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15:16 31.05.2017
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Göttingen

Rückkehr der Bademeister: Die „Baywatch“-Truppe vergnügt sich wieder am Strand

Über Selbstironie verfügt das Personal am Strand von Miami jedenfalls: Da überreicht der Ober-Bademeister dem Azubi-Bademeister einen Schlüsselanhänger. Und wessen Bildnis prangt darauf? Das vom Original-Bademeister, und der trug in 243 Fernsehfolgen und über mehr als ein Jahrzehnt das Gesicht von David Hasselhoff, in Fankreisen auch bekannt als „The Hoff“.

Später bekommen wir „The Hoff“ beim Kino-Revival von „Baywatch“ auch noch leibhaftig zu sehen. Ebenso schwebt in einer gänzlich überflüssigen Szene ein blondes Geschöpf mit prachtvoller Mähne heran, natürlich in Zeitlupe, beinahe so wie früher: Pamela Anderson, einst die Original-Bademeisterin. Allerdings trägt sie nun einen schicken Hosen- und nicht mehr den genauso berühmten wie knapp bemessenen roten Badeanzug. Den tragen dafür ihre Nachfolgerinnen auf (mit dabei: Alexandra Daddario, Kelly Rohrbach, Priyanka Chopra), wenn sie dekorativ am Strand entlangjoggen oder sich über beinahe Ertrunkene beugen.

Regisseur Seth Gordon („Voll abgezockt“) weiß, was er in der neu eröffneten Beachsaison den Altvordern schuldig ist. Ohne Hasselhoff und Anderson wäre Hollywood wohl kaum auf die Idee gekommen, einen Trupp von Strandwächtern zu Kinohelden zu ernennen, die sich als die „Elite der Elite“ verstehen und über einen Ehrenkodex verfügen, der Navy Seals erblassen lassen müsste. Hier riskiert man quasi jeden Tag das eigene Leben zum Wohl der badenden Allgemeinheit und lässt sich dafür beklatschen wie Delfine in einer Seaworld-Show.

Actionspezialist Dwayne „The Rock“ Johnson („Fast & Furious“) übernimmt im Kino den Frischluftjob plus die Plastik-Rettungsboje von Hasselhoff. Er ist der richtige Mann dafür, denn in puncto Selbstverliebtheit kann es Johnson alias Mitch locker mit seinem Vorgänger aufnehmen. Johnson ist allerdings klug genug, mit dem beim Strandleben allgegenwärtigen Narzissmus zu spielen: Sein Mitch findet sich so toll, dass er sogar Plastikfiguren seiner selbst zu Hause im Aquarium stehen hat. Wie Neptun reitet Klein Mitch dort mit Dreizack auf einem Delfin. Und wenn Mitch seinen ersten Rettungsjob erledigt, drehen echte Delfine Saltos. Auf so eine bewusst alberne Form des Personenkults muss man erst mal kommen.

„Baywatch“ war in den Neunzigern eine einzige Feier des sonnengebräunten Freizeitkörpers. Üppige Oberweiten, stramme Sixpacks, durchtrainierte Körper ohne Fehl und Tadel, wie sie die Schönheitsindustrie in der Werbung ausstellt: Die Bewerbungskriterien für Rettungsschwimmer am Strand von Malibu waren klar – weshalb es auch kein Problem darstellte, die Nebenfiguren regelmäßig auszutauschen, ohne dass es auffiel. Die Serie brachte mehr als eine Milliarde Zuschauer in 144 Ländern vor die Fernsehgeräte. Da kamen nicht einmal die verruchten Ölbarone aus „Dallas“ mit.

Im Rückblick gilt „Baywatch“ als die erfolgreichste TV-Serie des 20. Jahrhunderts. Diese Steilvorlage konnte sich das fortsetzungswütige Hollywood nicht entgehen lassen. Nun hat es versucht, eine alte Erfolgsformel fürs neue Jahrtausend zu aktualisieren, möglichst ohne den Markenkern zu beschädigen. Das ist nur halb gelungen.

Im Fernsehen spielte es keine entscheidende Rolle, was die Rettungsschwimmer veranstalteten. „Baywatch“ war eine dezente Form der Aktfotografie vor rollenden Ozeanwellen, garniert mit gelegentlichen Haiattacken sowie überschaubaren Motorboot- und Surfbrett-Havarien. Fleischgewordene Kens und Barbies vergnügten sich am Strand, ohne je auch nur einen Anflug von Sonnenbrand zu bekommen. Nebenbei zogen sie Verunfallte aus dem Wasser.
Was aber stellt man mit den Rettungsschwimmern über zwei Stunden auf der großen Leinwand an? Das haben sich auch die Drehbuchautoren gefragt, aber keine überzeugende Antwort gefunden. Ein wenig unflätiger Genitalhumor hier, ein renitenter neuer Rettungsschwimmer namens Matt (Zac Efron) da, der seinen Chef Mitch mit Widerworten ärgert und vor seiner Überheblichkeit gerettet werden muss. Das reicht nicht für einen abendfüllenden Film.

