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Regional Daniela Renneberg aus Lenglern malt Porträts auf Schmirgelpapier
Nachrichten Kultur Regional Daniela Renneberg aus Lenglern malt Porträts auf Schmirgelpapier
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09:07 15.04.2020
Meisterstück von Daniela Renneberg: die Queen. Quelle: Wenzel
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Lenglern

Als sie mit ihrem heute 15-jährigen Sohn schwanger war, wurde aus dem Hobby etwas mehr – heute ist die Malerei so etwas wie eine Berufung für Daniela Renneberg aus Lenglern. Die Spezialität der 53-Jährigen sind Porträts auf Schmirgelpapier, das Meisterstück zeigt die Queen.

„Porträts sind mein Markenzeichen, da erkennt man mich“, sagt Renneberg. Der besondere Reiz: „Wie kriegt man mit wenigen Strichen eine Charakterisierung hin?“ Das andere Markenzeichen ist seit rund einem Jahr der Untergrund – Schmirgelpapier, grob- und feinkörnig.

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Per Fernstudium mit 80 Präsenzstunden im Jahr studierte Renneberg in den vergangenen fünf Jahren an der Akademie für Malerei in Berlin. Sie gehörte zu den älteren Studentinnen, „aber ich war die verrückteste in dem Haufen“, berichtet die Lenglernerin, die viele Jahre als Informatikerin war.

Ihrer Experimentierfreude war die Idee zum Schmirgelpapier geschuldet: Ihr sei gesagt worden, dass alles schon mal da gewesen ist – und prompt war ihr Ehrgeiz geweckt. Das Resultat: Porträts auf Schmirgelpapier in Orange und Schwarz.

Schmirgelpapier in Orange und auch Schwarz

Doch nicht nur die Exklusivität fasziniert am Material, vor allem auch die künstlerischen Möglichkeiten, die es bietet, findet sie anregend, wenn beispielsweise Kreide-Pastelle entstehen: „Ich stelle aus reinen Pigmenten Kreide her und verwende sie auf rauen Materialien. Und dann fangen die Farben an zu leuchten“, schwärmt Renneberg.

Kreide als flüchtiger Werkstoff passt gut zu Gesichtern findet sie. „Es ist auch eine Metapher: Wie weit wird der Mensch von der Umwelt geprägt?“ Ihre Bilder „haben Kraft, sind emotional, aber auch fragil“: der Mensch auf Schleifpapier, ein schützenswertes Objekt – in Zeiten der Corona-Pandemie ein passender Ansatz.

„Mich interessiert nicht, was es gibt, sondern etwas anderes“, sagt Renneberg über ihren künstlerischen Anspruch. In ihrem Atelier in Lenglern wird seit einiger Zeit auch größerformatig gemalt und vor allem auch so grobkörnig, dass das Bild verpixelt. „Es ist ganz spannend, denn jeder sieht im Porträt etwas anderes“, sagt sie. "Ich suche Kunst-Verbündete, Künstler-Kollegen, Wissensträger, Sammler, Galeristen, Kunstagenten, Begeisterungsfähige offene Menschen, die sich auf ein Abenteuer mit meinem Werk und mir einlassen. Menschen, mit denen ich mich auf Augenhöhe austauschen kann. Die meinen künstlerischen Ansatz nicht in Frage stellen, sondern mir helfen, ihn zu entfalten."

Ute Wöllmann, Akademieleiterin Berlin, formulierte im Oktober 2019 anlässlich des Abschlusses der Masterarbeit Rennebergs

Daniela Renneberg ist eine ausdrucksstarke und kraftvolle Malerin, die nicht vor dieser expressiven Positionierung zurückschreckt. Ihr Motto ist: Je klarer und direkter, desto besser. Diese Haltung erfordert Mut und Entschiedenheit, damit etwas Neues entstehen kann. Daniela Renneberg hat für sich entdeckt, dass die Farbkraft sich nicht nur mittels eines Gestus, der mit viel Verve aufgetragen wird, entfalten kann, sondern auch einfach durch die Strahlkraft des reinen und ungebundenen Pigments, wie es beispielsweise in Pastellkreide verarbeitet ist. Pastellkreide haftet am besten auf rauen Untergründen und so landete sie schließlich bei einem sehr unüblichen Bildträger: Schleifpapier, das es in Baumärkten zu kaufen gibt. Der gängige Orangeton eines Schleifpapiers mit einer bestimmten Körnung forderte sie zu noch mehr Expressivität heraus und auf dem schwarzen Sandpapier einer anderen Körnung leuchteten die Farbpigmente besonders stark. Die handelsüblichen Größen sowohl der Pastellkreiden, wie auch des Schleifpapiers reichten schon bald nicht mehr aus, deswegen begann Daniela Renneberg sich ihre eigenen Pastellkreiden herzustellen. Außerdem trat sie an den Schleifpapierhersteller direkt heran, der seither Daniela Renneberg und ihre Kunst großzügig fördert, indem er ihr das Material in unterschiedlichen Größen zur Verfügung stellt.

