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Regional Kindlicher Schlaf zwischen Nacht und Malerei
Nachrichten Kultur Regional Kindlicher Schlaf zwischen Nacht und Malerei
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19:15 17.11.2011
Traumhaft und ein wenig verwunschen: die großformatigen und vielschichtigen Bilder von Andrea Damp. Quelle: Pförtner
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Göttingen

Traumhaft und beinahe verwunschen, ein wenig abgründig wirkt die Szene, der ungegenständliche, nächtlich wirkende Hintergrund ist farbig gespickt mit Blasen, Flecken, Ballons, die Lichter eines entfernten Ortes vielleicht. Ein wenig verwischt sich die Motivik des Bildgrundes durch die Schicht von durchsichtigem Acryl, die Damp darübergelegt hat. Erst auf dessen Oberfläche hat sie das schlafende Kind gemalt, gelbes Hemdchen, dunkle Hose. Manchmal werden die Kinder im Märchen schlafend entführt, wachen an einem anderen Ort auf – so wirkt es auch bei diesem Schlaf zwischen Nacht und Malerei.

Es gibt in den Bildern zwei Schichten. Das Hier und das Dahinter. Inhaltlich und formal. Dazwischen eine beinahe ganz transparente Schicht, die die Ebenen, aber auch die Realitäten voneinander trennt. Eine Scheibe, eine Mauer, ein Wattebausch – eine zweifach eigene Welt. Ein klingendes, lyrisches Sprechen, das zunächst von den Bildern auszugehen scheint, ist wie erstickt, wie gedämpft.

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Die starke Acrylschicht, mit breitem Gestus aufgetragen, ragt über die Ränder der zugrundeliegenden Leinwand hinaus. Ihre greifbare Materialität, ihre Struktur und erst erwachsende Festigkeit geben dem Bildträger ein neues Antlitz, brechen Ränder, brechen Konvention und Material, nähern sich geschöpftem Papier auf der einen wie modellierter Plastik auf der anderen Seite an.

Schräge, grelle Farbpartien wechseln mit dunklen, unbunteren Passagen, Licht und Leuchtkraft, Kontraste spielen eine gewichtige Rolle, bestimmen die Komposition auf einer weiteren Ebene. Die mal informellen, mal fantasiegeleiteten Gründe, hier und da an Asgar Jorn oder Corneille erinnernd, werden kontrastiert mit präziser gegenständlicher Malerei. Schicht um Schicht, geschickt geschichtet.

Von Tina Lüers