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Regional Keyboarder im Kochtopf und feurige Kometen
Nachrichten Kultur Regional Keyboarder im Kochtopf und feurige Kometen
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19:28 14.09.2009
Mit selbstgebauten Instrumenten: die Band Corvus Corax zum Abschluss des mittelalterlichen Spektakels auf der Waldbühne.
Mit selbstgebauten Instrumenten: die Band Corvus Corax zum Abschluss des mittelalterlichen Spektakels auf der Waldbühne. Quelle: Heller
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Bereits am Nachmittag beginnt Stahlmann. Eine Dreiviertelstunde prügeln sie den gut gelaunten Besuchern ihre tanzbare und metallische Mixtur um die Ohren. Während Saltatio Mortis bereits Leiern, Dudelsäcke und diverses Percussionsmaterial virtuos traktieren, spielt sich im Rund des Open-Air-Theaters ein ganz eigenes Schauspiel ab. Männer in wallenden Gewändern, langen Röcken oder mit Frack und Zylinder posieren mit miniberockten Mädels in beschlagenen Stiefeln für die Fotografen um die Wette. Bevorzugte Farbe: W schwarz, bevorzugtes Getränk: elfprozentiger Honigwein aus dem Horn.

Familiäres Gefühl

Die Stimmung ist friedlich, man kennt sich, der Umgang miteinander ist höflich. Ein angenehmes, fast schon familiäres Gefühl kommt auf. Während der Umbaupausen spielen die fröhlichen Spielleute von Pestilenzia im Arenarund zum kollektiven Tanz auf. Das verkürzt die Wartezeit und macht außerdem noch großen Spaß.
Mit Feuerengel tritt die einzige Coverband des Tages auf. Die sechs Musiker haben sich der Musik von Rammstein verschrieben. Auf musikalisch hohem Niveau bieten die sechs Nordlichter nahezu eine Eins-zu-eins-Kopie der Bühnenshow der NDH-Mitbegründer. Unter dem Motto „Feuer frei“ zieht der Pyrotechniker alle Register. Meterhohe Feuersäulen steigen auf, Leuchtkugeln schneiden wie Kometen durch das Amphitheater und diverse Bombetten explodieren in der Lichttraverse.

Da versteht es sich fast von selbst, dass der Keyboarder zu „Mein Teil“, wie beim Original, im überdimensionalen Kochtopf von Flammenwerfern scheinbar gegrillt wird. Frank, eingefleischter Rammstein-Fan aus Quedlinburg, ist von der Kopie restlos begeistert: „Einwandfrei“, kommentiert er strahlend. Das liegt wohl nicht zuletzt auch am brillanten Sound, den die Tontechniker für alle Bands erzeugen – Hut ab.
In der hereinbrechenden Dämmerung bietet sich von den Rängen ein spektakuläres Bild: Dichter Rauch, erzeugt von Nebelmaschine, Feuerwerk und der Würstchen-„Braterey“, zieht in großen Wolken, farbenprächtig illuminiert, durch die Arena. Dann stehen, mit halbstündiger Verspätung Corvus Corax auf der Bühne. Ein musikalisches Konglomerat aus fünf Sackpfeifen, riesigen Trommeln und zahlreichen Gongs bricht über die nächtliche Waldbühne herein.

In prachtvollen Brokatgewändern inszenieren die acht Musiker vor allem sich selbst und ihre selbstgebauten mittelalterlichen Instrumente. Neben Schalmeien und Dudelsäcken kommen auch Lauten, Cithara und das balinesische Sheng-Sheng zum Einsatz. Doch schon nach einer knappen Stunde ist Schluss mit fröhlicher Melodey: „Wir sind zu laut“, heißt die Ansage, und der Abend ist zu Ende.

Von Christoph Mischke

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