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Regional Kinostarts in Göttingen und der Region
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12:49 04.12.2019
Max von der Groeben als Frieder, Luna Wedler als Vera, Devrim Lingnau als Cäcilia, Damian Hardung als Höppner in einer Szene des Films „Auerhaus“ (von links). Quelle: dpa
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Göttingen

Mit „Lara“ legt „Oh, Boy!“-Regisseur Jan-Ole Gerster nach sieben Jahren Pause seinen zweiten Kinostreich vor. „Auerhaus“ ist der zweite deutsche Film, der diese Woche in den Kinos in Göttingen und der Region startet. In der Dramödie wird das WG-Leben sechs Jugendlicher gezeigt. Der Dokumentarfilm „P.J. Harvey“ verbildlicht Leben und Reisen der britischen Musikerin P.J. Harvey. Gemeinsam mit ihrem Mann realisierte Harvey den Film.

Die WG mögen nicht alle im Dorf

Die Geschichte von sechs Jugendlichen, die das Hier und Heute genießen wollen, traf 2015 einen Nerv. Bis heute wurden mehr als 250 000 Exemplare von Bov Bjergs Roman verkauft. Eine Leinwandadaption war nur eine Frage der Zeit. In Neele Leana Vollmars Verfilmung geht es um die schwierige Suche nach einem Platz im Leben, das Austesten von Grenzen, das Schwanken zwischen Hochstimmung und Trauer.

Das passt zum Ausgangspunkt: Nach dem misslungenen Suizidversuch von Frieder (Max von der Groeben) ziehen seine Freunde Höppner, Vera und Cäcilia (Damian Hardung, Luna Wedler, Devrim Lingnau) mit ihm ins Bauernhaus am Ortsausgang – was nicht allen Dorfbewohnern gefällt. Die WG der 1980er-Jahre in der württembergischen Provinz funktioniert leidlich, bald gibt es zwei Neuzugänge, eine Pyromanin, die Frieder in der Psychiatrie kennengelernt hat, und einen schwulen Freigeist.

Es geht rund im Auerhaus: feiern bis zum Umfallen, auf Kumpel Frieder achten und von einem anderen Leben als dem der Eltern träumen. Bis die Realität mit aller Härte einbricht, darf über die Zukunft gesponnen werden.

Fein gezeichnet sind die Abnabelung von der Familie, die Beziehungen, aber auch die erste Liebe und die Angst vor Sexualität. Die Schauspieler in dieser Dramödie überzeugen durchweg, vornweg von der Groeben in seiner Ambivalenz zwischen Lebenslust und Todessehnsucht. Der melancholische Blick auf die schöne Zeit der Jugend berührt. Egal, wie alt man ist.

Auerhaus“, Regie: Neele Leana, mit Vollmar, Damian Hardung, Luna Wedler und Max von der Groeben, 107 Minuten, FSK 12, Cinemaxx Göttingen, Movietown Eichsfeld

In anderthalb Kinostunden spaziert man durch Laras Leben

Keiner, der seinen Erstling gesehen hat, dürfte jedoch Jan-Ole Gerster vergessen haben. Sein „Oh Boy“ war 2012 der Knüller der Saison: mehr als 300 000 Besucher, sechs Deutsche Filmpreise – und das alles mit einem Regiedebüt in Schwarz-Weiß, das beinahe ohne Handlung auskommt. Ein junger Mann, Typ Studienabbrecher, lässt sich zu Jazzklängen einen Tag lang durch Berlin treiben, trifft ein paar Leute und sehnt sich nach einer Tasse Kaffee, die er irgendwie nie bekommt. Für Hauptdarsteller Tom Schilling („Werk ohne Autor“) begann damals die Karriere.

