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15:25 31.07.2019
Maripier Morin als Camille Lafontaine und Alexandre Landry als Pierre-Paul Daoust in einer Szene des Films "Der unverhoffte Charme des Geldes" (undatierte Filmszene). Quelle: -/MFA/dpa
Göttingen

Mit der Komödie „Der unverhoffte Charme des Geldes“ und „Benjamin Blümchen“ haben in dieser Woche kleine und große Kinobesucher etwas zu lachen. Auch im Open Air-Kino im Freibad am Brauweg gibt es wieder drei unterschiedliche Filme zu sehen.

Nur die Dummen werden reich

Geld in kleinen Münzen und in großen Scheinen, Geld in Umschlägen, Kisten und Taschen, Geld als digitaler Datenstrom rund um den Globus: Man macht sich nicht immer klar, wie sehr unser zwischenmenschliches Zusammenleben von etwas geprägt ist, das doch nur als allgemein anerkanntes Tauschmittel erfunden wurde.

In Denys Arcands spritziger Geldräuber-Liebes-Gesellschaftskritik-Komödie „Der unverhoffte Charme des Geldes“ wird einem die Bedeutung des Pekuniären förmlich unter die Nase gerieben. „Money makes the world go round“, sang bereits Liza Minnelli in „Cabaret“ (zusammen mit Joel Grey). Geld regiert nun mal die Welt.

Regisseur und Drehbuchautor Arcand hat sich in seinen Filmen schon immer als gut gelaunter Kapitalismusverächter präsentiert. Für die mit scharfem Dialogwitz gespickte Komödie „Die Invasion der Barbaren“ (2004) erhielt er den Auslandsoscar, und auch da ging es hintergründig um die unbestreitbaren Vorzüge des Reichseins, als ein Investmentbankersohn sich daranmachte, seinem widerstrebenden linken Professorenvater die letzten Tage auf diesem Planeten zu erleichtern. Der Film war die lockere Fortsetzung eines Films mit dem schönen Titel „Der Untergang des amerikanischen Imperiums“ (1986), ebenfalls ein cineastischer Versuch über den Wertezerfall in der modernen Wohlstandsgesellschaft.

Nun lässt Regisseur Arcand dem überzeugten Kapitalismuskritiker Pierre-Paul (Alexandre Landry) zwei prall mit kanadischen Dollar gefüllte Taschen vor die Füße plumpsen. Das ist wörtlich zu verstehen: Der studierte Philosoph und amtierende Paketbote in Montreal gerät unversehens zwischen die Fronten eines Raubüberfalls mit anschließender Schießerei. Während die Gangster entweder tot am Boden liegen oder blutend davonhumpeln, bleiben die verlockenden Taschen zurück.

Pierre-Paul, eben noch ein überzeugter Verfechter der These, dass vorrangig die Dummen reich werden, lässt die Beute kurzerhand in seinem Lieferwagen verschwinden. Zu so einer kriminellen Tat hätte sich sein aufopferungswilliger britischer Arbeitskollege im aktuellen Ken- Loach-Film „Sorry We Missed You“ wohl kaum verleiten lassen. Paketboten als unterbezahltes Dienstleistungsprekariat kurven offenbar in vielen Ecken dieser Welt herum.

Kapitalismuskritiker aus Quebec: Regisseur Denys Arcand

Politisch war dieser Filmemacher immer. Der 78-jährige Denys Arcand legte gern den Finger in die Wunden seiner Gegenwart. Seine Doku „On est au coton“ (Wir arbeiten in Baumwolle) von 1970 zeigte die Ausbeutung der Textilarbeiter. Der Film blieb in seiner Heimat Kanada fünf Jahre lang verboten.

Das Gangsterfilm-Genre bereicherte Arcand in den Siebzigerjahren um die Filme „Dreckiges Geld“ (1972), „Réjeanne Padovani“ (1973) und „Gina“ (1975) – allesamt gaben tiefe Einblicke in die Gesellschaft von Quebec. Mit der Serie „Duplessis“ für Radio Canada (1978) setzte er sich kritisch mit Maurice Duplessis auseinander, einem früheren Premier von Quebec.

Arcands Meisterwerk ist das kapitalismuskritische Drama „Der Untergang des amerikanischen Imperiums“ (1986), das ihm den Kritikerpreis in Cannes bescherte. Seine englischsprachigen Filme „Liebe und andere Grausamkeiten“ (1993) und „Stardom“ (2000) ließen dessen Subtilität vermissen.

„Ich bin der mieseste Schreiber“, sagte Arcand. „Ich habe keine Methode. Ich habe es nie gelernt, nie einen Skriptkurs besucht. Ich bin das schlechtestmögliche Beispiel, das man jungen Drehbuchschreibern geben kann.“

Das war reines Understatement. Mit „Die Invasion der Barbaren“ (2003) bewies Arcand, dass er an Schärfe nichts verloren hatte – dafür gab es den Drehbuchpreis in Cannes.

