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Regional Kabarett mit Fabian Schläper und der Pianistin Iris Kuhn
Nachrichten Kultur Regional Kabarett mit Fabian Schläper und der Pianistin Iris Kuhn
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18:33 25.11.2010
Gestellt wirkende Gespräche: Fabian Schläper mit Pianistin Iris Kuhn.
Gestellt wirkende Gespräche: Fabian Schläper mit Pianistin Iris Kuhn. Quelle: Heller
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Angekündigt ist der Stuttgarter als Geschichtenerzähler, Wortjongleur und Chansonnier. In Göttingen präsentiert er, unterstützt von Pianistin Iris Kuhn, sein Programm „Liebhaberobjekt“. Dabei singt er über sein unfreiwilliges Singledasein und resümiert: „Der Weg vom Liebhaberobjekt zum Ladenhüter ist verdammt kurz.“ Das erste Lied des Abends erzählt dann auch von einem Mann in den tragischen Jahren, in denen „das Happy und das Birthday schon getrennte Wege gehen“ und er mit einem Blick in den Badezimmerspiegel hauptsächlich Falten sieht. Denn „wer lächelt, der hat mehr“, vor allem mehr vom Leben, was Schläper als versöhnendes Resümee gutgelaunt anfügt. „Es gibt im Leben doch ständig diese Rums-Momente: Guckst morgens in den Spiegel, und – rums – bist du alt. Und dein einziger Gesprächspartner ist die Zahnbürste.“

Immer wiederkehrende Themen sind zum einen die exzentrische Schwärmerei für seinen Nachbarn „Julian Sommerhofer“, der immer gut drauf ist, bei „Ärzte ohne Grenzen“ arbeitet und nach Niveacreme duftet. Zum anderen die Geschichten aus seinem Lieblingströdelladen, in dem es von Sissis Gebiss bis zu Schillers Schaukelpferd alles zu kaufen gibt.

Seine Erzählungen sind unterhaltend, aber die Gespräche mit seiner Pianistin wirken meist gestellt und sind oft das, was sie nicht sein sollen: unlustig. Ohne Frage liegt die Stärke der Künstler in der Musik, und so sind die Glanzlichter des Abends die von Schläper ge­sungenen und von Kuhn auf dem Klavier großartig begleiteten Chansons. Sie handeln von den leichten Themen des Lebens: vom Hemdenbügeln und dem Gedanken an unmoralische Angebote, von einer verlorenen Liebe im Naturkundemuseum und davon, wie er Herrn Müller von der GEZ verführt: „Und ich zeigte ihm ein Gerät, das er nie vergessen hat.“

Melancholisch wird es, wenn Schläper beispielsweise davon singt, wie er immer wieder vor der Liebe davonläuft, obwohl er sie so sehr sucht. Dies sind die charaktervollsten Momente des Abends, in denen echtes Chanson den Raum füllt, in denen Schläper die großen Gesten auspackt, sich burlesque und langbeinig auf seinem Barhocker räkelt und mit unwiderstehlichem Tremolo zum Schlussakkord ansetzt. Das kommt schließlich so gut an beim Publikum, dass es das Duo mit stürmischem Beifall feiert.

Von Indra Hesse