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Regional Kein Busch an Bächen war mehr erlaubt
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18:43 16.09.2009
Leineaue bei Bovenden im Sommer 2009: Stattliche Gehölze am Ufer ergeben nicht nur ein idyllisches Bild, sie schützen auch vor Erosion und bei Hochwasser.
Leineaue bei Bovenden im Sommer 2009: Stattliche Gehölze am Ufer ergeben nicht nur ein idyllisches Bild, sie schützen auch vor Erosion und bei Hochwasser. Quelle: Vetter
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Damals wurden aus Wiesen Ackerflächen gemacht, Bäche und Flüsse begradigt, „kein Busch war mehr erlaubt“ erklärt der heute 80jährige Rolf Zundel. Wenn man auch langsam die Zunahme von Hochwasser und Erosion registrierte, die Maschinentauglichkeit der Felder ging vor. Ihn habe das nicht davon abgehalten, sich für Pflanzungen einzusetzen und den Gemeinderatsmitgliedern die Vorteile zu erörtern. „Ich pack grad gern Sachen an, bei denen andere sagen, das geht nicht“, erzählt Zundel.
Nach zähem Ringen habe man ihm ein Stück bewilligt, das dann zunächst mit Weiden bestückt wurde. An diesen Stellen verrringerte sich die Erosion des Bodens. Und nahe den Bäumen fanden Fische nicht nur Unterstände, sondern „auch Nahrung“, so Zundel. Denn von den Gehölzen fallen Larven und Insekten ins Wasser. Testabfischungen zeigten dann bald, dass „mehr und seltenere Fische“ diesen Teil der Leine besiedelten.

1975 war Zundel aus Freiburg nach Göttingen gekommen, bis 1994 war er Direktor des Instituts für Forstpolitik und Naturschutz. Eigentlich wollte er ursprünglich ein Forstamt leiten, aber die Wissenschaft habe ihn gelockt. Seine Verbindung zur Praxis jedoch blieb. Auch seine Studenten wollte der Forstwissenschaftler immer gern „aus dem Elfenbeinturm“ herausholen. Bei den freiwilligen Pflanzungsaktionen an der Leineaue, auf den Kalihalden und am Seeanger konnten die Studenten Pflanztechniken kennenlernen. „Das sieht man ewig, wenn ihr hier Fehler macht“, habe er ihnen eingeschärft, berichtet Zundel.
Von seinem Plan zwischen Bovenden und der Autobahn einen Auewald anzulegen, konnte Zundel Gemeinde und Anlieger lange nicht überzeugen. Erst in den 1990er Jahren wurde dies durch Ausgleichszahlungen für die Autobahntrasse möglich. Nach schwierigen Verhandlungen konnten Zundel und seine Mitarbeiter Gelände dazu kaufen und den Auewald anlegen.
Momentan versucht Zundel die Gemeinde davon zu überzeugen, dass auch Deiche mit Gehölzen bepflanzt werden können.

Von Christiane Böhm

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