Nun hat Pierre-Paul allerdings ein Problem: Wohin mit der Kohle? Ein cleveres Polizistenduo ist ihm bereits auf den Fersen und auch auf die Schliche gekommen. Zudem muss er die Rache von brutalen Gangs fürchten. Und dann ist da noch die sündhaft teure Escortdame, in die er sich nicht schon deshalb verliebt, weil sie unter dem Namen der griechischen Philosophin Aspasia (Maripier Morin) firmiert.

Aus der Patsche helfen könnte ihm Ex-Knacki Sylvain, genannt „The Brain“ (Rémy Girard), der bis eben noch hinter Gittern Betriebswirtschaft gebüffelt hat. Vorstellig wird Pierre-Paul bei „The Brain“ mit den Worten: „Bitte helfen Sie mir. Ich habe zu viel Geld.“ Das ist doch schon mal ein guter Auftakt für eine wunderbare Geschäftsbeziehung. Die Voraussetzungen für ein ausgeklügeltes Heist-Movie wären also gegeben.

Und dabei war von dem Offshorebanker Wilbrod Taschereau (Pierre Curzi) noch gar nicht die Rede. Dem mondänen Herrn in seinem Glasturm obliegt es, fachkundig über die unerfindlichen Wege des Geldes zu schwadronieren: „Es gibt keine Steuerparadiese, nur eines im Himmel.“ Gegen all die Hedgefondsmanager, Waffenhändler und Ölindustriellen, die mit Taschereaus Hilfe ihre Milliarden rund um den Globus verschieben, wirkt Pierre-Paul wie ein braver Bürger, der eine auf der Straße aufgelesene Geldbörse nicht im Fundbüro abgegeben hat.

Gewissermaßen verhält es sich in seinem Fall ja auch so. Pierre-Paul ist der Typ schüchterner Stadtneurotiker, entfernt verwandt mit dem jungen Woody Allen, der in der Theorie alles zu wissen glaubt und in der Praxis wenig weiß. Immerhin schmeißt er jedem Obdachlosen am Wegesrand ein paar Cent in den Pappbecher. Da fühlt man sich gleich besser.

Zwischen Suppenküche und Luxusapartment

So mäandert dieser Film schwerelos leicht zwischen Suppenküche und Luxusapartment, zwischen coolen Gangstern, angehendem Liebespaar und finanziell zusammengesparter und deshalb personell ausgezehrter Polizei. Immer mal wieder gelingt hier ein Bonmot wie dieses aus dem Mund von Aspasia, die im wirklichen Leben Camille heißt: „Es ist besser, in einem Jaguar zu weinen als in der U-Bahn.“ Gelegentlich mögen Arcands Spitzen ein bisschen billig daherkommen, aber man amüsiert sich doch über gut zwei Kinostunden.

Das letzte Wort wollen wir dem Regisseur überlassen, der unverzagt wie ein Don Quijote gegen das „amerikanische Imperium“ anrennt: „Der moralische Verfall des Imperiums hat begonnen, uns anzustecken. Die Omnipotenz des Geldes ist nur ein Symptom dieser Krankheit. Werden wir Antibiotika finden, die stark genug sind, die Seuche zu bekämpfen?“ Nun ja, Pierre-Paul und seine Aspasia hätten da eine Idee.

„Der unverhoffte Charme des Geldes“, Regie: Denys Arcand, mit Alexandre Landry, Maripier Morin, Rémy Girard, 122 Minuten, FSK 12, Lumière

Mission Impossible im Neustädter Zoo

Seit 1977 hat Benjamin Blümchen sein „Törööö!“ in Hörspielen und TV-Trickfilmen ertönen lassen. Nun streckt der beliebte Elefant in seinem Kino-Realfilmdebüt seinen Rüssel in die Luft. Benjamin und sein Kinderfreund Otto (Manuel Santos Gelke) bekommen es mit der verschlagenen Zora Zack (Heike Makatsch) zu tun, die den in Finanznot geratenen Neustädter Zoo von Direktor Tierlieb (Friedrich von Thun) modernisieren soll, dabei aber ganz unfeine Pläne verfolgt.

Die Freundschaft von Benjamin und Otto macht es dem jungen Zielpublikum leicht, der Story zu folgen. Ältere wiederum können über James-Bond-Zitate und Anspielungen auf „Mission: Impossible“ schmunzeln.

Visuell gibt die Rettung des Neustädter Zoos indes weniger Anlass zur Freude. Man muss ja die Fotorealismus-Messlatte nicht gleich so hoch legen, wie es zuletzt Disney bei „Der König der Löwen“ und dem Zirkuselefanten „Dumbo“ tat. Doch sollte es inzwischen auch mit geringerem Budget möglich sein, einigermaßen zu kaschieren, dass meist im Studio vor einem Green Screen gedreht und das Hintergrundgeschehen einkopiert wurde.

