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Regional Kabarettist Jens Neutag im Apex über Politik und deutsche Kultur
Nachrichten Kultur Regional Kabarettist Jens Neutag im Apex über Politik und deutsche Kultur
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19:03 16.09.2013
Jens Neutag: „Etwas mehr Anarchie könnten wir gut vertragen.“ Quelle: Heller
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Göttingen

Philipp Röslers Wahlplakate sähen aus, als kämen sie aus einem nordkoreanischen Passbildautomaten, Volker Bouffier trage die alten Perücken von Gesine Schwan auf, und Ilse Aigner sei der weibliche Andi Brehme der Politik: In seinem aktuellen Programm „Schön scharf“ lässt der junge Komiker kaum einen Politiker ungeschoren. In seinem Wahlszenario gibt es nach ersten Hochrechnungen keine Koalition – die Folge: „Der Bundestag wird privatisiert und die Regierung outgesourct.“

Neben diesen eher typischen Comedythemen wagt sich Neutag aber auch an weniger populäre heran, wie die EU-Agrarsubventionen, Massentierhaltung oder Billigprodukte in Discountern. Wie könne ein Alaska-Seelachs-Filet trotz der langen Transportwege nur acht Cent kosten? „Schicken uns die Eskimos das aus Nächstenliebe?“ Während viele Komiker sich über angebliche Gewohnheiten türkischstämmiger Mitmenschen lustig machen, nimmt sich Neutag der Multi-Kulti-Phobie der Deutschen an. So entwirft er Szenarien mit Menschenfleisch essenden Arbeitskollegen aus Papua-Neuguinea und den zahlreichen auf der Straße gen Mekka betenden Muslimen.

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Auch sonst nimmt er unsere Kultur gut pointiert auf die Schippe. Helm und Knieschoner beim Nordic Walking, übertriebene elterliche Fürsorge hinsichtlich vermeintlich kontaminierten Herbstlaubs oder die sicher bald auf den Markt kommenden pränatalen Schwimmreifen – „der Sicherheitswahn der Deutschen ist durch den Konsum von Blasmusik alleine nicht zu erklären“, meint er. „Etwas mehr Anarchie könnten wir gut vertragen.“ Die rund 70 Zuschauer danken es ihm mit viel Applaus und lauten Lachern.

Von Noreen Hirschfeld