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Regional Kein rosa getünchter Mädchentraum
Nachrichten Kultur Regional Kein rosa getünchter Mädchentraum
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18:26 20.11.2011
Die Illustration des Buches stammt von Rotraut Susanne Berner.
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Mein Leben als Fee“ - Der Titel lässt zunächst erschrecken. Schon wieder ein in rosa getünchter Mädchentraum? Der Friedländer Autor Herbert Günther macht’s anders. Vielleicht weil er ein Mann ist, der sich in die zehnjährige Anna-Lena hineinversetzt.
Anna-Lena bekommt einen Brief von Moritz, ihrem ehemaligen Klassenkameraden. Und der schreibt, wie sehr Anna-Lena ihn beeindruckt hat. „Du bist wie eine Fee. Jedenfalls ganz anders als die Mädchen, die ich kenne.“ Als Anna-Lena das liest, ist Moritz schon auf der anderen Seite der Welt – in Brasilien. Deshalb beginnt Anna-Lenas Leben als Fee inkognito auch ganz ohne Märchenprinzen. Trotzdem fühlt sie sich nach diesem Brief „so wunderbar leicht“. Und sie hätte schreien können vor Feenglück. Allerdings machen die Erwachsenen der Viertklässlerin einen Strich durch die Rechnung.
Herbert Günthers Anna-Lena ist ein burschikoser Typ. Sie schubst, geht auf Nachtwanderung, beobachtet die Sterne. Trotzdem ist die Liebe wichtig. Allerdings nicht die zu ihrem Schulkameraden. Bedeutend für ihr zukünftiges Leben ist vielmehr die Beziehung zwischen ihren Eltern. Die trennen sich nämlich gerade. Genau wie die Eltern ihrer besten Freundin Charlotta und die Eltern von vielen anderen Kindern ihrer Klassen.
Anna-Lena ist verunsichert und wütend zugleich, weil sie sich von den Erwachsenen nicht ernst genommen fühlt und sich auch noch mit ihrer besten Freundin zerstreitet. Das Leben ist ziemlich kompliziert für die Zehnjährige. Denn was aus den Beziehungen wird, steht in den Sternen. Die sind allerdings ein wichtiges Kapitel in Günthers Buch. Castor und Pollux, die Zwillingssterne, die auch am südlichen Himmel, also auch in Brasilien, zu sehen sind, halten in der Geschichte, stellvertretend für Anna-Lena und Moritz Zwiesprache. Viel weiß Castor aber auch nicht über die Liebe. „Nur, dass man sie nicht sehen kann. Und nicht hören. Nur fühlen.“
Das Buch drückt trotz Happyend nicht auf die Tränendrüse, aber es berührt und liefert Stoff zum Nachdenken. Herbert Günther hat im Grunde gleich das Drehbuch zum Film mitgeliefert. Denn die Geschichte liest sich so unterhaltsam wie ein Spielfilm. Und genauso schnell. Erst wenn es ausgelesen ist legt man es zur Seite. Und das ist der einzige Nachteil. Zu Ende ist es trotz seiner 123 leider viel zu schnell.
123 Seiten, ISBN 9783836953481
Gerstenberg Verlag.

Von Eida Koheil