Benjamin Blümchen“, Regie: Tim Trachte, mit Manuel Santos Gelke, Heike Makatsch, 91 Minuten, FSK 0, Cinemaxx Göttingen, Movietown Eichsfeld, Neue Schauburg Northeim, Central Lichtspiele

Filme im Open Air-Kino am Brauweg

Astrid

Schweden Anfang des 20. Jahrhunderts: Für Astrid und ihre Geschwister ist es ein Glück, auf einem Pfarrbauernhof in Vimmerby aufzuwachsen. Neben religiösen Werten vermitteln ihnen die Eltern auch einen Sinn für Freiheit. Sie ermöglichen Astrid, eine höhere Schule zu besuchen, und sie erlauben der 18-Jährigen, eine Stelle als Volontärin in der Ortszeitung anzutreten. Doch Redakteur Reinhold Blomberg bringt ihr nicht nur bei, Texte zu schreiben, er verliebt sich auch in sie. Als sie schwanger wird, fasst Astrid einen folgenreichen Entschluss: Sie lehnt es ab, Blomberg zu heiraten und will allein für sich und ihren Sohn Lasse sorgen.

In ihrem Film über die Jugendjahre der Schriftstellerin Astrid Lindgren porträtiert Pernille Fischer Christensen eine unabhängige junge Frau, die gesellschaftliche Normen aufbricht und sich schwierigen Entscheidungen mutig stellt. Die junge Alba August, Tochter des berühmten Regisseurs Bille August, ist eine Idealbesetzung für die Rolle und wurde auf der Berlinale als neuer Shooting Star gefeiert. r

Astrid“, Regie: Pernille Fischer Christensen, mit Alba August, Maria Bonnevie, Trine Dyrholm, Björn Gustafsson, 123 Minuten, FSK 6, Donnerstag, 1. August, 21.15 Uhr

„Der Fall Collini

Der angesehene Industrielle Hans Meyer wird ohne ersichtliches Motiv in einer Hotelsuite ermordet. Kurz darauf stellt sich der 70-jährige Italiener Maurizio Collini, der seit über 30 Jahren in Deutschland lebt, der Polizei. Der unerfahrene Rechtsanwalt Caspar Leinen wird ihm als Pflichtverteidiger zugewiesen. Für Caspar steht vieles auf dem Spiel bei seinem ersten großen Fall als Strafverteidiger. Das Opfer ist der Großvater seiner Jugendliebe Johanna und war wie ein Ersatzvater für ihn. Als Leinen den wahren Motiven auf die Spur kommt, nimmt der Fall eine spekrakuläre Wendung. Während des Mordprozesses kommt Leinen einem Justizskandal auf die Spur. r

„Der Fall Collini“, Regie: Marco Kreuzpaintner, mit Elyas M’Barek, Alexandra Maria Lara, Heiner Lauterbach, 123 Minuten, FSK 12, Freitag, 2. August, 21.15 Uhr

„Der Junge muss an die frische Luft“

Der Ruhrpott im Jahr 1972: Hans-Peter ist neun, ein bisschen pummelig und kann die Leute zum Lachen bringen. Das kommt sowohl bei den Kunden im Krämerladen seiner Oma Änne als auch bei seiner feierwütigen Verwandtschaft gut an. Als seine Mutter in eine tiefe Depression stürzt, muss er sein komödiantisches Talent noch ausbauen. Basierend auf Hape Kerkelings gleichnamigem autobiographischem Bestseller. r

„Der Junge muss an die frische Luft“, Regie: Caroline Link, mit Julius Weckauf, Luise Heyer, Sönke Möhring, 100 Minuten, FSK 6, Sonnabend, 3. August, 21.15 Uhr

Von Stefan Stosch/Jörg Brandes

Der Sänger Joris ist einer der Hauptacts beim Open-Air-Festival im Kaiser-Wilhelm-Park in Göttingen. Im Interview hat er vorab über seine Anfänge, Gerechtigkeit und schwierige Zeiten gesprochen.

31.07.2019
Göttinger Literaturherbst - Aramburu stellt „Langsame Jahre“ vor

Der Göttinger Literaturherbst beginnt mit der Lesung von Fernando Aramburu einige Tage vor der Festivalzeit. Am 9. Oktober stellt Aramburu seinen neuen Roman „Langsame Jahre“ vor.

30.07.2019

Die Singakademie Harz gibt unter dem Motto „Der Barock – Glanz Europas“ am Freitag, 9. August, ein Sommerkonzert in der St.-Albani-Kirche in Göttingen. Beginn ist um 19.30 Uhr.

01.08.2019