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Regional Kabarettist Gieseking im Göttinger Apex
Nachrichten Kultur Regional Kabarettist Gieseking im Göttinger Apex
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13:18 20.12.2018
Bernd Gieseking im Apex. Quelle: Niklas Richter
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Göttingen

„Ein Jubiläum“, bilanziert Bernd Gieseking erfreut. Seit einem Vierteljahrhundert bringe er seinen Jahresrückblick mittlerweile auf die Bühnen. „Ich habe angefangen, alle anderen sind die Nachzügler, die Epigonen.“ Darunter auch seine Kabarettisten-Kollegen Urban Priol und Henning Venske mit denen er, als es damals losging mit dem Programm-Dauerbrenner, für den Rundfunk zusammenarbeitete. „Das läuft ja ganz gut bei dir. Das mach ich jetzt auch“, habe Priol im Jahr darauf mit seinem kabarettistischen Jahresrückblick nachgezogen, und Venske ein Jahr später.

„2018, das Jahr war voll und wird immer voller“, sagt Gieseking. „Das ging ganz lahm los, aber jetzt plötzlich. Mann, Mann.“ Im Grunde sei es ein Mischjahr. „Martin Schulz wird mir das sofort bestätigen.“ Oder der zwei Mal gescheiterte Friedrich Merz. Oder Angela Merkel, die den Parteivorsitz gerade abgegeben hat und Horst Seehofer, der ihn nur noch wenige Wochen innehat. „Und dann wurde auch noch der Lindenstraße gekündigt. Das ist doch nicht mehr mein Land“, echauffiert sich der Ostwestfale grinsend.

Aber es kommt noch viel dicker. „Die Welt ist aus den Angeln.“ Die AfD im Bundestag, die SPD kaum noch vorhanden. „Trump twittert, was seine Umnachtung hergibt. Nur Merkel hat eine Laufzeit wie ein VW-Käfer.“

Die politische Weltbühne

Brexit, Trump, Kim Jong Un und die Scheichs – die politische Weltbühne streift Gieseking doch eher kurz, seinen Blick richtet er vor allem auf Turbulenzen in Deutschland. Ohne erkennbare Chronologie oder Sortierung lässt er die Themen locker perlen. Vom jämmerlichen Zustand der SPD über einschlägiges politisches Personal und den Dieselskandal („Wir reden nicht von Betrug“) bis zur Abschaffung der Todesstrafe im hessischen Verfassungsrecht und dem „Aufatmen in Rüsselsheim, bei den Opelmanagern“.

Gieseking muss nicht draufhauen, zwischen Apercus und messerscharfen Analysen lässt er mit informativen Details und satirisch schrägen Zusammenhängen manche Absurdität für sich selbst sprechen. Zwischendurch bringt der 60-jährige eines seiner geistreich-komischen Gedichte oder lässt bei fiktiven Telefonaten seine Fantasie laufen. Schäuble parliert am Hörer vom Strippenziehen im Hintergrund, und die Queen erzählt ihrem Gesprächspartner auf Augenhöhe „Giese-King“, wie sie angesichts des Brexits deutsches Hundefutter hortet.

Einblicke ins Private

Der zweite Teil des Abends gewährt auch Einblicke ins Private. Nach 40 Jahren zurück nach Minden gezogen, in die Nähe seiner Eltern, lässt Gieseking seine Mutter zu Wort kommen. Im plattdeutschen Dialekt und mit viel Mutterwitz sorgt dies für äußerst unterhaltsame und menschlich-warme Momente und Pointen.

Beim Thema Digitales entführt der Kabarettist und Kolumnist in die Lebenswelt seiner Eltern, deren Alltag durch und durch analog geprägt ist. Und er betont, dass dies genauso seine Berechtigung habe wie die digitale neue Welt. Auch in die Kölner Stammkneipe Fisch-Lounge geht es und dabei um die Bedeutung des Rohstoffes Sand. Schließlich blättert Gieseking noch die zahlreichen Jubiläen des Jahres von 100 Jahre Frauenwahlrecht bis 50 Jahre „68“ auf.

Pointenreiche Mischung

Gieseking präsentiert eine kurzweilige pointenreiche Mischung aus Fakten, Satire und Nonsens, Kommentaren und Komik und erweist sich dabei als scharfer und sensibler Beobachter. Und wie immer ist der bekennende Optimist mit Spaß und Herzblut bei der Sache. Seine Göttinger Fangemeinde bedankte sich mit viel Applaus.

Bernd Gieseking gastiert mit seinem satirischen Jahresrückblick 2018 auch am Freitag, 21. Dezember, im Apex in Göttingen. Tickets für die Termine in der Caricatura-Galerie in Kassel am 26. und 27. Dezember sowie vom 2. bis 5. Januar um 19.30 Uhr im Südflügel des Kulturbahnhofs, Franz-Ulrich-Straße 6, in Kassel, sind online im Caricatura-Ticketshop erhältlich.

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