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Regional Kabarettist Chin Meyer zu Gast im Kulturschuppen in Gelliehausen
Nachrichten Kultur Regional Kabarettist Chin Meyer zu Gast im Kulturschuppen in Gelliehausen
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18:36 19.09.2013
Laut: Kabarettist Chin Meyer. Quelle: EF
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Gelliehausen

Beim Publikum jedenfalls kommen die Witze am besten an, die sich auf ihr Dorf, auf Göttingen und sie selbst beziehen. Wer in den ersten Reihen sitzt, wird gnadenlos in das Showprogramm miteingebunden – vor rund 170 Gästen im vollen „Schuppen“.

Brigitte Wagener (SPD) ist Ortsbürgermeisterin in Gelliehausen und hatte wohl nicht damit gerechnet, dass sie noch zur „Heroine“ einer improvisierten Oper werden würde, als sie sich in die erste Reihe setzte.

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Meyer fragt im „Schuppen“ nach wirtschaftlichen Problemen im Dorf und Umland, und los geht es: „Brigitte“, singt Meyer, will raus aus ihrem Dorf, weg von der „Gelliehäusener Gülle“, in Göttingen aber „muss sie sich nicht hetzen, denn es packt sie das Entsetzen.

Überall in der Zone … kleine Steine, dreckige, unreine, fürchterliche – Designersteine! Und inmitten des Gesteinsgewürms: nur ein einfarbiger Schirm.“

„Das ist Wahnsinn!“

Das Publikum johlt, Wagener wischt sich mit dem Taschentuch durchs Gesicht, und da ist sie nicht die einzige. Zweieinhalb Stunden dauert das Programm, Improvisationen machen nur einen Teil aus. Meyer macht Stand-up-Comedy, dafür hat er sich zwei Rollen-Ichs aus dem Finanzamt ausgedacht.

Und er verballhornt Schlager und Popsongs, das funktioniert ja immer. Bei den Schlagern klatschen (und singen) auch gleich alle mit. (In Richtung  Krisentreffen: „Das ist Wahnsinn!“, „Akropolis, adieu“. Und „Wir wollten nie die Krise!“, „I’m your private Banker“.)
Laut ist Meyer ununterbrochen, sein Mikrofon übersteuert gleich zu Beginn.

Er macht ohne weiter, braucht keins. Auch Meyers Humor ist laut und ein wenig aufdringlich. Für (sprachliche) Präzision oder Raffinesse interessiert sich Meyer nicht, er setzt auf Einfachheit. Dass Meyer aus einem Wagner-Brief der „Bild“ eine ganze Nummer macht, ist programmatisch.

Von Telse Wenzel