Jetzt ist der Regisseur mit „Lara“ wieder aufgetaucht – und auf den ersten Blick scheint es, als habe er einfach da weitergemacht, wo er einst aufgehört hatte: Dieses Mal driftet eine Frau einen Tag lang durch Berlin.Und doch ist vieles anders. Die Bilder sind farbig. Gerster hat das Drehbuch nicht selbst geschrieben, sondern der slowenische Autor und Filmemacher Blaz Kutin. In „Lara“ spielt klassische Musik eine Hauptrolle, und das hat seinen Grund: Lara (Corinna Harfouch) ist eine verhinderte Pianistin, die ihren gesamten Ehrgeiz auf Sohn Viktor (wiederum Tom Schilling) projiziert.

Viktor will an diesem Abend bei einem Konzert seine erste eigene Komposition präsentieren. Es ist zugleich Laras 60. Geburtstag. Auf der Konzertbühne könnte sich ein Kreis schließen, mehr noch für die Mutter als für ihren Sohn. Bloß hat sich Viktor seit Tagen nicht mehr bei Lara gemeldet. Seine Mailbox muss voll von ihren Anrufen sein.Wir lernen Lara am Morgen in ihrer Hochhauswohnung kennen. Langsam wird es hell, wir nehmen die Umgebung mit der Erwachenden wahr: das Foto mit dem Sohn auf dem Schrank, den Klavierhocker vor der Wand, wo bis vor Kurzem Viktors Instrument gestanden haben muss und jetzt eine Lücke klafft.

Corinna Harfouch als Lara und Tom Schilling als Viktor in dem Film „Lara“. Quelle: epd

Lara steht auf, stellt einen Stuhl vors geöffnete Fenster und klettert hinauf. Lara will springen. Dass sie es nicht tut, ist einem Zufall geschuldet: Es klingelt an der Tür.So zieht sie wenig später eben ihren weinroten Mantel an, hebt ihr gesamtes Geld von der Bank ab und kauft sogleich die restlichen 22 Konzertkarten auf, die noch zu haben sind. Bis zum Abend wird sie diese an die Menschen verschenken, die für sie von Bedeutung sind – und an einige andere auch, die ihr zufällig über den Weg laufen, zum Beispiel auf einer Damentoilette.

In wenig mehr als eineinhalb konzentrierten Kinostunden spazieren wir durch Laras Leben. Wie bei einem Puzzle fügen sich die Teile präzise ineinander. Und doch bleiben Narben, verursacht durch tiefe Verletzungen in Laras Familie.

„Lara“, Regie: Jan-Ole Gerster, mit Corinna Harfouch und Tom Schilling, 98 Minuten, FSK 0, Lumière Göttingen

Die Reise der britischen Musikerin PJ Harvey

Auf der Suche nach Inspiration folgt die britische Musikerin und Indie-Ikone PJ Harvey ihrem Freund, dem preisgekrönten Fotojournalisten und Kameramann Seamus Murphy, auf seinen Reisen um die Welt. In Afghanistan, dem Kosovo und Washington DC sammelt Harvey Gedanken und schreibt Texte, Murphy nimmt Bilder auf. Zurück in London verwandelt die Musikerin die gesammelten Wörter in Gedichte, in Songs und schließlich in ein Musikalbum, „The Hope Six Demolition Project“, das sie im Rahmen einer Kunstperformance aufnimmt.

Der DokumentarfilmP. J. Harvey – A Dog Called Money“ gewährt nicht nur einen noch nie dagewesenen, intimen Einblick in den Arbeitsprozess von PJ Harvey, sondern zeigt auch exemplarisch, wie aus Inspiration im Zuge eines gemeinschaftlichen kreativen Prozesses große Kunst entsteht: ein Musikalbum, eine Kunstinstallation, ein Dokumentarfilm. Murphy zeigt dabei die Geburt von Harveys Songs und seines Films als Akt tiefer Einfühlung, die von den unmittelbaren Begegnungen mit den Menschen und Orten ausgeht. Ein bewegender und vielschichtiger Dokumentarfilm - nicht nur für PJ-Harvey-Fans.

„P.J. Harvey - A Dog Called Money“, Regie Seamus Murphy, mit P.J. Harvey, 90 Minuten, FSK 6, Lumière Göttingen

Von Margret Köhler, Stefan Stosch, r

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