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Regional Kammerorchester bietet „Ukrainische Impressionen“
Nachrichten Kultur Regional Kammerorchester bietet „Ukrainische Impressionen“
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00:18 24.11.2017
Göttinger Kammerorchester mit der Solistin Bettina Bormuth. Quelle: Schäfer
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Göttingen

Durch das Programm führte die aus der Ukraine stammende GSO-Bratscherin Oksana Labach und stellte den zahlreichen Zuhörern die hierzulande weitgehend unbekannten Komponisten des Abends vor. Einzig Dmitri Bortnjanski (1751-1825) dürfte diesem oder jenem geläufig gewesen sein. Sein Lied „Ich bete an die Macht der Liebe“ ist auch bei uns sehr populär. Das Ensemble eröffnete das Konzert mit seinem Concerto Nr. 3 für Streichorchester, einem anmutigen, unterhaltsamen Werk, in dem nach barocker Tradition hier und da Streicher solistisch hervortreten. Das zwölfköpfige Ensemble spielte sehr lebendig und auch in kleinen Details präzise, mit Energie angeführt von Konzertmeisterin Anna Kaczmarek-Kalandarishvili.

Bortnjanski, so Labach in ihrer Einführung, wirkte vorwiegend außerhalb seiner ukrainischen Heimat. Das war bei den vier weiteren Komponisten des Abends nicht der Fall. „Three German Songs“ heißt ein 2013 komponiertes, gewichtiges Vokalwerk des 1952 geborenen Alexander Levkovich, für das als Solistin die aus Göttingen stammende Sopranistin Theresa Sommer engagiert war. Die Aussagen der zugrundeliegenden Gedichten von Irmgard Ross sind schmucklos einfach und direkt, sie bedürfen keiner besonderen Auslegungskunst: „Es muss sich Herz zu Herzen finden. Doch letzten Endes sind wir stumm.“ Gerade deshalb ist die Wirkung dieser ausdrucksstarken, in gemäßigt moderner Tonsprache gehaltenen Lieder besonders eindringlich, alle in ruhigem Tempo mit leicht melancholischer Grundstimmung. Theresa Sommer sang sie mit klarer Tongebung, mit intensiver Expressivität und schöner Linienführung.

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Myroslav Skoryk schlägt in seiner Partita Nr. 6 einen anderen Ton an. Der 1938 geborene Komponist schreibt eine kraftvolle, rhythmisch pointierte Musik, in der auch die eine oder andere scharfe Dissonanz ihren Platz hat. Zwei Sätze aus dieser Partita waren zu hören, die wunderschön sangliche Aria und das spritzige Schluss-Rondo. Das Orchester konnte das Publikum mit seiner sehr lebhaften, spannungsreichen Interpretation nachdrücklich von dem Wert dieser Musik überzeugen.

Das gilt gleichermaßen für die 1983 geschriebene dritte Kammersymphonie von Yevhen Stankovych (Jahrgang 1942). Hier führte GSO-Soloflötistin Bettina Bormuth als Solistin ihre großen musikalischen Qualitäten eindrucksvoll vor: ihren fein gerundeten, kultivierten Ton, ihre absolute musikalische Zuverlässigkeit ebenso wie ihre hohen virtuosen Fähigkeiten. Das einfallsreiche Werk erhielt beim UNESCO International Rostrum of Composers in Paris 1985 eine Auszeichnung – zu Recht, wie auch jetzt das Göttinger Publikum mit seinem begeisterten Beifall bewies.

Gab es schon in Stankovychs Kammersymphonie rhythmische Kniffligkeiten, so lag die Synkopenfreudigkeit in der „Sinfonia estravaganza“ des 1963 geborenen Oleksandr Kozarenko noch etliche Stufen höher. Da musste schon hier und da der erste Cellist mit vernehmlichem Fingerschnipsen die Taktschwerpunkte markieren – sonst hätte die Orientierung in all den rhythmischen Verschiebungen verlorengehen können. Das war geradezu ein metrischer Drahtseilakt, den die Musiker des Göttinger Kammerorchesters aber mit Bravour bestanden. Dafür gab es nachhaltigen Applaus. Das Orchester belohnte die Ovationen mit einem weiteren, klangschönen Satz („Melodie“) aus Skoryks Partita. Der Abend war ein überzeugendes Plädoyer der Musiker für die kulturelle Identität der Ukraine.

Von Michael Schäfer

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