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Regional Kalkuliertes Spiel auf der Skandal-Klaviatur
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21:08 11.07.2011
Allzu routiniert: Django Asül, bayerischer Kabarettist mit türkischen Wurzeln.
Allzu routiniert: Django Asül, bayerischer Kabarettist mit türkischen Wurzeln. Quelle: Heller
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Asül ist gelernter Sparkassenkaufmann und hat dazu eine Ausbildung als Tennislehrer, was man ihm genauso wenig ansieht wie die Tatsache, dass er in Niederbayern aufgewachsen und daher mit dem dortigen Dialekt gesegnet ist. Zusammen mit seinem türkischen Aussehen ergibt das eine irritierende Mischung.

Er lässt sich einfach in keine Schublade stecken und kokettiert dann auch gern damit, dass er so gar nicht dem Klischee des Ausländers mit Migrationshintergrund entspricht. Gut zwei Stunden unterhält er mit seinem Programm „Fragil“ das Publikum im ausverkauften Deutschen Theater.

Dabei plagen ihn schon zu Beginn Magenbeschwerden, denn er sei das dioxinfreie Essen als Bayer einfach nicht gewohnt, erklärt er. So geht es munter weiter auf der Klaviatur der Skandale der letzten Monate: E10, EHEC, Fukushima, Plagiatsaffären und die schwarz-gelbe Regierung sind nur einige Themen über die Asül sich auslässt, mal mehr, mal weniger amüsant, aber immer geistreich.

Dabei bleibt er über lange Strecken dem bayerischen Blickwinkel und so auch der CDU/CSU treu. Über die Affäre Strauss-Kahn sei man als Bayer froh gewesen, da so Guttenberg endlich aus den Medien gewesen sei, den die Bayern trotz der Plagiatsaffäre weiterhin schätzten. Bundespräsident Wulff sei „der erste Rock’n’Roller im Schloss Bellevue. Immerhin habe er eine tätowierte Gattin, lebe in einer Patchworkfamilie und sehe ohne Brille aus wie „der Prokurist der Hells Angels“.

Verständnis bringt er aber auch für Nichtbayern auf: Der Kopf des Thilo Sarrazin sei mit Zahlen und Statistiken so vollgestopft gewesen, dass diese einfach raus mussten. Die Genetik als weitere Zutat sei Idee des Verlages gewesen um die von Sarrazin ausgespuckten Statistiken interessanter zu machen. Und habe man nicht automatisch recht, wenn man Angela Merkel, Sigmar Gabriel und Michel Friedmann gegen sich habe?

Asüls Programm ist reichhaltig. Er imitiert und karikiert gelungen türkische Verwandte und bezieht das Publikum mit ein. Auf den ersten Blick macht er eigentlich alles richtig, trotzdem wollen viele Pointen einfach nicht so richtig zünden. Das mag zum einen am doch für viele nicht so leicht zu verstehenden Dialekt gelegen haben und zum anderen an einer zu großen Routine Asüls. Man lacht eben nicht gern, nur weil der Künstler gerade sein Wasserglas abstellt. Dem Programm fehlte an diesem Abend einfach die Spontaneität, die Unmittelbarkeit.

Von Marie Varela