Also haben die Skriptautoren einen hanebüchenen Krimi rund um Drogen- und Immobiliengeschäfte gestrickt. Das könnte man Mut zum Trash nennen, wenn die Story Spannung erzeugen würde. Tut sie aber nicht. Sie dümpelt so zäh dahin wie eine Segeljolle auf einem Badeteich bei Flaute. Und was die Actionszenen angeht: Die dürften für Dwayne Johnson Pipifax gewesen sein. Halbwegs amüsant wird das Ganze nur, wenn die Bademeister-Abteilung über sich selbst lacht. Denn wie gesagt: An Selbstironie mangelt es Mitch und Co. nicht.
Doch verliert Kino-„Baywatch“ durch die aufgepfropfte Handlung das, was Fernseh-„Baywatch“ ausgezeichnet hat: den Geschmack von Sonne, Sand und Meer.

Von Stefan Stosch

Mehr als nur Muskeln: Der Wrestling-Champion Dwayne Johnson

Vom Ring ins Kino: Seit seinem Auftritt als Scorpion King in Stephen Sommers’ „Die Mumie kehrt zurück“ im Jahr 2001 hat sich der Wrestler Dwayne „The Rock“ Johnson, achtfacher WWE-Weltmeister im Schwergewicht, zu einem der beliebtesten Heldendarsteller im US-Blockbusterkino entwickelt. Die erste große Rolle brachte gleich einen Rekord: Die 5,5 Millionen Dollar Entgelt waren die höchste bis dato gezahlte Gage für ein Leinwand-Greenhorn. Seither spielte Johnson in Komödien wie „Daddy ohne Plan“ (2007) und „Zahnfee auf Bewährung“ (2010) ebenso wie in Weltuntergangsspektakeln („San Andreas“, 2015) und Fantasy-Kraftmeiereien („Hercules“ 2014). Markenzeichen des sympathischen 45-jährigen Kaliforniers, Sohn einen schwarzen Vaters (ebenfalls im Wrestling-Gewerbe) und einer samoanischen Mutter, ist dabei sein Witz, seine unerschütterliche Selbstironie.

Ein Wachsfiguren-Ebenbild bei Madame Tussauds in London hat Johnson schon, und er gehört zu den Stars, die 2017 einen Stern auf dem Hollywood-Walk-of Fame bekommen. Zu Kopf ist ihm all der Ruhm nicht gestiegen. Sein Lebensmotto: „Es ist nett, wichtig zu sein, aber es ist wichtig, nett zu sein.“

Unter den Stars ist er ein Malocher. Bis 2019 sind zwölf Filmprojekte in Planung, darunter die Neuverfilmung des Superheldenstoffs „Doc Savage“ und eine Fortsetzung von „San Andreas“. Darin gibt es dann wahrscheinlich noch viel riesigere Riesenerdbeben. big

„Baywatch“, Regie: Seth Gordon, 119 Minuten, FSK 12. In Göttingen im Cinemaxx

Matti Geschonneck verfilmt den DDR-Untergangsroman „In Zeiten des abnehmenden Lichts“

Von Martin Schwickert

Kaum ein Roman hat die erstarrte Stimmung in der untergehenden DDR besser eingefangen als Eugen Ruges brillantes Debüt „In Zeiten des abnehmenden Lichts“. Anhand der eigenen Familiengeschichte untersuchte der Autor die gescheiterten Hoffnungen und die bittere Wirklichkeit des real existierenden Sozialismus. Dabei spannte er den Erzählbogen vom mexikanischen Exil während der Nazi-Zeit, über den sibirischen Gulag bis hin zur massenhaften Republikflucht am Vorabend des Mauerfalls im Herbst 1989 und blieb doch immer ganz dicht am verwandtschaftlichen Figurengeflecht.

Unter der Regie von Matti Geschonneck hat der Stoff glücklicherweise unmonumentale Form angenommen. Der vorzügliche Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase („Solo Sunny“) hat die Vorlage entschlackt und in ein überaus intensives Kammerspiel verwandelt.

Das Zentrum der Erzählung ist der 90. Geburtstag des aufrechten Kommunisten Wilhelm Powileit (Bruno Ganz) im Oktober 1989. Seit siebzig Jahren ist der Mann in der Partei, hat als Antifaschist gegen die Nazis gekämpft, floh mit seiner Frau Charlotte (Hildegard Schmal) ins mexikanische Exil und baute nach dem Zweiten Weltkrieg die DDR mit auf. Altersstarrsinn, stalinistisches Gedankengut und fortschreitende Demenz vermischen sich im Denken des Jubilars .
Sein Stiefsohn Kurt (Sylvester Groth) wollte als junger Mann in der Roten Armee auch gegen die Nazis kämpfen. Aber von Moskau fuhr der Zug Richtung Osten und er landete in einem sibirischen Arbeitslager, aus dem er erst Mitte der Fünfzigerjahre mit seiner russischen Frau Irina (Evgenia Dodina) in die DDR zurückkehrte, wo er sich als Historiker mit den System arrangierte. Ihr gemeinsamer Sohn Sascha (Alexander Fehling) ist in der Nacht vor Großvaters Geburtstag in den Westen abgehauen – dabei ist er der Einzige, der den riesigen Ausziehtisch für das Büffet aufbauen kann. Und so macht sich der alte Powileit mit Hammer und Nägeln über das sperrige Möbelstück her, das im Verlauf der Feierlichkeiten nicht allein zu Bruch gehen wird.