Parallel zu der Suche nach dem richtigen Material für ihre Expressivität hat sie sich zunehmend für das Porträt entschieden. Der Mensch und sein innerstes Wesen interessierte sie von Anfang am meisten. Das Gesicht, wo sich all dies spiegelt, ist das Epizentrum ihrer Kunst. Hier geht es um Ähnlichkeit, um genaue Beobachtung, was dem frischen und unbekümmerten Verve von Daniela Renneberg eigentlich diametral entgegensteht. Doch genau da zeigt sich die großartige Auffassungsgabe von Daniela Renneberg. Einmal aufgetragen, kann man die Pastellkreide nicht mehr wieder wegnehmen, im Unterschied zur Acrylfarbe, mit der man immer wieder alles übermalen kann, so lange bis es stimmt. Mit der Pastellkreide muss jeder Strich sitzen, sonst ist die Ähnlichkeit dahin. Den Vergleich auch mit sehr prominenten Persönlichkeiten braucht Daniela Renneberg nicht zu scheuen: Jede und jeder wird die Queen erkennen. Und genau in diesen prominenten Vergleichen zeigt sich der Dialog, den Daniela Renneberg mit diesen Gesichtern führt. Der Blick für das Besondere zeichnet ihre Porträts aus, macht sie ungewöhnlich und einzigartig. Die fallen auf! Die fällt auf! Aufgrund dieser überzeugenden künstlerischen Position ernenne ich Daniela Renneberg sehr gerne zu meiner Meisterschülerin.

Daniela Renneberg in eigenen Worten

In den zurückliegenden fünf Jahren habe ich ein mächtiges Werk erschaffen. Bausteine, Serien, die sich zu einem Ganzen fügen.

Ich beschäftige mich mit Extremen! Als Mittler zwischen Zeichnung und Malerei verwende ich ausschließlich reine Pigmente in Form von Kreidepastellen und Acryl auf außergewöhnlichen Malgründen, zum Beispiel Schmirgelpapier, Samt, Seide, Pappe …

… und dann kam die Krise: Idee, Chance? Meine Corona Tagebuch Glas ist sooo haltlos, nix, maximal ungeeignet für Pastelle und doch hinterlässt es Spuren. Innehalten; Geht nicht gibt’s nicht!

Mir ist es ganz wichtig, das ich meinen Bildern nicht die Wirkkraft stehle! Diese Beiträge drehen sich um meinen künstlerischen Ansatz.

Gibt es überhaupt noch etwas was es nicht gibt? Freiheit? Lebensfreude, Leichtigkeit, Mut, Wann ist der richtige Zeitpunkt? Ich habe nichts zu verlieren, ob es gut oder schlecht war zeigt sich im Rückblick. Nicht vergleichen und beurteilen sondern nur auf das was raus will fokussieren und Malen. Der Rest fügt sich.

Kontakt

Daniela Renneberg

Atelier: Graseweg 22, 37120 Bovenden

www.danielarenneberg.de

d.renneberg@web.de

Initiative „Kultur in Südniedersachsen“ (KiSN)

Die Initiative „Kultur in Südniedersachsen“ (KiSN) von Landkreis und Tageblatt gibt Künstlern eine digitale Bühne und hilft ihnen, die Krise zu überstehen. Um auf der KiSN-Seite zu erscheinen, melden sich die Künstler auf der Website des Tageblattes oder per Mail an kultur@landkreisgoettingen.de an. Unter dieser Adresse erhalten Sie auch Hilfe vom Expertenteam aus Politik, Kultur und Vermarktung, wenn Sie Fragen oder Probleme haben. Mehr dazu lesen Sie unter: gturl.de/KiSN

Von Eduard Warda