb am neuen Standort beginnen.

Abschied der alten Nachbarn auf Instagram

Gemeinsam mit dem Jungen Theater plant das KAZ am Wochenende, 29. und 30. September, zunächst unter dem Motto „Kultur zieht um“ einen Umzug vom Otfried-Müller-Haus durch die Innenstadt zum neuen Standort. Besucher hätten im Anschluss die Gelegenheit, das „begehbare Haus“ zu erkunden. Für den Sonntag ist dann ein „Tisch der Ideen“ geplant, bei dem sich JT und KAZ als neue Nachbarn vorstellen wollen.

Vorfreude

Bei aller Vorfreude beim KAZ-Team auf den neuen Standort mit der verbesserten Raumsituation: „Ich bin schon gespannt, wie das Otfried-Müller-Haus und Wochenmarktplatz nach Sanierung und Umbau aussehen wird“, sagt Moldenhauer.

Von Michael Brakemeier

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