Denn während Jungpioniere ein Ständchen schmettern, der stellvertretende Bezirksvorsitzende seine Laudatio in Szene setzt und dem störrischen Geburtstagskind den Stern der Völkerfreundschaft in Gold verleiht, werden die Gräben in der Familie immer tiefer.

Geschonneck entwickelt wie schon in „Boxhagener Platz“ ein feines humoristisches Gespür, das nie in die bloße Karikatur abgleitet. Dabei kann er sich voll und ganz auf sein herausragendes Ensemble verlassen. Dass Bruno Ganz auch den stalinistischen Patriarchen spielen kann, ist keine wirkliche Überraschung. Aber wie Sylvester Groth den Historiker, der selbst durch die Mühlen des gewalttätigen 20. Jahrhunderts gegangen ist, mit einer resignierten Herzenswärme füllt, ist eine Offenbarung.

„In Zeiten des abnehmenden Lichts“, Regie: Matti Geschonneck, 100 Minuten, FSK 0

Déjà vu bis zum Abwinken: „Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei …“

Von Matthias Halbig

Für den Filmtitel braucht man gefühlt bis Freitag: „Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie“ heißt das Drama (nach dem Roman von Lauren Oliver) und ist eine Art „Und täglich grüßt das Murmeltier nach dem Tode“. Regisseurin Ry Russo-Young erzählt von der Schülerin Samantha (Zoey Deutch), die ihren letzten Tag immer wieder aufs Neue durchlebt.

Jeder dieser Tage endet mit ihrem Tod bei einem Unfall, nachdem sie eine blöd verlaufende Party früh verlassen hatte. Was bei der „Murmeltier“-Komödie funktioniert hat, klappt bei der ernsthaften Herangehensweise an die Dauerschleifenthematik nicht so gut. Die immerselben Momente wirken bald sterbenslangweilig.

Und was soll schon passieren, wenn Sam immer liebenswerter zu allen wird, wenn sie – wie man durchaus feststellen könnte – vom originellen zum angepassten Charakter wird? Ein Lazarus-Effekt? Zugegeben, dieser Film hat seine Momente, bleibt am Ende aber eine Moritat für ein durchromantisiertes (vornehmlich weibliches) Teenagerpublikum.

„Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie“, Regie: Ry Russo-Young, 98 Minuten, FSK 12. In Göttingen im Cinemaxx

Gift und Gier: „Code of Survival“

Schon zweimal hat der US-Konzern Monsanto versucht, den Filmemacher zu verklagen. Ohne Erfolg. So redet Bertram Verhaag auch im zehnten Film seiner Gentechnik-Reihe Klartext, fragt nach dem „Code of Survival“ für unseren geschundenen Planeten und liefert Fakten über die globale Zerstörung durch die industrielle Landwirtschaft.

Eindringlich zeigt er das Resultat von Pestizideinsätzen wie Glyphosat mit allen Konsequenzen: vergiftete Böden, resistentes Superunkraut, verseuchtes Getreide und krankes Vieh – dessen Fleisch dem Menschen schadet. Dennoch ist der Regisseur vom „Ende der Gentechnik“ überzeugt und hofft auf Widerstand.

Jane Goodall, berühmt für ihre Verhaltensforschung an Schimpansen, bringt es auf den Punkt, wenn sie die „Gier“ der Firmen geißelt. Schlauer als manche Wissenschaftler scheinen die Tiere zu sein. Wenn sie zwischen „normalem“ Futter und gentechnisch verändertem wählen können, lassen sie letzteres liegen. mkö

„Code of Survival – Die Geschichte vom Ende der Gentechnik“, Regie: Bertram Verhaag, 95 Minuten, FSK 0

„Gregs Tagebuch 4“

In Gregs Tagebuch wird nach fünf Jahren Pause das vierte Kinokapitel aufgeschlagen. Und wie zuletzt bei „Hanni & Nanni“ wurde die Besetzung erneuert. Cartoon-Roman-Autor Jeff Kinney schrieb mit.

Die Story handelt vom Roadtrip der Familie Heffley zur Feier von Omas 90. Geburtstag. Auf der Suche nach seinem kleinen Bruder greift Greg (Jason Drucker) im Bällebad in eine volle Windel. Rasch kursiert eine unrühmliche Aufnahme im Internet. Wie seine Vorgänger ist der vierte Teil eine episodisch strukturierte „Pleiten, Pech und Pannen“-Show. bra

„Gregs Tagebuch – Böse Falle!“, Regie: David Bowers, 92 Minuten, FSK 0. In Göttingen im Cinemaxx, in Duderstadt in der Feilenfabrik